| Beseelter Tour-Auftakt | ||
| Von Uwe Becker am 6. Oktober 2008 14:51 Uhr | ||
| BERLIN/OBERHAUSEN Mancher Schüler mag unter ihm gelitten haben, andere werden die Abwechslung genossen haben, als es galt, im Unterricht mal nicht einen deutschen Dichterfürsten zu interpretieren, sondern den Song eines kanadischen Musikphilosophen namens Leonhard Cohen. | ||
12 000 Fans Cohen zögert einen Moment, die 12 000 Fans in der neuen Berliner O2-Arena warten gespannt: „Freunde“, sagt er dann, „sie lautet:“ Und dann summt er gemeinsam mit den drei Sängerinnen im Background mit einem feinen Lächeln im Gesicht: „Doo damm damm dee.“ Um es vorwegzunehmen: Es war ein grandioser Auftakt seiner Deutschlandtournee, der mutmaßlich letzten seiner Karriere. Cohen brauchte Geld Und diese Tour ist ja keineswegs ganz freiwillig zustande gekommen. Cohen brauchte Geld, nachdem seine Managerin mit dem Ersparten durchgebrannt war, während er im Kloster weilte. Aber wo andere lustlose 90 Minuten abspulen würden, um die Zuschauer wenigstens einigermaßen zufriedenzustellen, geht die Cohen-Show, wenn man sie denn so nennen darf, über mehr als drei Stunden. Drei beseelte, wunderschöne Stunden. Keine Show, eine Messe Und statt einer Show ähnelt sein Auftritt an diesem Abend eher einer Messe. Andächtig hängt Berlin an seinen Lippen, freut sich über „Dance me to the end of love“ als Einstand, „Suzanne“ irgendwann in der Mitte und „First we take Manhattan“ als eine von sechs Zugaben. Mit Teppichen ist die Bühne ausgelegt, ganz fein leuchten die sparsam eingesetzten Scheinwerfer sie aus, kristallklar wehen die Klänge von da oben übers Publikum, satt transportiert das Mikro die rauchige, unverwechselbare Stimme des Interpreten. Den weichen Hut am Herz Immer wieder drückt Leonard Cohen - ganz Gentleman in einen schwarzen Anzug gkleidet, den irgendwer vielleicht eine Nummer zu groß ausgewählt hat - den charakteristischen weichen Hut ans Herz, verneigt sich vor dem Publikum, stellt wenigstens drei Mal seine Band vor, von der jeder einzelne Musiker einen Konzertabend ausfüllen könnte. „Vor 14 Jahren“, sagt der Poet mit Gitarre irgendwann, „war ich zum letzten Mal hier. Da war ich 60, ein Junge mit kindischen Träumen.“ Feine Ironie gegen die Legende Die Menschen lachen, nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal an diesem Abend nimmt er ihnen mit feiner Ironie die Ehrfurcht vor der Legende im Licht. Er ruht in sich selbst, seine Spiritualität strahlt in die Menge, ohne dass er, der zum Zen-Buddhismus gefunden hat, zu irgendeinem Zeitpunkt missionarisch wirken will. Wenn Leonard Cohen „Hallelujah“ singt, hat das nichts von der schmierigen Art amerikanischer TV-Prediger. Er ist halt Leonhard Cohen. Und nur er ist so. Am 2. November spielt Leonard Cohen in der Arena Oberhausen. Karten gibt es noch an den Vorverkaufsstellen. |
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