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Medienhaus Lensing
05.09.2008 18:15 Uhr
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Aufgeheizte Atmosphäre wegen Neonazi-Demo

DORTMUND Zum wiederholten Male wird die Stadt heute zum Aufmarschgebiet der Rechten. Die Polizei rechnete bereits im Vorfeld mit Zusammenstößen zwischen Rechten und linken Gegendemonstranten. Von Peter van Dyk und Oliver Volmerich

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Neonazis wollen am Samstag in Dortmund demonstrieren. (Peter Steffen (dpa))

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In Dortmund wächst die Sorge, zum Sammelbecken von Neonazis aus ganz Deutschland zu werden. Fakt ist, dass es in der Stadt einen harten Kern besonders aktiver Neonazis gibt, zu dem u.a. der als „SS-Siggi“ bekannte Siegfried Borchardt gehört. Zwar spricht der Staatsschutz von „nur“ 20 bis 25 Personen. Diese seien allerdings auffällig aktiv: „Sie treten häufig als Redner oder Veranstalter bei Demonstrationen im ganzen Bundesgebiet auf und haben entsprechend bundesweite Kontakte“, sagt Polizeisprecher Kim Ben Freigang.

Hochburg der Rechten

Ob die Stadt tatsächlich zu einer Hochburg der Rechten geworden ist, soll nun gar wissenschaftlich geklärt werden. Eine Analyse soll genaue Daten liefern. Schon jetzt stellt Dortmund 100000 Euro für die aktive Arbeit gegen Rechts zur Verfügung. Geld, das offenbar dringend nötig ist, angesichts des immer offensiveren Auftretens rechter Gruppen. Wiederholt wurden zuletzt Flugblätter und CDs mit rechten Inhalten an Schulen verteilt – die sich zum Teil allerdings mit Protesten und Gegenaktionen wehrten.

Mehr als 1000 Teilnehmner erwartet

Die Polizei rechnet zum Aufmarsch am Samstag mit mehr als 1000 Teilnehmern. Es wäre damit eine der größten rechten Demonstrationen in Dortmund, wo rechtsextremistische Veranstaltungen im NRW-Vergleich ohnehin starken Zulauf haben. Die Stadt werde allerdings nicht deshalb immer wieder zum Aufmarschgebiet, weil es hier einen besonders hohen Prozentsatz Rechtsextremer gebe, glaubt Hartmut Anders Hoepgen, Sonderbeauftragter der Stadt für „Vielfalt, Toleranz und Demokratie“. Im Gegenteil: „Dortmund ist eher eine Hochburg des Widerstands gegen Rechts.“ Gerade deshalb sei die Stadt eine besondere Zielscheibe für die rechte Szene.

Große Sorge vor Eskalation

Entsprechend geladen ist die Atmosphäre, entsprechend groß die Sorge, die aufgeheizte Stimmung könne in gewalttätige Auseinandersetzungen münden wie bei der bislang größten Dortmunder Neonazi-Demo am 1. Mai 2007. Im NRW-Verfassungsschutzbericht 2007 wird diese Demonstration als „herausragendes Ereignis für die neonazistische Szene“ bewertet. Groß ist aber auch der demokratische Protest: Mehr als 60 Organisationen riefen im Vorfeld zu einer Gegen-Kundgebung heute Mittag vor dem Opernhaus auf.

Probelauf für Köln

Der Aufmarsch in Dortmund könnte zusätzlich noch den Charakter eines „Probelaufs“ der Rechten für den so genannten „Anti-Islamisierungskongress“ vom 19. bis 21. September in Köln bekommen. Die vom Verfassungsschutz unter dem Verdacht des Rechtsextremismus beobachtete Organisation „Pro Köln“ will damit gegen den geplanten Bau einer Moschee protestieren. Erwartet werden prominente europäische Rechtsextreme wie Jean-Marie Le Pen. 


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