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Medienhaus Lensing
05.09.2010 15:39 Uhr
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Noch vor Einweihung: Anschlag auf Paul Wulf-Skulptur

MÜNSTER. Die Skulptur war noch gar nicht offiziell eingeweiht, da wurde sie schon Opfer einer Straftat. In der Nacht von Samstag auf Sonntag versuchten Vandalen, das Litfaß-Säulen-Kunstwerk umzutreten. Die Brille von Paul Wulf wurde geklaut.Von Sabine Müller

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Paul Wulf ohne Brille. Das Standbild wurde Opfer von Vandalen und Dieben. (Foto: Sabine Müller)

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Die Bestürzung und Verärgerung bei der offiziellen Einweihung am Sonntag (5. September) um 15 Uhr war groß. Dr. Bernd Drücke vom Paul-Wulf-Freundeskreis sprach von einem „Anschlag“ auf Paul Wulf. Oberbürgermeister Markus Lewe bat die Diebe, die Brille wieder zurückzubringen.

Die Tat überschattete die Einweihung, lenkte aber nicht davon ab, wie glücklich und froh die rund 150 Gäste waren, dass das Kunstwerk nach drei Jahren endlich eine Heimat in Münster gefunden hat. Der Servatiiplatz sei genau der richtige Ort, betonte Lewe. Die Schneise vom Bahnhof zur Innenstadt werde von vielen Menschen frequentiert. "Ich habe schon viele Leute in den vergangenen Tagen vor der Skulptur diskutieren sehen." Die lange Diskussion um das Kunstwerk sei nun zu einem guten Ende gekommen. Kunst müsse nicht immer schön sein, sondern solle zur Toleranz beitragen. Die Paul-Wulf-Skulptur verkörpere in bester Weise das Motto "Toleranz durch Dialog".

Zu politisch für Münster?

Auch Hermann Arnhold, Leiter des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, bevorzugt den Servatiiplatz vor dem Alternativ-Standort an der Lambertikirche. "Die Satue hier in der Fußgängerzone hat etwas Irritierendes." Nachdem das Litfaßsäulen-Werk bei den Skulptur-Projekten 2007 aufgestellt war und eine Kommission aus Kunstexperten der Stadt den Ankauf empfohlen hatte, wurde Paul Wulf zum Politikum.

Arnhold erinnert sich noch sehr gut an die Sitzung des Kulturausschusses: Die schwarz-gelbe Mehrheit lehnte das Kunstwerk für Münster ab. Es sei diskutiert worden, ob das eine Kunst sei, die es wert sei, aufgestellt zu werden. Zudem sei die Frage aufgekommen, ob diese Kunst nicht zu politisch sei für Münster. Arnhold empfindet das nicht so: "Es ist viel zu harmonisch in dieser Stadt, etwas, das Widerspruch erregt, tut Münster ganz gut."

Künstlerin Silke Wagner bedankt sich

Die Künstlerin Silke Wagner bedankte sich in ihrer kleinen Rede am Sonntag ausdrücklich bei der Bezirksregierung Mitte. Diese hatte den Beschluss der schwarz-gelben Koalition, das Kunstwerk nicht aufzustellen, gekippt.

Paul Wulf war Bürgerrechtler. "Ein unbequemer Mensch, der dafür sorgte, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus aufgedeckt wurden", so Drücke. Paul Wulf war selbst Opfer einer furchtbaren Tat der Nationalsozialisten geworden: Der als geistig behindert geltende Junge wurde 1938 zwangssterilisiert - eine traumatische Erfahrung, die ihn bis zu seinem Tod verfolgte. Wulfs Kampf gegen die Schuldigen wurde mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Das Denkmal am Servatiiplatz soll ihn ehren und nie vergessen machen.



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