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Medienhaus Lensing
18.06.2008 18:55 Uhr
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Wewerka-Pavillon: Philosophie mit Puderzucker

MÜNSTER Peter Schloss, Kunststudent in Münster, hat für seine Ausstellung im Wewerka-Pavillon Mehl, Buter und Eier gebraucht. Er stellt einen Kuchen aus. Und das ist sehr philosophisch gemeint. Heiko Ostendorf

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Schneiden verboten: Wie der Kuchen von Peter Schloss aufgeteilt wird, soll der Betrachter nur denken. (Foto: Ostendorf)

Der erste Aspekt beim Betrachten eines Kuchens zielt in der Regel auf das eigene leibliche Wohl. Auf die Idee, dass eine Süßspeise Sinnbild für die Probleme einer Gesellschaft sein könnte, kommen wohl die Wenigsten.

Doch genau diesem Zweck dient der Gugelhupf in der aktuellen Ausstellung im Wewerka-Pavillon. Peter Schloss, Kunststudent in Münster, hat den runden Kuchen auf einer breiten weißen Säule drapiert und gönnt dem Zuschauer vor den Scheiben des Gebäudes am Aasee nur den Blick auf die mit Puderzucker bestreute Speise.„Rawls’ Room“ hat Schloss seine Arbeit betitelt. Damit spielt er auf den 2002 verstorbenen amerikanischen Philosophen John Rawls an. Der ist der Frage nachgegangen, wie eine Gesellschaft zu einer allgemein akzeptierten Gerechtigkeitsvorstellung gelangen könnte. Dafür, so Rawls, müssten die Menschen davon ausgehen, dass sie selbst noch nicht wissen, welche Rolle sie in der künftigen, nach ihren Regeln ablaufenden Gesellschaft einnehmen werden. Sie könnten sowohl zu den Begünstigten als zu den Verlierern gehören.

Gerechte Verteilung des Kuchens

Was kompliziert klingt, hat Schloss in Kunst übersetzt und damit anschaulich gemacht. Neben seinem Kuchen liegt ein Messer. An den Fenstern hängen Tafeln, auf denen Rawls’ Theorie kurz erläutert wird. Nun ist es dem Betrachter überlassen, über die gerechte Verteilung des Gugelhupfs zu diskutieren.

„Mir geht es in erster Linie um ein sinnhaftes, nicht um ein sinnliches Erlebnis“, erläutert der Künstler seine Arbeit. Die Pavillon-Besucher können statt über die faire Verteilung des Kuchens auch über den Sinn des Kunstwerks an sich diskutieren. „Das ist wohl eine Frage der Bereitschaft“, mutmaßt Schloss.Das Gelingen des Kunstwerks hängt vom Mitdenken der Passanten ab. So wird Backwerk zu Kunst und schließlich zur Philosophie. Wer hätte auf den ersten Blick gedacht, das so viel in einem Gugelhupf stecken kann.

Bis 17. August. Ausstellungseröffnung am Donnerstag (19. Juni) um 19 Uhr am Wewerka-Pavillon, Aaseewiesen an der Torminbrücke.



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