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Eisenach (dpa) Mit der Eröffnung der sanierten Wartburg bei Eisenach am 21. April 1983 hat die DDR ein international beachtetes Zeichen im damaligen Luther-Jahr gesetzt.
Besucher besichtigen die Dauerausstellung auf der Wartburg bei Eisenach
Staatsratsvorsitzender Erich Honecker und sein Gefolge ließen sich und das 900 Jahre alte Wahrzeichen deutscher Geschichte gebührend feiern. Sie werteten die Burg, in der im Mittelalter die Minnesänger wetteiferten und Martin Luther 1522 die Bibel ins Deutsche übersetzte, als Symbol für die Bewahrung dieses humanistischen Erbes unter sozialistischem Vorzeichen. Die Qualitätsarbeit der Restauratoren und Denkmalpfleger ist nach 25 Jahren noch überall in dem Weltkulturerbe sichtbar.
«Wir mussten bisher nirgends etwas ausbessern», sagt Burghauptmann Günter Schuchardt. Die guten Restaurierungstechniken und Materialien haben dafür gesorgt, dass die Wartburg im Vergleich zu anderen Denkmalen bislang von Nachbesserungen weitgehend verschont geblieben ist. Baurestaurator Rolf Möller, der acht Jahre in der sagenumwobenen Feste gearbeitet hat, kommentiert seine Leistung mit einem lachenden und einem weinenden Auge: «Das ist das Los eines Restaurators. Wenn er gute Arbeit geleistet hat, bekommt er für das selbe Objekt nicht noch einmal einen Auftrag.»
Die Wartburg mit Sängersaal, Elisabeth-Kemenate und Kapelle ist für Möller der Höhepunkt seiner restauratorischen Arbeit. «Auch, weil wir dort so viele romanische Spuren gefunden haben, was nach dem kompletten Umbau im 19. Jahrhundert niemand mehr vermutet hat.» Bei den Voruntersuchungen wies er zusammen mit anderen romanische Putzritzungen, Fugenverputzsysteme und Farben nach, die etwa für die Raumfassung des Rittersaales entscheidend waren. Später konnte unter einem Gemisch von Leinwand, Blech und Putz die ursprüngliche Bemalung freigelegt werden, die bis heute in ihrer Schönheit zu sehen ist.
Die heute gefeierte Wartburg war über die Jahrhunderte immer wieder in Vergessenheit geraten. Ihre Blütezeit hatte sie im frühen Mittelalter zur Zeit der Landgräfin Elisabeth, die später heiliggesprochen wurde. Im 16. Jahrhundert war die Burg bereits so unbekannt, dass Reformator Luther dort Sicherheit vor päpstlichem Bann und Reichsacht fand. Erst als die deutschen Burschenschaften in dem Gemäuer 1817 das vereinigte Vaterland forderten, erwachte sie langsam aus ihrem Dornröschenschlaf.
Johann Wolfgang Goethe erahnte nur die Bedeutung des klotzigen Bauwerkes, dessen romanische Pfeiler damals in der Außenwand zugemauert waren. Erst nach seinem Tod ließ Weimars Großherzog Carl Alexander die Burg nach den romantischen Vorstellungen über das Mittelalter umbauen. In dieser Zeit entstanden die Elisabeth- Kemenate mit ihren Mosaiken und die Schwind-Fresken zur Geschichte der Burg und dem Leben der Heiligen Elisabeth. «Dieser Zustand sollte mit der Restaurierung vor 25 Jahren wieder hergestellt werden», sagt Schuchardt. Die DDR habe seit den 1950er Jahren Millionen in die Sicherung der Wartburg gesteckt, die zeitweise in ihrem Bestand gefährdet war.
Nach der Wiedervereinigung gab es dann trotz aller Bemühungen einen mehrjährigen «Sanierungsstau», erinnert sich der 53-Jährige. Heute erhält die Wartburg-Stiftung von Bund, Land Thüringen und der Denkmalpflege pro Jahr etwa eine Million Euro für die Restaurierung. Von 1992 bis 1997 wurden nach und nach die Außenmauern des Palas konserviert, danach der Südturm. Seit wenigen Tagen ist die Westseite des Bergfrieds eingerüstet. «Obwohl erst 150 Jahre alt, gibt es an den Außensteinen bereits große Verluste.»
Ein «Sorgenkind» haben die heutigen Restauratoren von ihren Kollegen aus der DDR übernommen: Die Wandfresken von Moritz von Schwind drohen wie vor 25 Jahren vom Putzuntergrund abzublättern. «Wir bevorzugen derzeit eine konservatorische Lösung, um möglichst viel vom Original zu erhalten», erläutert Schuchardt. Dabei zieht der Restaurator mit Kompressen jeden Winter die Salze aus der Wand. «Bislang scheint das Konzept aufzugehen.»
23. Februar 2012,
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