Medienhaus Lensing
06.01.2013 17:45 Uhr
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Umfrage: Vertrauen der Deutschen in Organspende-Praxis erschüttert

Berlin Nach dem Transplantationsskandal an der Universitätsklinik Leipzig ist einer Umfrage zufolge das Vertrauen der Deutschen in die Organspende-Praxis erschüttert. 71 Prozent der Bundesbürger sind demnach davon überzeugt, dass Wohlhabende bei der Organvergabe bevorzugt werden.Von dpa

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Nach den vielen Organspende-Skandalen ist das Vertrauen der Deutschen in die Organspende-Praxis laut einer Umfrage erschüttert.  (Foto: dpa)

Die Leipziger Uni-Klinik hatte am vergangenen Dienstag die Manipulationen bei Lebertransplantationen in ihrem Haus öffentlich gemacht. 38 Patienten sollen fälschlicherweise als Dialyse-Fälle geführt worden sein, um sie auf der Warteliste für eine Spenderleber nach oben rutschen zu lassen. Drei Mediziner wurden suspendiert. Sonderprüfer sollen nun Hunderte von Patientenakten prüfen.



Der Umfrage zufolge sind weniger Menschen bereit, sich nach ihrem Tod Organe entnehmen zu lassen. 37 Prozent lehnen inzwischen eine Entnahme ab, 59 Prozent würden spenden. Im August waren noch 61 Prozent der Deutschen zur Spende bereit, nur 34 Prozent sagten Nein.

Härter Strafen für korrupte Ärzte gefordert

87 Prozent der Deutschen fordern härtere Strafen bei Korruption durch Mediziner. Der Vorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Dirk Heinrich, hält bestehende Strafmaßnahmen für ausreichend: „Einem korrupten Arzt kann zum Beispiel die Zulassung entzogen werden“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Nach Ansicht von SPD-Spitzenpolitiker Frank-Walter Steinmeier dürfen Mediziner, die aus Gewinnstreben gegen Regeln verstoßen, obwohl es um Leben und Tod geht, „unter keinen Umständen mehr praktizieren“. Was unter anderem in Leipzig bekanntgeworden sei, habe er für undenkbar gehalten, sagte der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion der Zeitschrift „Superillu“. Steinmeier hatte seiner Frau Elke Büdenbender im Jahr 2010 eine Niere gespendet. Seiner Frau gehe es heute sehr gut, sagte er.

Wettbewerb zwischen Transplantationszentren

Unterdessen warnten Experten nach dem jüngsten Skandal eindringlich vor falschen wirtschaftlichen Anreizen in der Medizin. Die Medizin müsse weg vom Kommerz, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Karl-Walter Jauch, im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). Im Magazin „Focus“ forderte der Mediziner die Schließung jedes zweiten deutschen Zentrums für Lebertransplantationen. Seiner Ansicht nach sollten nur 12 statt 24 Kliniken für diese Organverpflanzungen existieren. Der Wettbewerb zwischen den Zentren wirke sich negativ auf die Qualität aus.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz betonte, dass sich durch die Reduzierung der Transplantationszentren unter anderem auch die Aufsicht erleichtern lasse. „Wir fordern einen bundesweit zu entwickelnden Masterplan, der alle Aspekte im Blick hat. Bisher plant aber jedes Land für sich allein“, teilte die Stiftung mit. „Länder, Krankenhausbetreiber, Bundesärztekammer, Krankenkassen und Patientenorganisationen müssen an einen Tisch, um die Bedingungen für den Betrieb der Transplantationszentren festzulegen.“

Vergabe-Vorschriften sind mit Schuld

Für die aktuell aufgedeckten Betrugsvorgänge macht der Mediziner Jauch auch die Vorschriften bei der Vergabe von Organen, insbesondere Lebern, verantwortlich. Mediziner müssten „den Mut haben, zu sagen, dass man Patienten, die nur mehr eine minimale Chance auf Rehabilitation haben, nicht mehr einer Transplantation unterzieht“.

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