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Medienhaus Lensing
16.03.2010 17:35 Uhr
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Ausstellung zu Stromwerbung: Die ausgeklügelten Strategien der Energieanbieter

RECKLINGHAUSEN Wie Energieunternehmen in verschiedenen Zeiten auf ihr unsichtbares Produkt aufmerksam machten, zeigt die Ausstellung "elektrisierend - Werbung für Strom 1890 bis 2010" im RWE-Umspannwerk Recklinghausen bis zum 5. September. Von Karin von Cieminski

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Ein Werbeplakat aus dem Jahr 1935. (Foto: RWE)

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Es ist verblüffend zu sehen, wie in früheren Zeiten für etwas geworben wurde, das heute selbstverständlich ist: Auf Plakaten stellten sich Stromversorger als heldenhafte Pioniere dar, weil sie mit dem Ausbau des Stromnetzes Elektrizität verbreiteten. Selbstbewusst zeigten sich die Energieunternehmen in der Werbung Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf einem Plakat der Lech-Elektrizitäts-Werke von 1913 sind ein Adler und Blitz abgebildet, "die Symbole von Zeus, das Unternehmen hebt sich so selbst in göttliche Sphären", erklärt Kuratorin Regina Weber. Ihr persönlich gefallen diese Plakate, "die neue Kunden erschließen möchten und etwas tiefsinniger sind als die Vorgänger."

Die Plakate wurden damals noch von Künstlern wie Peter Behrens oder Ludwig Hohlwein gemalt, "im Jugendstil, später wurde die Werbung sachlicher." In Zeiten des NS-Regimes spielte die Darstellung der Frau eine große Rolle. So lautet ein Spruch "Jede Frau ist froh am elektrischen Herd" und nicht "über einen elektrischen Herd".

Fotografie erst spät

Strom sparen war hingegen immer ein Thema: aus persönlichen Kostengründen, Knappheit nach dem zweiten Weltkrieg oder aktuell aus Umweltschutzgründen. - Die Malerei herrschte erstaunlich lange vor, erst ab den 1970er Jahren setzten sich Foto-Plakate durch. "Ohne Werbung", so glaubt Regina Weber, "hätte sich Elektrizität nicht so schnell und in dem Maße durchgesetzt."

Verblüffend ist auch, was der Besucher aus längst vergessenen Zeiten erfährt. So warben Energieunternehmen in den 1930er Jahren dafür, dass Kochstrom billiger wird. In damaligen Haushalten gab es mehrere Zähler, die auch in Licht- oder Bügelstrom unterschieden. Neben vielen Plakaten zeigt die Sonderausstellung auch Werbeträger wie Tragetaschen. Eine wirbt mit dem Spruch "Seit 60 Jahren sinkt der Strompreis ständig". Darüber kann man heutzutage nur den Kopf schütteln, 1967 mag das jedoch wahr gewesen sein.

An drei Audio-Stellen hört der Besucher eine Stimme aus vergangenen Zeiten, etwa das Dienstmädchen, das völlig aus dem Häuschen ist, weil es einen Staubsauger benutzen darf. In einem kleinen Kino laufen Werbefilme verschiedener Jahrzehnte, viele zum Schmunzeln: etwa, wenn Mutti mit dem Haushaltsvorstand um ein Gerät feilscht.

  • Umspannwerk Recklinghausen: "elektrisierend - Werbung für Strom 1890 bis 2010", bis 5. 9., Uferstr. 2-4, Di-So 10-17 Uhr, Juni-August auch Mo 10-17 Uhr, Tel. (0 23 61) 38 22 15.
  • www.umspannwerk-recklinghausen.de


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