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Medienhaus Lensing
09.03.2010 14:06 Uhr
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Reportage: Kreative ziehen am Borsigplatz in Dortmund ein

Auch in Dortmund ziehen für ein Jahr Kreative in Wohnungen ein, und zwar in der Nähe des Borsigplatzes. Wir haben bei der Künstlerin und Projektteilnehmerin Anna Wiesinger vorbeigeschaut.Von Britta Helmbold

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Im türkischen Knabberladen am Borsigplatz in Dortmund treffen sich die Kreativen. (Foto: Helmbold)

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Bitte stören. Das steht auf dem Türanhänger wie man ihn aus Hotels kennt, der an der Tür von Anna Wiesinger hängt und sie als Teilnehmerin des Jochen-Gerz-Projekts „2-3 Straßen“ ausweist.
Licht durchflutet an diesem Märzmorgen ihre spartanisch möblierte Zwei-Zimmer-Wohnung auf Zeit an der Oesterholzstraße. In der Küche steht ihr Laptop, auf dem sie täglich an dem gemeinsamen Text für das geplante Projekt-Buch schreibt.

Aus dem Wohnzimmer hat die bildende Künstlerin ein Atelier gemacht: Malerei, Plexiglas-Objekte und Fotos hängen an der Wand. „Das sind Schulkinder von gegenüber, meine Nachbarin, die Bäckerei-Verkäuferin aus dem Viertel“, erläutert die 51-Jährige.
„Ich habe sie angesprochen und zu mir eingeladen, mit der Schulleiterin bin ich auch im Kontakt.“ Sie will aus den Aufnahmen eine Collage machen.

Projekt-Künstler Jochen Gerz will die Kunst zu den Menschen bringen

„Jochen Gerz geht es darum, die Kunst aus dem Elfenbeinturm zu holen – und das ist auch mein Ansatz“, erzählt die gebürtige Österreicherin. Über Kunst im Alltag versucht sie, Kommunikation herzustellen, kleine Akzente zu setzen.

Und sie hat noch viele Pläne, die Bewohner mit der Kunst vertraut zu machen, damit sie dadurch ihr Viertel bewusster wahrnehmen, sich ein kreatives Lebensgefühl entwickelt und verankern kann. Anna Wiesinger schätzt das multikulturelle Stadtviertel mit seinen Einkaufsmöglichkeiten und dem Hoesch-Park als Naherholungsgebiet: „Dort besuche ich auch ein Fitnessstudio.“

Im Sommer plant sie mit einem weiteren Kreativen, einem Musiker, eine Performance im Innenhof. „Wenn das hier belaubt ist, müsste das ein schönes Blätterdach ergeben.“ Die Bewohner können sich dann aktiv einbringen oder passiv aus den Fenstern zu sehen. „Da oben ist mein Küchenfenster.“ Von dem blickt sie in dieses „Klein-Versailles“.
 
Im Nachbarschaftstreff habe sie erfahren, dass der Gebäude-Komplex auch so genannt wird. „Ich will dort auch meine Plexiglas-Objekte aufhängen.“ Denn durch einen Überraschungseffekt, eine Veränderung im Alltag bringe man die Menschen zum Nachdenken, öffne sie für Neues.

Türkischer Knabberladen wird zum Treffpunkt der Kreativen
 
Auch für die verheiratete Frau, die zuletzt in Niedersachsen wohnte, ist dieses Jahr eine Ausnahmesituation: „Alleine habe ich mehr Zeit zur Reflexion und kann offener auf andere zugehen.“ So hat sie auch schon zwei Müllmänner vor ihrem Haus angesprochen und auf das Gerz-Projekt aufmerksam gemacht. „So etwas würde man ja normalerweise nicht machen.“

Eine Straßenecke weiter ist ihr türkischer Gemüsehändler, am Borsigplatz kehrt sie im türkischen Knabberladen gerne auf einen Lindenblütentee ein. „Hier treffen wir uns öfter mit den anderen Kreativen.“ Und ein Haus weiter liegt das Projekt-Büro. Man duzt sich und hilft sich weiter – und auf der Theke steht auch der Laptop, auf dem Besucher des Projekts am gemeinsamen Text mitschreiben können.



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