Programm PRISM: US-Geheimdienst spioniert Internet-Firmen aus

WASHINGTON Spioniert die US-Regierung flächendeckend Nutzer der Internet-Dienste von Google, Apple, Facebook und Co. aus? Das legen durchgesickerte Unterlagen des Geheimdiensts NSA nahe. Die Bundesregierung prüft, ob auch deutsche Nutzer betroffen sind.

  • Der US-Geheimdienst greift laut Medienberichten massenhaft Informationen von großen Internet-Diensten wie Google, Facebook, Microsoft, Apple oder Yahoo ab.

    Der US-Geheimdienst greift laut Medienberichten massenhaft Informationen von großen Internet-Diensten wie Google, Facebook, Microsoft, Apple oder Yahoo ab. Foto: dpa

Der US-Geheimdienst greift laut Medienberichten massenhaft Informationen von großen Internet-Diensten wie Google, Facebook, Microsoft, Apple oder Yahoo ab. Die Unternehmen bestreiten, den Behörden einen direkten Zugang zu ihren Systemen zu gewähren.

Der US-Geheimdienstkoordinator James Clapper räumte ein, dass Informationen gesammelt werden. Er sprach gleichzeitig aber auch von „zahlreichen Ungenauigkeiten“ in den Berichten der Zeitungen „Washington Post“ und „Guardian“.

Programm "PRISM"

Die beiden Zeitung veröffentlichten unter anderem mehrere Seiten mit Grafiken aus einer nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Präsentation des US-Geheimdienstes NSA, die den Fluss an Informationen an die NSA im Rahmen eines Programms mit dem Namen „PRISM“ zeigen.

Aus der Präsentation geht hervor, dass die Daten-Sammlung Schritt für Schritt auf immer mehr Internet-Unternehmen ausgeweitet wurde.

So mache Microsoft seit 2007 mit, gefolgt von Yahoo (2008), Google und Facebook (2009) und schließlich Apple seit Oktober 2012. Es gehe um ein Fülle an Informationen wie etwa E-Mails, Fotos, Videos, Chats und andere gespeicherte Daten.

    
 Dadurch seien Analysten in der Lage, Aktivitäten von Personen über längere Zeiträume hinweg zu verfolgen. Das Programm koste rund 20 Millionen Dollar im Jahr - was für eine Datensammlung in dieser Dimension wiederum sehr wenig erscheint.


In Berlin wollte Regierungssprecher Steffen Seibert nicht ausschließen, dass die Vorgänge Thema beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Barack Obama in der übernächsten Woche sein könnten. Die Bundesregierung prüfe nun einen „deutschen Bezug“.

Schaar spricht von Totalüberwachung

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sprach von „ungeheuerlichen Vorwürfen einer Totalüberwachung“. Der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) legte Nutzern einen Abschied von den genannten Firmen nahe: „Wer das nicht mehr zulassen will, sollte den Anbieter wechseln“, sagte er dem „Handelsblatt“.

Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, nach bisherigen Erkenntnissen handle es sich um „amerikanische Vorgänge auf amerikanischem Boden“. Laut „Washington Post“ und „Guardian“ standen jedoch vor allem Ausländer im Fokus der NSA, auch weil bestimmte Aktionen gegen US-Bürger gegen Gesetze verstießen. Die EU-Kommission erklärte knapp: „Zu diesem Zeitpunkt kennen wir nicht alle Details.“

Bürger-Daten außerhalb der US gesammelt

Das „PRISM“-Programm sei streng geheim, schrieben „Washington Post“ und „Guardian“. Die wenigen Kongressmitglieder, die davon wüssten, seien zum Schweigen verpflichtet. Geheimdienst-Koordinator Clapper erklärte, die Berichte bezögen sich auf ein Programm, bei dem Daten über Bürger anderer Länder außerhalb der USA gesammelt würden. Ihre Verwendung werde von einem speziellen Gericht überwacht.

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Die Unternehmen versicherten, es gebe keine „Hintertür“ zu ihren Servern. Daten würden an Behörden nur auf der Basis eines Gerichtsbeschlusses übergeben. Dieses Verfahren ist bekannt, Google etwa veröffentlicht in seinen Transparenz-Reports regelmäßig eine Statistik zu solchen Anfragen.

„Wir übergeben Daten der Regierung in Einklang mit dem Gesetz und wir prüfen alle solchen Anfragen gründlich. Von Zeit zu Zeit wird behauptet, dass wir für die Regierung eine "Hintertür" zu unseren Systemen geschaffen haben, aber Google hat keine Hintertür, über die die Regierung Zugriff auf private Daten der Nutzer hat“, sagte jetzt Sprecher Kay Oberbeck.

Am Mittwoch hatte der „Guardian“ berichtet, dass der US-Telekomkonzern Verizon dem Geheimdienst NSA detaillierte Informationen über alle Gespräche geben müsse. Dabei gehe es nicht um den Inhalt, sondern darum, wer mit wem wie lange und wie oft und von wo aus telefoniert hat. Ein geheimes Gericht habe die Aktion genehmigt. Der „Patriot Act“ gibt US-Behörden weitreichende Befugnisse zur Überwachung von Terrorverdächtigen. Laut „Wall Street Journal“ gibt es auch für AT&T und Sprint ähnliche Beschlüsse.

Autor
dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    7. Juni 2013, 15:17 Uhr
    Aktualisiert:
    7. Juni 2013, 19:59 Uhr
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