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Medienhaus Lensing
07.04.2009 17:30 Uhr
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Gastbeitrag: Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer plädiert für mehr Eigenverantwortung

NRW Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer stellt fest: Das Gesundheitswesen ist zum Problem geworden. Deshalb fordert er in seinem Gastbeitrag Ärzte und Patienten zu einem neuen Miteinander auf. Beide sollen sich auf Augenhöhe begegnen.Dietrich Grönemeyer

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Dietrich Grönemeyer. (Foto: dpa)

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Könnten nicht Ärzte und Patienten eigentlich zufrieden sein? Der medizinische Fortschritt hat ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Krankheiten, die früher zu schwerem Leiden geführt hätten, wenn sie nicht gleich tödlich verlaufen wären, haben wir heute im Griff. Niere, Leber, sogar das Herz können wir transplantieren. Die Liste der Beispiele für diese segensreiche Entwicklung könnte man seitenlang fortsetzen.

Getrübte Stimmung

Und dennoch herrscht eine getrübte Stimmung. Niemand hat den Eindruck, in der besten aller möglichen Welten zu leben: weder der Arzt, der helfen kann wie nie zuvor, noch der Patient, dem mit modernster Technik oder neuesten Medikamenten geholfen wird.  Patienten fühlen sich nicht richtig verstanden, auf das Maß eines „ökonomischen Faktors“ reduziert, Ärzte fühlen sich überfordert und als „Funktionsmediziner am Fließband“ missverstanden. Das Gesundheitswesen ist zum Problem geworden. Und mit Recht geben wir der Politik daran ein gerüttelt Maß an Schuld.

Ärzte und Patiente haben sich aus den Augen verloren

Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Die Betroffenen müssen sich auch selbst an die Nase fassen. Ärzte und Patienten haben einander aus den Augen verloren. Verführt von ungeahnten Möglichkeiten expandierender Apparatemedizin, sind wir der Illusion erlegen, dass sich alles schon irgendwie technisch beheben ließe. Der Mensch ist aber keine seelenlose Maschine, kein Motor, den man, wenn er „stottert“, durch bloßen Austausch der „Komponenten“ instandsetzen könnte. Wer sich mit dieser Erwartung in die Behandlung begibt, überfordert die Medizin – zumal die globalisierte Industriegesellschaft eine Quelle immer neuer Krankheiten ist: Allergien, neue Infektionskrankheiten, die den Arzt vor neue Rätsel stellen. Um sie zu lösen, braucht er die Mithilfe des Patienten. Beide sollten sich auf Augenhöhe begegnen. Natürlich stimmt es, dass die Zeit der Ärzte zu knapp bemessen ist. Hier sind politische Versäumnisse und falsche Gewichtungen anzuklagen, aber auch abnehmende Empathie für die Mitmenschen – ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Eigenverantwortung einfordern

Man darf die Eigenverantwortung des Patienten durchaus einfordern. Die Möglichkeiten dazu sind heute größer denn je. Die Medien beleuchten das Thema Gesundheit, das Internet enthält eine Fülle von Angeboten. Man muss sie nur richtig und kritisch nutzen. Deshalb plädiere ich seit langem u.a. dafür, das Fach „Gesundheit“ an deutschen Schulen einzuführen. Hier sollten wir Ärzte uns intensiv beteiligen. Wer nicht als Objekt behandelt werden möchte, darf sich selbst nicht als ein Objekt behandeln, das er anderen zur Reparatur überlässt.

An einen Tisch setzen

Ich kann die Ärzte, vor allem die Haus- und Kinderärzte, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen, durchaus verstehen. Man sollte begreifen, dass es nicht möglich ist, für 15,40 Euro einen Hausbesuch zu machen. Aber natürlich kann man die Patienten auch nicht mit einer Vorkasse für politisch verursachte Fehlentwicklungen zahlen lassen. Notwendig ist, dass man sich endlich an einen Tisch setzt und die Inhalte klärt – gemeinsam, nicht in aufgeheizter Konfrontation.


Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer (56) schreibt für unsere Serie „Hauptsache gesund“ wöchentlich eine Kolumne. Der renommierte Mediziner ist Inhaber des Lehrstuhls für Radiologie und Mikrotherapie an der Universität Witten/Herdecke sowie Gründer und Leiter des Grönemeyer-Instituts für Mikrotherapie Bochum. Er hat schon mehrere Bestseller geschrieben. Im neuen Buch „Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit“ räumt er mit Halbwissen auf, gibt wichtige Tipps zur Vorsorge und Selbsthilfe, informiert über Behandlungsmethoden.


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