Sehenswert
Theater in der Region
Welche Inszenierung Sie unbedingt gesehen haben müssen, auf einen Blick. mehr...
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BOCHUM Sprechendes Bühnenbild, zweibeinige Übertitel, ein Inspizient, der die Sänger rechtzeitig auf die Bühne holt - Harald Schmidt will die Opernwelt mit seinen Auftritten in Bochum auf ganz eigene Weise erobern.
Im ersten Überschwang wollten Harald Schmidt (l.) und Steven Sloane gemeinsam "Die Hochzeit des Figaro" inszenieren. Dann holten sie sich Nils Cooper (r.) ins Boot. (Foto: von Wangengeim)
Generalmusikdirektor Steven Sloane hat den Entertainer gleich für vier Projekte seiner Bochumer Symphoniker verpflichtet. Auf die BoSy-Schmidt-Show folgt nun "Le Nozze di Figaro" von Mozart. Harald Schmidt ist nach den ersten Proben überzeugt: "Ich glaube, dass Mozart vor Glück geweint hätte."
Für den 24. und 25. Februar verspricht er eine revolutionäre Inszenierung. Revolutinär? "Ja", sagt er, "wir nehmen die Regieanweisungen ernst." Das sei im modernen Opernbetrieb schließlich total verpönt. Wo andere Türme oder gar Panzer auf die Bühne packen würden, sei es im Audimax der Bochumer Ruhr-Universität eben nur ein Stuhl.
Keine Opernpracht
Hier gibt es keine Opernpracht, Drehbühnen oder andere Finessen. "Wir verlassen uns auf die Musik", sagt Steven Sloane und Harald Schmidt sagt mit toternster Miene: "Was bei Mozart ja ein gewisses Risiko ist."
Statt pompöser Oper haben die Bochumer Symphoniker eine gestraffte Fassung entwickelt, die die humoristischen wie emotional tiefen Seiten des Werks zur Geltung bringt. Und sie setzen auf Harald Schmidt. Er wird die in italienischer Originalsprache gesungene Oper von der Hochzeit des Figaro zusammenfassen, erklären, "warum gerade wer hinter welchem Busch verschwindet" und die eine andere Privatunterhaltung mit dem Publikum führen.
Chemie stimmt
Die Chemie stimmt zwischen Sloane und Schmidt, die im ersten Überschwang sogar gemeinsam die Inszenierung übernehmen wollten, sich dann aber mit Nils Cooper noch einen Regisseur dazu holten. "Steven Sloane ist viel mehr Showmaster als die meisten Showmaster in Deutschland", sagt Schmidt und offenbart ganz egoistische Gründe, warum er bei der Oper mitmacht.
"Ich lerne den Figaro kennen, wie ich das im Publikum nie gekonnt hätte." Denn bei allen kleinen Showeinlagen, die der TV-Entertainer einstreut, ist seine Begeisterung für die Musik echt. "Sie wurde eingeprügelt", spöttelt er über frühen Schläge des Klavierlehrers. Und was fasziniert ihn an Mozart? "Da kann man nur in Platitüden verfallen, vor denen selbst ich zurückschrecke."
01. Juni 2012,
Konzerthaus Dortmund
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