Globale Erwärmung: Klee sangen im Gleis 22
MÜNSTER Das steht sie nun und muss etwas zum Klimaschutz sagen. Nicht einfach, wenn das keiner hören will und man selbst den Moment auch für eher unpassend hält. Drei Anläufe macht Suzie Kerstgens, drei Mal kommt sie erst ins Stocken, dann ins Erzählen, schweift lächelnd ab in klimaferne Gefilde. Und wirft sich erleichtert in den nächsten Song.
Der sadistische Zahnarzt (Matthias Caspari, r.) und seine drei aufregenden Helferinnen wollen dem Blumenverkäufer Seymour (Ilja Harjes) ans Gebiss. Doch vorher wird der Doktor leider an die Pflanze verfüttert. (Foto: Hörnschemeyer)
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Wenn die fünf Kölner eine Botschaft haben, dann die aller wahren Pophelden. Der Liebe zu huldigen, wen wundert’s. Das tun Klee seit sechs Jahren so schön wie kaum eine andere Band, und jetzt hat Deutschland es endlich gemerkt. Das vierte Album „Berge versetzen“ ist kurz davor, das Quartett aus den Clubs in die Stadien zu katapultieren. Gut, dass es noch nicht ganz so weit ist.
Auf Augenhöhe
Denn der Klee-Mix – Gitarrenrock und Elektropop, Texte zwischen Tag und Traum, getrieben von nicht mehr ganz so jugendlichem Überschwang – ist zwar fast schon gefährlich massentauglich. Seine ganze Wirkung entfaltet er aber erst auf Augenhöhe mit den Fans. Suzie Kerstgens ist in Fransenhemd und Pailletten-Stirnband ums ungebändigte Haar die nette Rockdiva von nebenan, holt ein kleines Mädchen auf die Bühne, steigt ins Publikum und ruft nach Zugaben. Und stellt Keyboarder Sten Servaes ein Kerzchen aufs Instrument, nachdem sie „Ich lass ein Licht an für dich“ gesungen hat. Kleine Gesten, in großen Hallen unmöglich.
Disco siegt über Pop
Der riesigen Popsparte Liebeslied fügen Klee zwar kein neues Kapitel, aber ein paar interessante Sätze hinzu. Auch bei ihnen reimt sich Herz auf Schmerz. Aber immer, wenn der Kitsch droht, kriegen Klee souverän die Kurve: durch eine schnoddrige Zeile, einen verqueren Gedanken, einen treibenden Beat. Der immer dominierender wird, während sich das Konzert von nett nach gefährlich in die Nacht bewegt. Bei der bis dato größten Klee-Hymne „Gold“ hat die Disco über den Pop gesiegt. Die fliegenden Arme und Beine beruhigen Suzie und Sten ganz zum Schluss mit dem schönsten, weil simpelsten Song des neuen Albums. „Wie das Wetter“ entlässt glückliche Menschen in einen warmen Sommerabend, mitten im Oktober.
Am Sonntag (19.10.) spielen Klee ein zweites Mal im Gleis 22. Karten gibt’s an der Abendkasse.












