Medienhaus Lensing
11.03.2010 12:38 Uhr
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Ruhr.2010: Route der Wohnkultur zeigt, wo die Menschen zu Hause sind

DORTMUND Manchmal spricht Harry Lausch im Garten mit den Lokführern der Rangierloks, die in Höhe seines Hauses halten und dann wieder ins Stahlwerk zurückfahren. Der 52-jährige Stadtplaner hat sein Heim dort gebaut, wo andere eher ans Wegziehen denken. Davon können sich nun Besucher des Ruhr.2010-Projektes "Route der Wohnkultur" selbst überzeugen.dpa

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Am Rand der Dortmunder Innenstadt neben einem Trainingszentrum für Feuerwehrleute an einer viel befahrenen Bahnstrecke steht sein Haus. In der Nachbarschaft liegt ein großes Stahlwerk, gegenüber ein kleiner Park. Wohnen im Ruhrgebiet. "Es ist eine Idylle, aber mit Tücken", sagt Lausch. Lauschs Haus und ein Nachbargebäude gehören als "Tremonia Architektenhäuser" zur "Route der Wohnkultur", die zur Kulturhauptstadt Ruhr.2010 erschlossen wurde.

58 markante Wohngebäude und Siedlungen aus den vergangenen 150 Jahren gehören dazu: Moderne Bauten ebenso wie die älteste Arbeitersiedlung Eisenheim in Oberhausen von 1846, der "Mutter aller Siedlungen des Ruhrgebiets", wie Projektleiter Thorsten Schauz vom Dortmunder Planungsbüro Stadtidee sagt.

Steckbriefe

Das ganze Jahr können Besucher herausragende Objekte an Ruhr und Emscher bei Bustouren und geführten Spaziergängen kennen lernen. Auch selbst geplante Touren sind mit kostenlosen Steckbriefen möglich. Höhepunkt ist der "Tag der Wohnkultur" am 19. September, wo die Gebäude auch innen besichtigt werden können.

In der an Gärten und alten Kastanien reichen Bergarbeitersiedlung "Fürst Hardenberg" in Dortmund aus den 1920er Jahren. Holger Rieck lebt dort seit 21 Jahren in einer 87 Quadratmeter großen Doppelhaushälfte und ist sehr zufrieden. "Die Gemeinschaft ist perfekt", sagt der 57-jährige ehemalige Zechenbeschäftigte. "Hier kennt jeder jeden. Es ist wie ein Dorf", erzählt Peter Beuchel (66). "Jede Wohnung hat einen Garten. Wenn was frei wird, ist es schnell weg." Aus einem ehemaligen Ledigenheim, das gern auch "Bullenkloster" genannt wurde, ist heute ein "Nachbarschaftshaus" geworden.

Siedlungen sind ein Themenschwerpunkt der Route der Wohnkultur. Neben "Eisenheim" und "Fürst Hardenberg" wurden auch Hochhausprojekte wie Bochum-Hustadt in die Route aufgenommen. Dort entstanden seit Ende der 1960er Jahre Blocks mit bis zu 13 Etagen.

Wohnen im Alter

Ein anderes Thema ist die Mischung von historischer Bausubstanz mit modernen Elementen: Wo früher in der alten Dinnendahlschen Fabrik in Essen Dampfmaschinen gebaut wurden, sind heute Loft-Wohnungen mit bis zu 210 Quadratmetern Fläche entstanden.

Wohnen im Alter ist ein weiteres Thema. Exemplarisch ist die Alte Schule in Hamm in die Route aufgenommen worden. Und schließlich geht es auch um Neubauprojekte auf vorher anders genutzten Flächen. Paradebeispiel ist das Wohnungsprojekt "NF1" im Duisburger Innenhafen mit 68 Wohneinheiten, das der Londoner Architekt Lord Norman Foster entwickelte.
 
Eckdaten
  • Zur Route der Wohnkultur gehören 58 Einzelobjekte und Siedlungen zwischen Hamm und Duisburg.
  • Die nächsten Touren: 7. März, 11-15.30 Uhr, Bustour ab Dortmund „Vom Möbelstück zur Metropole“; 13. März, 11-15 Uhr, Bustour ab Bochum „Hinter den Fassaden von Siedlung, Villen und Industrie-Ikonen“; 20. März, 11-13 Uhr, Spaziergang ab Hattingen „Zwischen Fachwerk und Moderne“; 27. März, 11-12.30 Uhr, Spaziergang ab Dortmund „Typisch Ruhrgebiet“; 3. April, 11-15.30 Uhr, Bustour ab Dortmund „Vom Möbelstück zur Metropole“.
  • Am 19. September können alle Objekte auch von innen besichtigt werden.
  • Die „Box der Wohnkultur“ enthält Karten mit Informationen zu allen Objekten und den Touren. Im April erscheint ein Katalog im Klartext-Verlag (25 Euro). Infos: Tel. (0231) 228 91 60
  • www.routederwohnkultur.de

 


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