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Medienhaus Lensing
24.09.2007 16:53 Uhr
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Vertreibung ist jetzt Pflichtthema an Gymnasien

DÜSSELDORF/ESSEN Nordrhein-Westfalens Schüler müssen sich künftig mit Flucht und Vertreibung der Deutschen im Zweiten Weltkrieg beschäftigen. Die Vertreibung ist ab sofort Pflichtthema an den Gymnasien. Grüne und SPD sehen dies skeptisch.ddp

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Die Geschichte vertriebener Deutscher im Zweiten Weltkrieg ist Pflichtthema an Gymnasien in NRW. (Foto: dpa)

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Später werde das Thema auch Unterrichtsstoff an anderen Schulformen, sagte ein Sprecher von Schulministerin Barbara Sommer (CDU) am Montag in Düsseldorf. Das Thema Vertreibung werde im Kernlernplan Geschichte für die Klassen fünf bis zehn festgeschrieben. Während der Bund der Vertriebenen den Plan lobte, gab es Kritik von SPD und Grünen.

NRW "zutiefst geprägt"

 „Viele der 15 Millionen Menschen, die aus den früheren deutschen Ostgebieten fliehen mussten, haben sich in Nordrhein-Westfalen angesiedelt“, hatte Schulministerin Sommer bereits am Samstag gesagt. Die Vertreibung im Zweiten Weltkrieg habe „unermessliches Leid über viele Menschen gebracht und unser Bundesland zutiefst geprägt“.

Der Bund der Vertriebenen (BdV) reagierte „dankbar“ auf die Initiative der Schulministerin. „Der Bruch dieses jahrzehntelangen Tabus ist längst überfällig“, teilte der BdV-Landesverband mit. Der Verband habe der Ministerin dafür schriftlich gedankt und darum gebeten, „auch das kulturelle Erbe der Herkunftsgebiete der Vertriebenen zum Thema in den Schulen zu machen“.

Kontext beachten

Der Vize-Chef der NRW-SPD, Karsten Rudolph, übte Kritik an den Plänen. „Es ist sinnvoll, über Vertreibungen zu reden, aber das muss im historischen Kontext der NS-Zeit geschehen“, sagte der Landtagsabgeordnete. Vertreibungen müssten auch vor dem Hintergrund der Nazi-Umsiedlungs- und Vernichtungspolitik in Osteuropa im Unterricht behandelt werden, sagte Rudolph.

„Die Geschichte der Vertreibung darf auch keine Geschichte der vertriebenen Deutschen sein“, sagte er. Andere historische Beispiele, wie die Vertreibungen in den Jugoslawien-Kriegen der 90er Jahre, seien wichtig. Er vermute hinter der Initiative von CDU-Schulministerin Sommer eine „Liebesgabe“ für die „Vertriebenenlobby“, sagte Rudolph.

Auch die Grünen üben Kritik

Die schwarz-gelbe Landesregierung unterstütze offenbar „strategisch“ die Vertriebenenverbände. „Mit dieser Politik sollen wohl konservative Wähler an die CDU gebunden werden“, sagte Rudolph.

 Kritik an den Sommer-Plänen kam auch von den Grünen. Die Anweisung der Ministerin sei „bildungspolitisch absurd und diene ausschließlich der Bedürfnisbefriedigung konservativer Kreise“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Reiner Priggen.

„Die nordrhein-westfälische Antwort auf die polnischen Kaczynski-Zwillinge heißt Barbara Sommer und Jürgen Rüttgers“, fügte er hinzu. Der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski und sein Bruder, Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski, gelten als Gegner der deutschen Vertriebenenverbände.



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