Porträt: Staatssekretär Beemelmans: De Maizières wichtigster Mann unter Druck

BERLIN Er ist ein treuer Wegbegleiter und der engste Vertraute de Maizières im Verteidigungsministerium. Die „Euro Hawk“-Affäre bringt den für Rüstung zuständigen Staatssekretär Stéphane Beemelmans in Bedrängnis. Wird er zum Bruchpiloten des Drohnen-Projekts erklärt?

  • Stéphane Beemelmans, Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

    Stéphane Beemelmans, Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Andrea Bienert (BMVg)

Staatssekretär Stéphane Beemelmans war derjenige, der am 15. Mai die skandalträchtige Nachricht verkünden musste. „Wir haben heute erläutert, warum wir aus Sicherheits- und aus fiskalischen Gründen entschieden haben, die Reißleine zu ziehen“, sagte er nach einer zweistündigen Diskussion im Verteidigungsausschuss zum Scheitern des Drohnen-Projekts „Euro Hawk“. Dass die Wellen der Empörung so hoch schlagen und Rücktrittsforderungen an ihn und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) nach sich ziehen würden, war ihm damals vielleicht noch nicht bewusst.

Zukunft unsicher

An diesem Mittwoch wird sich voraussichtlich die berufliche Zukunft von Beemelmans entscheiden. Minister de Maizière wird dann den „Euro Hawk“-Bericht vorlegen, an dem 40 Mitarbeiter in seinem Ministerium drei Wochen gearbeitet haben. Und er wird sagen, ob das Scheitern des Milliarden-Projekts personelle Konsequenzen nach sich zieht.

Fast eineinhalb Jahrzehnte lang hat Beemelmans den Minister durch sein politisches Leben begleitet. Im Verteidigungsministerium war der 47-Jährige sein engster Vertrauter und bis zuletzt sein wichtigster Mann bei der Neustrukturierung der Bundeswehr. Die beiden haben viel gemeinsam. Beide machten ihr Abitur auf dem Aloisius-Kolleg in Bonn-Bad Godesberg. Beide studierten Jura. Beide gelten als penible, staubtrockene Bürokraten. „Manche sagen, ich wirke wie eine Büroklammer“, sagte de Maizière in einem Interview mal über sich selbst. Über Beemelmans wird ähnlich gesprochen.

Wege kreuzten sich erstmals 1999

Die beiden haben sogar französische Accents in ihren Namen gemeinsam: Bei de Maizière weist der Nachname auf die hugenottischen Wurzeln seiner Familie hin. Stéphane Beemelmans wurde in Toulouse als Sohn eines deutschen Diplomaten und einer französischen Lehrerin geboren - daher sein französischer Vorname.

Die Wege der beiden kreuzten sich erstmals 1999. De Maizière war damals Chef der sächsischen Staatskanzlei, Beemelmans sein Büroleiter. Fortan waren sie nahezu unzertrennlich. Beemelmans folgte de Maizière ins Landesfinanzministerium, ins Dresdner Innenministerium, dann ins Berliner Kanzleramt, ins Bundesinnenministerium und schließlich in den Berliner Bendlerblock.

Abgrenzung von Guttenberg

Dort löste er Walther Otremba ab, den de Maizières Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zum Architekten der Bundeswehrreform gemacht hatte. Die Personalentscheidung war das deutlichste Zeichen de Maizières einer Abgrenzung von Guttenberg, der wegen seiner Plagiatsaffäre zurückgetreten war.

Beemelmans gilt als fleißig und ehrgeizig. Vielleicht war es die Angst vor dem Scheitern, die ihn beim „Euro Hawk“-Projekt trotz deutlicher Hinweise auf massive Probleme bei der Zulassung für den europäischen Luftraum hat zögern lassen. Er hat spätestens Anfang 2012 von den Problemen gewusst.
 
Autor
Michael Fischer, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    4. Juni 2013, 14:53 Uhr
    Aktualisiert:
    4. Juni 2013, 15:13 Uhr
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