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Medienhaus Lensing
04.08.2010 19:22 Uhr
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Sommertheater: Faul aus Überzeugung - "Taugenichts" in Dülmen

DÜLMEN Viel hat der Taugenichts von Joseph von Eichendorff mit einem heutigen Arbeitslosen nicht gemein. Denn die Figur aus der Erzählung „Aus dem Tagebuch eines Taugenichts“ von 1826 wählt das Nichtstun mit Absicht.Von Heiko Ostendorf

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Bei den Frauen kommt der Taugenichts auf dem Dülmener Marktplatz sehr gut an. (Foto: Heiko Ostendorf)

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Der Protagonist will nicht länger in die Mechanismen der elterlichen Mühle eingebunden sein und begibt sich in der dramatisierten Version des N.N. Theaters aus Köln am Dienstag auf dem Dülmener Marktplatz auf eine ziellose Reise durch die Welt.

Diese Reise beginnt allerdings hier und heute. Ein Chef reicht wortlos den drei fassungslosen Angestellten die Kündigung. Das Eichendorff-Lied „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“ wirkt dabei zynisch und bitter. Schließlich bedeutet die Arbeitslosigkeit in unserer wirtschaftsorientierten Leistungsgesellschaft oft Ruin und sozialen Abstieg.

Slapstick statt Kritik

Dass dies der einzige Bezug zur Gegenwart bleibt, ist jedoch enttäuschend. Die Gesellschaftskritik blitzt nur kurz auf, um sofort hinter blendender Effekthascherei auf nimmer Wiedersehen zu verschwinden. In den nun folgenden zwei Stunden konzentrieren sich die Gäste aus Köln auf das, was Straßentheater ausmacht: bunte, originelle Kostüme, fantasievolle Schminke, viel Slapstick und Akrobatik. Und so steht der Taugenichts auf seiner Reise vor einer Gräfin und ihrer Gesellschafterin und schämt sich seines Nichtstuns.

Bei den grellen Frauen

Die grellen Frauen nehmen sich des Herumtreibers an und versuchen mit Hilfe des Portiers, für ihn eine Stellung zu finden. Er eignet sich allerdings für keine Tätigkeit – außer als Zolleinnehmer an einer Brücke, die kein Mensch benutzt. Hier kann er also weiter faulenzen und mit der rot-weißen Schranke schlüpfrige Albernheiten veranstalten. Er steht der Welt genauso hilflos gegenüber wie auf seinen weiteren Stationen: ein Schloss in Italien, Rom und schließlich wieder Wien.

Dem N.N. Theater ist eine unterhaltsame Produktion gelungen, die viel Applaus beim Dülmener Sommer erhält. Allerdings nerven die allzu klischeehaften Zitate schnell: In Rom ist das natürlich Michelangelos Deckenfresko „Die Schöpfung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle und der Trevi-Brunnen. Auch das gefühlte hundert Mal abwechselnd mit Geige, Gesang, Mundharmonika oder Kuhglocken intonierte „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ will scheinbar kein Ende nehmen.  


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