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Bahn-Ärger: Mutter aus Zug geworfen - ICE mit Panne
am 22. Dezember 2008 16:43 Uhr
Schon wieder ein wenig kinderfreundlicher Zwischenfall bei der Bahn: Weil eine Zugbegleiterin auf der Strecke Stuttgart-Aalen nicht wusste, dass Kinder unter sechs Jahren kostenlos fahren, hat sie einer Familie Schwarzfahrerei vorgeworfen und die Polizei gerufen.
ICE-Zug
Drei Stunden dauerte es, bis die Reisenden ihre Fahrt fortsetzen konnten.

Das berichtete der Landesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Stefan Buhl, am Montag in Stuttgart.

Die Bahn-Mitarbeiterin habe einer sechsköpfigen Familie, die das für fünf Personen zugelassene Baden-Württemberg-Ticket nutzte, vorgeworfen, dass sie schwarzfahre. Sie habe dabei übersehen, dass ein vier Jahre altes Kind nicht bezahlen müsse. «Die Zugbegleiterin alarmierte zwei Polizisten, die sogar damit drohten, die Familie mitzunehmen», sagte Buhl und berief sich dabei auf einen Artikel in der «Schwäbischen Post». Die Familie musste 40 Euro nachzahlen. «Das sind unhaltbare Zustände bei der Fahrkartenkontrolle. Buhl forderte bessere Schulungen der Bahn-Mitarbeiter und mehr Personal.

Eine Bahn-Sprecherin in Stuttgart gab an, die Bahn habe sich für den Vorfall entschuldigt. Es handele sich um einen bedauerlichen Einzelfall. Die Familie habe das Geld zurückerstattet bekommen, den Kindern seien zwischenzeitlich Weihnachtsgeschenke geschickt worden. «Unsere Zubegleiter werden über Änderungen fortlaufend informiert und zweimal im Jahr jeweils an einem Tag geschult.»

Erst am Wochenende hatte der Fall einer Mutter, die mit drei Kindern in Niedersachsen unterwegs war, für Schlagzeilen gesorgt. Ein Schaffner hatte die Frau zum Entwerten ihres Tickets auf den Bahnsteig geschickt. Da der Automat auf dem Bahnsteig anscheinend kaputt war und die Frau wohl nach einem anderen Gerät suchte, kam sie nicht mehr rechtzeitig zurück. Ihre drei Kinder im Alter von neun, elf und zwölf Jahren mussten allein nach Bremen weiterfahren. Die Bahn hatte auch diesen Vorfall bedauert, die Schuld aber von sich gewiesen.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) kritisierte die Deutsche Bahn am Montag scharf. «Die Bahn muss lernen, mit Fehlverhalten anders umzugehen. Eine Inschutznahme des Schaffners ist einfach falsch», sagte Wulff der Deutschen Presse-Agentur dpa in Hannover. Die Bahn müsse erkennen, dass sie die ganzen Bemühungen um Service- und Kundenfreundlichkeit dadurch konterkariere und «sich damit selber ruiniert». Wulff machte den Vorschlag, die Bahn solle die Frau aus Kassel und ihre drei Kinder ein Wochenende zu einer Bahnreise einladen.

Im Oktober und November hatten Schaffner drei Kinder aus Zügen der Bahn verwiesen, weil diese ohne Fahrkarten unterwegs waren. Die Bahn entschuldigte sich in allen drei Fällen. Alle Zugbegleiter müssen sich nach Angaben des Unternehmens seitdem schriftlich verpflichten, dass sie keine Kinder aus Zügen schicken. Außerdem kündigte die Bahn Schulungen für Schaffner an, bei denen es auch um kundenfreundliches Verhalten gehen soll.

 
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