Essener Lichtburg: Herta Müller gab sich Scheu bei ihrer Lesung
ESSEN Die Essener Lichtburg, Deutschlands größtes Lichtspielhaus, war am Mittwoch restlos ausverkauft. Voller Spannung warteten 1250 Besucher auf eine Lesung mit Nobelpreisträgerin Herta Müller.
Artikel aus diesem Ressort
- Daniel Wetzel im Interview Rimini-Protokoll erzählt bewegende Geschichten aus der Griechenland-Krise
- Nach Zimmermann-Kritik Debatte um Jeki - jetzt ist die Landespolitik am Zug
- Bayreuther Festspiele Fantasievoller "Parsifal" trifft Wagner für Kinder
- Kulturhauptstadt Pécs trauert mit dem Ruhrgebiet - "Unsere gemeinsame Tragödie"
- Sommerfestival Köln Starke Evita singt Melodien für die Ewigkeit
Wie ein scheues Reh stakste Herta Müller auf die Bühne. So viel Publikum ziehen ansonsten nur Popstars an. So viel Publikum schüchtert ein. Kaum hatte sie die Bühne betreten, nahm sie schnell an einem der beiden Tische Platz.
Ernst und unbewegt ließ Herta Müller die Pressefotografen ihre Arbeit verrichten. Auch Moderator Norbert Wehr verharrte emotionslos und wie festgeklebt auf seinem Stuhl. Anstatt die Autorin in ein lebhaftes Gespräch zu verwickeln, begnügte er sich mit wenigen Stichworten und kurzen Fragen.
Konzentrierte sich auf "Atemschaukel"
Ansonsten sprach Herta Müller. Für ihre Antworten benötigte sie mitunter sieben Minuten. Dabei konzentrierte sie sich beinahe ausschließlich auf den Roman "Atemschaukel" und dessen Entstehung. Weder ihre eigenen Diktaturerfahrungen noch der Rummel um den Nobelpreis kamen zur Sprache.
Pastiors Gedicht als Toneinspielung
Während einer gemeinsamen Reise zu den ehemaligen Lagern habe der Freund unmäßig viel gegessen, was ansonsten nicht seine Art gewesen sei. "Als wolle er dem Lager zeigen, dass er überlebt hat", erklärte Herta Müller. Bilder der Reise wurden gezeigt und Pastiors Gedicht "Der Hungerengel II" war als Toneinspielung zu hören.
Nach knapp 100 Minuten verabschiedete sich Herta Müller. Als der Applaus des Publikums aufbrandete, wurde sie verlegen, dann huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Geschafft.










