Hintergründe und Rückblick
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MÜNSTER Der Kirchenkritiker Horst Herrmann (70) hat den Zölibat vor 40 Jahren angeprangert. Damals war er Priester und Professor für Kirchenrecht in Münster. Heute ist er aus der Kirche ausgetreten – und dafür, dass der Zölibat bestehen bleibt.
Wie finden Sie die Diskussion um den Zölibat?
Lächerlich. Es tut sich nichts Neues. Die Argumente sind immer die selben: Die Kirche möchte, dass der Priester frei ist für Gott und die Kirche. Die Gegenseite argumentiert, dass ein Arzt seinen Job trotz Familie gut machen kann.
Entspricht es nicht dem Zeitgeist, über den Zölibat zu streiten?
Das ist Unsinn. Der Zölibat hat eine lange Tradition. Genauso alt ist auch der Widerstand dagegen. Theoretisch und praktisch. Das war immer schon so. Die Grundfrage ist: Was soll ein Priester sein?
Also: Was soll er sein?
Die katholische Abteilung sieht in ihm viel magisches, er ist losgelöst vom Rest der Welt. Das Zölibat soll etwas abgehobenes sein, und das ist er ja auch für viele.
Und dieses Priesterbild wird nun angezweifelt, der Zölibat steht zur Diskussion.
Der Zölibat wurde immer unterwandert. Vielleicht kenne ich die falschen Leute, aber ich kenne kaum einen Priester, der keine Freundin hat. Nach dem Motto: Man kann auch im Stillen viel Gutes tun. Die Bischöfe wissen das, aber machen es nicht öffentlich.
Dennoch hält der Zölibat möglicherweise Männer davon ab, Priester zu werden.
Das kann sein, aber für mich war das nie ausschlaggebend. Ich war 17 Jahre lang Priester. Ich habe den Zölibat gehalten, dann wieder nicht. Das ist völlig egal. Aber die Diskussion um den Zölibat ist auch nur eine Randerscheinung für die Kirche. Sie hat ja viel größere Probleme. Nicht durch Kirchenaustritte, sondern durch inneren Abschied von Religion. Das sind die eigentlichen Wunden.
Aber ob ein Priester verheiratet ist oder nicht ...
... ist völlig egal. Niemand wird in der Kirche bleiben, weil der Zölibat aufgehoben wird. Und es abzuschaffen, traut sich sowieso keiner.
Sind Sie denn für eine Abschaffung des Zölibates?
Nein, man sollte das Gesetz lassen wie es ist, und es hintenrum brechen. Das bringt viele Vorteile. Für die Kirche ist ein Priester, der eine Freundin hat, leicht zu domestizieren: Er hat immer ein schlechtes Gewissen und ist leicht zu erpressen.
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