Widerstand wächst
Gasbohrungen in NRW
Geplante Erdgas-Bohrungen der Energiekonzerne sorgen für Konflikte. mehr...
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DORTMUND Der Schal ist eng um seinen Hals gewickelt. Im diffusen Licht der Dortmunder Szene-Kneipe funkeln seine braunen Augen. Es ist 21 Uhr, Golam Khair hat eine lange Nacht vor sich. Ein freundlicher Gruß zum Wirt, dann nimmt er seinen Strauß vom Tresen.
Jeden Abend verkauft Golam Khair im Dortmunder Kreuzviertel Rosen. Im Januar erscheint seine Autobiographie. (Foto: Leonie Schulte)
Arbeit als Manager
Dass er einmal Rosen verkaufen wird, hätte er nicht gedacht. Es war der 23. Oktober 2000, als Golam ein Touristen-Visum beantragte. Damals arbeitete er als Manager für eine Textilfirma in Bangladesch. Einen Tag später landete er in Frankfurt. Warum er geflohen ist? "Aus politischen Gründen", antwortet er, "aber mehr sage ich nicht. Das steht ja in meinem Buch." In seiner kleinen Wohnung in Dortmund hat er nur das Nötigste. Das Geld reicht für ein bisschen Reis.
Locker liegt der Strauß in seinem linken Arm. Er blickt auf die Uhr und stöhnt: "Morgen muss ich früh aufstehen. Es ist Markt." Dort kauft er seine Blumen, um sie dann von den Dornen zu befreien und am Abend wieder zu verkaufen. Dann grinst er wieder. "Aber es ist auch Fußball." Ein Freund hat für ihn immer eine Karte übrig.
An seinen ersten Tag als Rosenverkäufer kann sich Golam genau erinnern: "Das war so peinlich. In meiner Heimat war ich Manager. Und plötzlich verkaufte ich Blumen." Aus der ersten Kneipe warf ihn der Wirt raus. Dennoch machte er weiter, "ich musste ja Geld verdienen".
Heute geht es für Golam nur schleppend voran. "An manchen Tagen verkaufe ich nur zwei, dann wieder 50 Rosen." Zwei Euro kostet eine. "Meine Familie hat am Anfang gedacht, ich lebe hier wie ein König", erzählt der Bangladeshi. Neun Geschwister und seine Mutter habe er zurückgelassen. "Die dachten, ich melde mich nicht, weil es mir hier so gut geht." Dabei war alles ganz anders: Die erste Zeit verbrachte er in verschiedenen Transitlagern. Hunderte Ausländer, alle mit verschiedenen Muttersprachen, lebten dort zusammen.
"Um meiner Familie das alles zu erklären, habe ich angefangen, einen Brief zu schreiben", erinnert sich Golam. "Daraus wurden dann 200 Seiten." Freunde bestärkten ihn, weiter zu schreiben. "Dann hab ich mir gedacht: Gut, schreibst du ein Buch."
200 Exemplare
In dieser Woche gehen die ersten 200 Exemplare von "Der Rosenverkäufer" in Druck. "Damit soll die Auflage von 2000 Stück finanziert werden", erklärt Julian Bartels. Der Student sitzt mit Golam am Tisch. Vor drei Jahren lernte er den Rosenverkäufer kennen und hielt den Kontakt. Der 23-Jährige ist mittlerweile Experte in Sachen Ausländerrecht. Er bemüht sich um eine Aufenthaltserlaubnis für Golam. "Er ist nur geduldet. Sobald seine Ausweise da sind, wird er abgeschoben." Jederzeit könne das passieren. Für den Studenten ist das nicht nachvollziehbar: "Er arbeitet, ist voll integriert und fällt niemandem zur Last." Entschlossen blickt Julian zu seinem Freund: "Aufgeben werden wir erst am Flughafen. Und keine Sekunde eher."
Golam lächelt. Dann nimmt er seinen Strauß. Noch zu viele Rosen trägt er in seinen Händen. Sechs Stunden Arbeit warten auf ihn. Und immer wieder die Frage: "Möchten Sie eine Rose kaufen?"
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