Unterwegs mit Odysseus
DORTMUND Die "Odyssee Europa", die Theaterreise durch sechs Schauspielhäuser der Region, ist nicht nur ein herausragendes Kulturhauptstadt-Projekt, sondern auch eines der größten Projekte, die der Dortmunder Schauspieldirektor Michael Gruner in den 35 Jahren als Regisseur auf die Bühne gebracht hat. Julia Gaß sprach mit ihm.
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Sie haben zu Ihrem Abschied von der Kulturhauptstadt Weimar 1999 dort den ganzen "Faust" inszeniert. Jetzt endet Ihre Dortmunder Amtszeit mit Homers "Odyssee". Ist beides vergleichbar?
Gruner: Gar nicht. Die Odyssee ist viel mehr, viel größer, eine Uraufführung. Sie übersteigt eine Einzelarbeit. Das ist das Schöne. Und eine ganz andere Dimension.
Gruner: Wir kennen die Stücke, aber nicht die Inszenierungen. Ziel ist, dass jedes Theater eine eigenständige Arbeit zeigt. Es gab keine Absprachen. Wann sehen Sie und die Schauspieler die anderen fünf Inszenierungen?
Gruner: Bei der Generalproben-Odyssee. Manche Schauspieler haben aber schon gesagt, dass sie vor der Premiere nicht die Kraft für diese Odyssee haben. Aber irgendwann werden alle alles gesehen haben. Sie in Dortmund sind die Letzten. Ist das besonders schwer? Will man den Zuschauer zum Finale ein abgerundetes Bild zeigen?
Gruner: Jeder will eine spannende Inszenierung zeigen. Das ist schon aufregend genug. Wir haben nicht die Erwartungshaltung, ein besonderes Finale präsentieren zu wollen. Wir wollten gerne den Schluss machen, die Heimkehr. Meine einzige Angst ist, dass die Zuschauer erschöpft sind, wenn Sie zu uns kommen, weil es vorher ein Essen gab. Ich hab' gesagt, dass nur leichte Kost serviert werden darf. Was ist die Stärke des Dortmunder Theaters? Wie wollen Sie sich von den anderen Bühnen absetzen?
Gruner: Unsere Stärke ist das Ensemble. Es wird ein Ensembleabend. Ein dramaturgisch-ästhetischer Blick auf das Stück. Was ist das Besondere an dieser Ästhetik in der Ära Gruner?
Gruner: Sie ist schlicht und klar. Wir setzen Masken ein, auch Stelzen. Nur der Chor der Toten hat keine Masken. Gab es Zeitvorgaben für die Autoren und Regisseure?
Gruner: Ja, jedes Stück darf maximal zwei Stunden dauern. Wir mussten streichen in Ransmayrs Text, er hat uns vertraut und wollte nichts mit uns absprechen. Sie haben in Dortmund mit dem "Fest der Romantik" und den "Sternstunden des Expressionismus" schon große mehrteilige Abende gezeigt. Waren das Vorstufen für die "Odyssee"?
Gruner: In der Struktur waren sie ähnlich, mit vielen Inszenierungen auf vielen Bühnen an einem Abend. Dies ist jedoch eine meiner größten Arbeiten. Sie haben Weimar 1999 als Kulturhauptstadt erlebt und jetzt das Ruhrgebiet. Was ist der Unterschied?
Gruner: Weimar ist ein kulturelles Schmuckkästchen, dort war alles winzig. Hier ist alles großflächig, riesig. Eine ganz andere Welt.
So funktioniert die "Odyssee Europa":
Für die Premiere der "Odyssee Europa" am 27/28. 2. gibt es nur noch Restkarten. Für die öffentliche Generalprobe am 24. / 25.2. sind Karten zum Sonderpreis von 119 Euro erhältlich.
Karten gibt es an den Theaterkassen der sechs beteiligten Schauspielhäuser Dortmund, Bochum, Essen, Oberhausen, Schlosstheater Moers und Theater an der Ruhr Mülheim oder bei der Ruhr.2010 unter Tel. 018 05 15 20 10.
Das "raumlaborberlin" gestaltet und organisiert die Busfahrten zwischen den Vorstellungen.
Erster Tag: 10.30 Uhr Schauspielhaus Essen: "Aretei" von Grzegorz Jarzyna; 16 Uhr Schauspielhaus Bochum: "Der elfte Gesang" von Roland Schimmelpfennig; 21 Uhr Theater Oberhausen: "Penelope" von Enda Walsh.
Zweiter Tag: 11 Uhr Schlosstheater Moers: "Perikizi. Ein Traumspiel" von Emine Sevgi Özdamar; 14 Uhr Theater an der Ruhr: "Sirenengesang" von Péter Nádas; 19.30 Uhr Theater Dortmund: "Odysseus. Verbrecher" von Christoph Ransmayr.
Es sind fünf Reisewochenenden geplant: 27./28. Februar (Premiere), 6./7. März, 13./14. März, 2./3. April und 22./23. Mai.
Nach Ostern nehmen alle sechs Theater ihre Stücke ins Repertoire auf, so dass sich die Besucher eine eigene Odyssee zusammen stellen können.












