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Medienhaus Lensing
13.08.2009 15:57 Uhr
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Bildungssystem: Viele „ausgemusterte“ Gesamtschüler mit Abitur

DÜSSELDORF Rund 70 Prozent der Abiturienten an den Gesamtschulen Nordrhein-Westfalens erlangen entgegen ihrer Grundschulempfehlung die Hochschulreife. Das geht aus einer am Donnerstag in Düsseldorf vorgestellten Erhebung von Gesamtschul-Verbänden in NRW hervor. dpa

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Die Gymnasialempfehlung hat laut Gesamtschul-Verbänden wenig Aussagekraft. Nur 30 Prozent der Abiturienten hatten so eine Empfehlung. (Foto: dpa)

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Demnach hatten nur knapp 30 Prozent von über 4800 befragten Gesamtschul-Abiturienten des Jahrgangs 2009 eine Gymnasialempfehlung. Diese Zahl beweist aus Sicht der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule NRW (GGG) die Fragwürdigkeit der Schulform-Prognosen. An der Umfrage hatte sich knapp die Hälfte der 219 Gesamtschulen in NRW beteiligt.

Mehr Abiturienten möglich

„Deutschland könnte eine erheblich höhere Abiturienten-Quote haben ohne die Zuweisung nach der 4. Klasse“, sagte der Landesvorsitzende des Verbands, Werner Kerski. Auch der Lehrerverband Bildung und Erziehung wertete die Zahlen als Verpflichtung, „Bildungswege so offen wie möglich zu halten.“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und die Grünen lobten die Bildungsleistungen der Gesamtschulen.

Viele mit Migrationshintergrund

Kerski warf der Landesregierung vor, Gesamtschulen zu diskriminieren. Dabei sei diese Schulform vor allem für Kinder aus schlechter gestellten und aus Zuwanderfamilien häufig das einzige Tor zu besseren Bildungs- und Lebenschancen. Der Erhebung zufolge hat jeder dritte Gesamtschulabiturient ausländische Wurzeln. Das ist mehr als doppelt so viel wie an den Gymnasien. Dort stammt nur jeder siebte Schüler aus einer Zuwanderfamilie.

Kritik an Schulministerium

Dennoch lege das Schulministerium den 40 Elterninitiativen, die derzeit in NRW versuchten, neue Gesamtschulen zu gründen, Steine in den Weg, kritisierte Kerski. So habe die Stadt Bonn die Gründung ihrer vierten Gesamtschule nur auf dem Klageweg durchsetzen können. Zudem werde allen neu gegründeten Gesamtschulen die Zulage für den Ganztagsbetrieb vorenthalten.
Völlig ignoriert werde der Förderbedarf in der Oberstufe, kritisierte die Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen NRW. Ihre Landesvorsitzende Dagmar Naegele forderte zu diesem Zweck einen Stellen-Zuschlag von 30 Prozent. „In der Sekundarstufe II ist Förderung nur noch mit Fachlehrern zu machen“, begründete sie ihre Kalkulation. Für die Sekundarstufe I erhalten Gesamtschulen einen Lehrerstellen-Zuschlag von 20 Prozent, bei den Hauptschulen sind es sogar 30 Prozent.

Grüne: "Sommer soll sich entschuldigen"

Die Grünen forderten die Schulministerin auf, sich „für ihre Anti-Gesamtschulpolitik zu entschuldigen“. Wenn die Landesregierung es ernst meine mit Bildungschancen für alle Kinder, müsse sie Gesamtschul-Neugründungen fördern statt weiter zu behindern, forderte die Schulexpertin der Landtagsfraktion, Sigrid Beer. Beide Gesamtschulverbände hatten im Frühjahr alle 219 Gesamtschulen in NRW um Datenmaterial zum Abiturjahrgang 2009 gebeten. Die Rücklauf-Quote lag bei 43 Prozent. 


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