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Deckte Verfassungsschutz kriminellen V-Mann?
Von Martin von Braunschweig mit ddp/dpa am 4. September 2007 17:49 Uhr
DÜSSELDORF/LÜNEN Der Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen soll einen kriminellen V-Mann gedeckt haben, der in der Neonazi-Szene eingesetzt war. Der aus Lünen stammende Mann soll unter anderem Kokain geschmuggelt und an einem Raubüberfall mitgewirkt haben.

Die Staatsanwaltschaften in Dortmund und Bielefeld ermitteln mittlerweile gegen den Spitzel aus Lünen. Der 27-jährige Sebastian S. arbeitete offenbar als Verbindungsmann für den Inlandsgeheimdienst in der rechtsradikalen Szene Westfalens.

Beim Spitzeln solle es allerdings nicht geblieben sein. Ihm werden Kokainschmuggel und Körperverletzung zur Last gelegt. Ein weiterer schwerwiegender Verdacht gegen Sebastian S. ergab sich Mitte August in einem Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht: Ein 22-jähriger Freund – ebenfalls Mitglied der rechten Szene – beschuldigte den Lüner, ihn im Februar 2007 zu einem bewaffneten Raubüberfall auf einen Supermarkt angestiftet zu haben: „Bei ihm waren einige Sachen schief gelaufen, deshalb brauchte er Geld. Er hat mir eine Waffe in die Hand gedrückt, dann bin ich los“, behauptete der 22-Jährige über Sebastian S.

Vier Schüsse abgefeuert

Was als Raubüberfall begann, wäre damals fast mit einer tödlichen Tragödie geendet. Der 22-Jährige traf im Supermarkt auf einen mutigen Kunden (59), der ihm Waffe und Maskierung entreißen wollte. Bei dem anschließenden Gerangel feuerte der Täter vier Schüsse ab – einer davon traf den Kunden in die Lunge und verletzte den Familienvater lebensgefährlich.

"Er war mein Freund"

Dass der vermeintliche Drahtzieher des Raubzuges ein V-Mann des Verfassungsschutzes war, erfuhr der 22-Jährige erst im Verlaufe des Prozesses von seinem Verteidiger. „Er war mein Freund, wir sind zusammen durch dick und dünn gegangen“, sagte der Angeklagte über Sebastian S. Nachdem er über das Doppelleben seines Kumpels Bescheid wusste, brach er sein anfängliches Schweigen und gestand die Tat – samt angeblicher Beteiligung des V-Mannes.  Der 22-Jährige ist inzwischen zu acht Jahren Haft verurteilt worden.

Minister unter Druck

Gestern schlug der Fall im Landtag Wellen. NRW-Innenminister Ingo Wolf  musste vor dem geheimen Parlamentarischen Kontrollgremium (PKG) des Landtags Rede und Antwort über den Einsatz von Sebastian S. stehen. Dabei musste er offenbar auch zu dem Vorwurf Stellung nehmen, der Verfassungsschutz habe den kriminellen Spitzel aus Lünen gedeckt und die Strafverfolgung behindert.

Zuvor hatte der Sprecher des NRW-Innenministeriums, Ludger Harmeier, die Vorwürfe zurückgewiesen. „Der Verfassungsschutz verhindert auf keinen Fall die Strafverfolgung von V-Leuten“, sagte er . Nach Harmeiers Angaben beendet der Verfassungsschutz im Falle eines Verbrechens die Zusammenarbeit mit V-Leuten – allerdings erst dann, wenn die Spitzel eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr absitzen müssten. Delikte wie Diebstahl hätten für die Zusammenarbeit keine Konsequenzen. 

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