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Besonders heftig umstritten ist in Griechenland die von der «Troika» geforderte Kappung des Mindestlohns, der derzeit rund 750 Euro monatlich beträgt. Foto: Orestis Panagiotou (Foto: dpa)
Deutschland und Frankreich verlieren die Geduld mit Athen und schlagen zur Tilgung der griechischen Schulden ein Sonderkonto vor. Über dieses Sperrkonto, auf das die Regierung in Athen keinen Zugriff hätte, sollten Zinszahlungen des hoch verschuldeten Euro-Landes abgewickelt werden. Damit hätten Investoren die Sicherheit, dass sie regelmäßig auch ihre Zinsen bekommen. Diesen Vorschlag unterbreiteten Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag in Paris.
Milliarden-Hilfen blockiert
In deutlichen Worten forderten Merkel und Sarkozy die griechische Regierung und alle Parteien in Athen auf, die zugesagten Reformen bedingungslos umzusetzen und Forderungen der „Troika“-Kontrolleure nach weiteren Einsparungen zu erfüllen. Ansonsten blieben zusätzliche Milliarden-Hilfen weiter blockiert. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone sei aber kein Thema, betonten Merkel und Sarkozy nach einem Treffen der Regierungen beider Länder.„
Die Zeit drängt, und deshalb muss schnell etwas geschehen“, sagte die Kanzlerin. Für die gesamte Euro-Region stehe viel auf dem Spiel. Es könne keine Einigung geben, wenn die Vorschläge der „Troika“ aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) nicht umgesetzt würden. „Sie liegen auf dem Tisch.“ In den nächsten Tagen müsse es Fortschritte geben, mahnte Merkel mit Blick auf die Gespräche in Athen, die sich seit Wochen hinziehen. „Ich kann, ehrlich gesagt, auch gar nicht ganz verstehen, worin der Nutzen weiterer Tage liegen soll.“
"Griechenland muss geregelt werden"
Auch Sarkozy meinte: „Das Problem Griechenlands muss ein für alle Mal geregelt werden.“ Er ermahnte alle griechischen Parteien, die Zeichen der Zeit zu erkennen: „Unsere griechischen Freunde müssen jetzt zu ihrer Verantwortung stehen, indem sie die Reformen verabschieden, zu denen sie sich verpflichtet haben.“ Griechenland sollte dem Beispiel von Italiens Regierungschef Mario Monti folgen. Dort gebe es „spektakuläre“ Erfolge, sagte der französische Präsident.
Weitere Hilfen würden nicht freigegeben, solange die Entscheidungen nicht getroffen und umgesetzt würden, stellte Sarkozy klar. „Wir waren noch nie so nah vor einer Einigung wie heute.“ Ein Scheitern werde nicht ins Auge gefasst. Merkel ergänzte: „Wir wollen, dass Griechenland im Euro bleibt. Das ist unser beider Meinung.“
Alle Parteien müssen Zusagen geben
Die „Troika“ erwartet von allen führenden griechischen Parteien klare Zusagen, dass sie Vorgaben wie weniger Mindestlohn und ein Wegfall zusätzlicher Monatsgehälter mittragen. Nur dann sollen neue Finanzhilfen gewährt werden. Ansonsten droht Athen die Staatspleite.
Die Grundidee für das von Merkel und Sarkozy jetzt vorgeschlagene Extrakonto orientiert sich an einem Plan von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für nationale Tilgungsfonds der Euro-Länder zum Schuldenabbau. Demnach würde ein Teil der griechischen Einnahmen auf das Sonderkonto fließen. Sie wären damit anderen Ausgabezwecken entzogen. Ziel dieses transparenten Verfahrens beim Schuldenabbau ist es auch, Zweifel der Märkte und Anleger zu zerstreuen.
"Grünbuch" vorgelegt
Beim deutsch-französischen Ministerrat machten Berlin und Paris auch Druck in dem seit Jahren andauernden Streit über eine Harmonisierung der Unternehmenssteuern in der EU. Beide Länder legten bei ihren Regierungskonsultationen ein „Grünbuch“ zur Angleichung vor. Merkel sagte, sie sei sehr optimistisch, dass die Arbeiten rechtzeitig zum 50-jährigen Jubiläum des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages („Elysée-Vertrag“) im nächsten Jahr abgeschlossen werden könnten. Sarkozy sprach von einer strategischen Maßnahme mit ganz großer Bedeutung.
Am Montagabend reagierte die Regierung in Athen mit einer Ankündigung: 15.000 Staatsbedienstete sollen noch in diesem Jahr entlassen werden, sagte am Montagabend der griechische Minister für Reformen, Dimitris Reppas, griechischen Journalisten. Bis 2015 sollen es sogar 150.000 sein.