Medienhaus Lensing
08.03.2011 19:26 Uhr
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Hubert Teschlade: Schöpfer schöner Frauen

MÜNSTER Hubert Teschlade sitzt auf einem Stuhl und bittet die Besucher, ganz nah heranzukommen. Seit einem halben Jahr hat er einen Großteil seines Augenlichts verloren. Er scheint in die Ferne zu blicken, seine Hände fahren beim Sprechen in weiten Gesten durch den Raum.

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Hubert Teschlade zeigt seine wohlgeformten Skulpturen (Foto: Manuel Jennen)

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„Ich kann nicht mehr künstlerisch arbeiten“, sagt Teschlade. Aber die schöne Ausstellung im Haus der Niederlande tröstet ihn im Moment darüber hinweg. Als vorzeitiges Geschenk zum 90. Geburtstag des Künstlers am 24. Juni zeigt das Kulturamt Werke aus allen Schaffensphasen: wohlgeformte Bronzeskulpturen, biblische Porträts, aufwändig gebrannte Metallbilder. „Sinnbilder“ heißt die Schau, „denn meine Kunst hat sich immer mit Dingen beschäftigt, die den Sinn des Lebens ausmachen“, sagt Teschlade.

Schlanke Tänzerin

Und so begrüßt eine schwangere Frau die Eintretenden, eine lebensgroße nackte Bronzefigur, die mit meditativer Ruhe ihren Bauch hervorstreckt. Die Arbeit wirkt für den Saal fast zu pompös, eine kleinere Version links an der Wand ist hingegen entzückend anmutig. Ebenso wie zwei weitere Damen, erotische „Liegende“ und die überschlanke Tänzerin, die sich mitten in der Bewegung in einen Vogel zu verwandeln scheint.

Den Himmel und das Meer fände sich auf Teschlades Metallbildern. Kupferplatten bearbeitete er zu Reliefs, die Farben sind eingebrannt. „Evolution“ heißt eine nachtblaue Szenerie. Doch die angedeuteten Tiere kriechen nicht aus einer Darwinschen Ursuppe, sondern um ein stolzes Himmelstor. Keine Frage: Hier hat doch ein göttlicher Schöpfer seine Hand im Spiel.

Gebürtiger Münsteraner

Hubert Teschlade ist Münsteraner durch und durch. Er kam 1921 an der Ludgeristraße zur Welt und lebt heute in Nienberge. Doch das Schicksal führte ihn oft weit fort: im Krieg nach Weißrussland und in britische Gefangenschaft. Seine religiöse Kunst ist im ganzen Münsterland und bis in entlegene Teile Brasiliens zu finden.

Wenn ihm das Alter auch heute oft einen Strich durch die Rechnung macht, gibt Hubert Teschlade nicht auf. Prächtige Farbbearbeitungen von Bildern am Computer sind noch möglich. „Och, das ist ja keine Kunst“, sagt der 89-Jährige. Doch, ist es. Ein faszinierender Künstler und Mensch, immer ganz auf der Höhe der Zeit. 
 
Eröffnung morgen, 18 Uhr, Haus der Niederlande. Bis 13. April, Mo bis Fr 12 - 18, Sa/So 10 - 16 Uhr.
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