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Knapper Zweiter: Rick Santorum hatte nur acht Stimmen weniger als Romney. Foto: Steve Pope (Foto: dpa)
Wahlkämpfer Patrick Bragen weiß an diesem so wichtigen Abend in Iowa genau, was er zu tun hat. Der junge Mann in T-Shirt und Jeans baut sich in der Aula der Hoover Highschool in Des Moines vor den rund 80 Teilnehmern der republikanischen Vorwahl auf, die hier für ihre Favoriten im Präsidentenrennen votieren wollen. Gewissenhaft liest Bragen von seinem Spickzettel ab, warum sie für seinen Kandidaten, für Mitt Romney stimmen sollen: „Wir brauchen jemanden, der Barack Obama aus dem Weißen Haus verjagen kann“, ruft er dem mehrheitlich grauhaarigen Publikum zu.
Auch die anderen republikanischen Bewerber für die Obama-Herausforderung haben ihre Sprecher zu diesem Caucus entsandt, einer von mehr als 1700 Parteiversammlungen am Dienstag, die über den Präsidentschaftskandidaten mitentscheiden. Doch so gut vorbereitet wie Romney-Vertreter Bragen ist keiner von ihnen. Sein Auftritt zeigt, dass der Ex-Gouverneur von Massachusetts bei seinem zweiten Anlauf ins Weiße Haus nichts dem Zufall überlassen will. Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben.
Sieg mit Symbolkraft
Der Ex-Gouverneur von Massachusetts geht zwar letztlich mit dem dünnsten Vorsprung in der Geschichte der Vorwahlen als Gewinner in Iowa hervor. Aber die Symbolkraft des Sieges könnte größer kaum sein, kommentiert das konservative Magazin „The Weekly Standard“ am Mittwoch: Romney sei jetzt „in einer sehr bequemen Situation“. Das unerwartet gute Abschneiden des Mormonen in dem Evangelikalen-Staat zeige, dass er keine ernsthafte Konkurrenz habe und nun durchmarschieren könne.
Sicher, die Medaille für die größte Überraschung des Abends ging an den ehemaligen Senator von Pennsylvania, Rick Santorum. Ohne Geld und Bekanntheit knöpfte der Sozialkonservative durch unermüdliche Auftritte dem haushohen Favoriten im Vorwahlrennen fast den Sieg ab. Auch der libertäre Ron Paul schaffte dank hochmotivierter junger Unterstützer weit mehr als einen Achtungserfolg. Doch Experten sehen sich nach dem Abend in Iowa bestätigt, dass es im November nur dieses Duell ums Weiße Haus geben kann: Barack Obama gegen Mitt Romney.
Nur Sparringspartner im Kampf ums weiße Haus
Das „Wall Street Journal“ urteilt, Romney habe richtig Glück, dass niemand die große Lücke politisch rechts von ihm füllen könne. Die erfahrenen und erfolgreichen wahren Konservativen der Partei hätten sich diesmal gar nicht zur Wahl gestellt. So habe er es in dem Kampf ums Weiße Haus nur mit Sparringspartnern zu tun. Schaffen die es kurzzeitig, in Umfragen an Romney vorbei an die Spitze zu schießen, bekommen sie sofort die volle Wucht seiner professionellen Kampagne zu spüren.
Zuletzt wurde der ehemalige Parlamentspräsident Newt Gingrich demontiert, der noch vor einer Woche wie der klare Favorit in Iowa wirkte. Romneys Werbekampagne drosch dermaßen auf den 68-Jährigen ein, dass der schließlich die Fassung verlor und seinen Widersacher geradeheraus einen Lügner nannte. „Er sagt dem amerikanischen Volk nicht Wahrheit“, platzte es aus Gingrich heraus. Romney sei nur ein durch Umfragen und Berater erfundenes Abbild seiner selbst.
Glatter Multimillionär aus Boston
Genau dieser Vorwurf hält sich in der „Grand Old Party“ beständig, die Romney zu ihrem Kandidaten der Vernunft, nicht des Herzens macht. Die innerlich zerrissene Partei sucht nach einer Identifikationsfigur wie Ronald Reagan. Stattdessen muss sie sich mit dem glatten Multimillionär aus Boston begnügen, weil der als einziger über eine perfekt geölte Wahlkampfmaschine verfügt, die es mit Obama aufnehmen kann.
In New Hampshire, Ort der nächsten Vorwahl in der kommenden Woche, liegt Romney in den Umfragen bereits uneinholbar vorn. Schafft er dann noch die wahrscheinlichen Siege in South Carolina und Florida, wo sein Team bereits für Hunderttausende Dollar TV-Werbeplätze reservierte, dürfte das Rennen endgültig gelaufen sein.
Die Chancen stehen bei 1:50
Zunächst wird sich die Schlagkraft seiner Kampagne nun wohl gegen Santorum richten, der sich als Anti-Romney, als wahrer Konservativer, Abtreibungsgegner und Waffennarr positioniert. Weil Santorum aber das Geld und die Helfer für wirksame Gegenschläge fehlen, droht ihm nach seinem Triumph am Dienstag das Schicksal des Baptisten-Predigers Mike Huckabee. Der gewann ebenfalls mit Hilfe der Evangelikalen 2008 in Iowa vor Romney, musste aber wenig später nach einer Serie heftiger Wahlniederlagen seinen Ausstieg erklären.
„Santorums Chancen, die Nominierung zu gewinnen, stehen 1:50“, meint der konservative Kolumnist Charles Krauthammer. Noch schlechter sehe es für Ron Paul aus: Der 76-Jährige begeistere mit seinem Anti-Kriegs-Kurs zwar die Jugend. Aber sein extremer Plan, den Staat mehr oder minder abzuschaffen, könne bei einer Präsidentenwahl niemals bestehen.
Extrem schwache Republikaner
Größter Nutznießer eines Romney-Durchmarsches könnte am Ende Obama sein. Gegen einen Kandidaten, den die eigene Partei nicht recht will, lässt sich leichter kämpfen, meint der erfahrene Polit-Stratege Joe Trippi: „Ich glaube, das republikanische Feld ist extrem schwach, mit Romney als einem der schwächsten Favoriten überhaupt in der jüngeren Geschichte.“