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Medienhaus Lensing
10.03.2009 19:13 Uhr
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Das Hirn im Rock: Kolja Steinrötter zeigt geheimnisvolle Arbeiten von Iv Toshain

MÜNSTER Das Mädchengesicht ist schön, mit Bleistift gezeichnet. Es wäre ein tolles, normales Porträt – würden nicht aus dem linken Mundwinkel des Mädchens ein blaues und grünes Leuchtkabel heraushängen. Würde nicht ein Auge wie weggesprengt aussehen. Würde dieses Loch nicht aussehen, als ließe es den Blick frei ins Innere des Kopfes.Sabine Müller

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Die bulgarische Künstlerin Iv Toshain stellt in Münsters Galerie FB69 (Hüfferstraße 18) aus. Gesichter und Pflanzen verbinden sich auf ihren Zeichnungen zu einer aufregenden Symbiose von Mensch und Natur. (Müller)

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Iv Toshain ist 28 Jahre alt, in Sofia geboren und in der Schule erst mit dem Zeichnen und dann mit dem Lesen vertraut gemacht worden. Man merkt es ihren Werken an: Sie sind mit leichter Hand gearbeitet, dieser bestimmten Art der Leichtigkeit, die nur schwer zu erreichen ist. Galerist Kolja Steinrötter hat die bulgarische Künstlerin, die in Wien und Mailand studiert hat, im Internet entdeckt. Er hat ihre Arbeiten bereits bei der Eröffnungsausstellung seiner jungen Galerie FB 69 zusammen mit anderen jungen, spannenden Künstlern gezeigt und ihr jetzt mit „Crucified Tulips live longer – Gekreuzigte Tulpen leben länger“ eine Einzelausstellung gewidmet.

Hinter Fassaden

„Viele junge Künstler bleiben im Handwerk stecken“, sagt Steinrötter. „Es kommt nicht zu einer künstlerischen Idee.“ Bei Iv Toshain ist das anders. Sie ist hoch begabt, bei ihr „funktionieren die Bilder alle“. Toshain verfremdet Herkömmliches, um grundsätzliche Fragen neu zu stellen. Fragen nach der Existenz, nach der Unterscheidbarkeit von Natürlichem und Künstlichem, nach dem, was hinter Fassaden steckt. In ihren Bildern regiert der Mythos, das Unsagbare sucht nach Ausdruck.

Einige ihrer Bleistift-Zeichnungen entfremdet sie noch stärker als das Leuchtkabel-Mädchen: In einem Mädchen-Schädel platziert sie das Bild eines aufgeklappten Gebisses, in dem eine rote Masse mit Perlen umschnürt wie offenes Fleisch dargeboten wird. Über die Lippen rinnt es gelb, eine blaue Clownsnase gibt dem ganzen einen noch absurderen Touch.Im Bild „Mickey Mouse ist tot“ sind nur noch zwei Kreise wie Mickeymausohren über dem Rumpf einer Ballerina zu sehen, das Hirn ist in den Rock gerutscht, die Hände gehören nicht mehr zum Körper, schweben frei im Bild.

Black Box im Gesicht

Toshain kann es noch reduzierter: Vor eines der Bleistiftmädchen malt sie schwarze Balken und eine Tulpe, einem anderen sitzt eine Heuschrecke auf der Schulter, dem nächsten platziert sie eine Black Box halb vors Gesicht – und damit den Inbegriff des Geheimnisses.

Diese Black Box findet sich auch in einem Ölgemälde: Sie steht mitten in einer nur angedeuteten Landschaft. Vielleicht ein Wald? Die Box wirkt fremd in der Natur und doch mit ihr verbunden. Auf zwei anderen Ölbildern scheint die so unscheinbare schwarze Kiste geöffnet worden zu sein. Leuchtende Farben entspringen bei dem einen einer roten Blume, das aufgeklappte Gebiss thront über dem Farbenmeer. Das andere Bild ist nicht weniger farbenfroh: Was hier wächst und strahlt, scheint ein Gehirn, vielleicht auch eine sich teilende Eizelle zu sein. Irgendetwas zwischen allem, faszinierend, aber auch beängstigend.

Toshain: „Crucified Tulips live longer“, bis 2. Mai, FB 69 Galerie Kolja Steinrötter, Hüfferstraße 18, Di bis Sa 11-18 Uhr.


 


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