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Medienhaus Lensing
08.01.2010 11:07 Uhr
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TV-Kritik: Der Tatort zur „Ruhr.2010“ wird weder Region noch Anlass gerecht

ESSEN Der Start ins Kulturhauptstadt-Jahr verläuft holprig. Erst ist ein Schneesturm zur Eröffnungszeremonie angesagt. Und dann am Sonntag Abend auch noch dieser Tatort… Eine schonungslose Kritik.Von Uwe Becker

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Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, 2.v.l.) schlittert im Film "Tatort: Klassentreffen" von einer absurden Situation zur nächsten. (Foto: WDR)

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Eigentlich sollte er ein kleines Geschenk des WDR an die Region sein. Das eigentliche Kölner Ermittler-Duo Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) verschlägt es aus diesem Grund in dieser Folge ins Ruhrgebiet. Nach Essen. So will uns der Film jedenfalls glauben machen.

Warum dann allerdings einige Szenen im Oberhausener Gasometer spielen – verbuchen wir’s mal unter dem Begriff „künstlerische Freiheit“.

Absurde Handlung

Das allein macht natürlich keinen schlechten Krimi aus. Dieses Prädikat verdient sich die Folge „Klassentreffen“ durch ihre Handlung: Max Ballauf fährt zu eben jenem Treffen nach Essen. 30 Jahre lang hat er seine Ex-Mitschüler nicht mehr gesehen. Prompt wird einer von ihnen im Hotel erschlagen. Weil sich Ballauf just in dieser Nacht mit der Gattin des Verblichenen im Nebenzimmer vergnügte und zuvor mit dem Mann (er ist Geschäftsführer der Ruhr.2010) auch noch einen handfesten Streit hatte, gilt er für die zackige Kollegin aus dem Ruhrgebiet schnell als Hauptverdächtiger. Und darf trotzdem an den Ermittlungen teilnehmen. Polizist müsste man sein.

 Lieblos konstruiert und verwurschtelt

Jetzt galt es für die Autoren nur noch, Hauptkommissar Schenk ins Geschehen zu bringen. Und was liegt da näher, als den aktuellen Kölner Mordfall, den das Duo zu knacken hat, mit dem Essener zu verbinden? Indem nämlich der Tote aus der Domstadt geschäftlich mit dem Mordopfer von der Ruhr verbunden war. Wer jetzt meint, dass das alles schon recht wirr rüberkommt, hat vollkommen Recht.

Bis beinahe zum Schluss muss der Zuschauer sich durch eine lieblos konstruierte Handlung wurschteln. Dann aber, als der Fall doch noch geklärt wird, kommt die Auflösung so plump und klischeebeladen daher wie ein Groschenroman.

 Sinnfreie Dialoge und ein bisschen Lokalkolorit

Die 85 Minuten bis dahin scheinen ohnehin hauptsächlich dem Zweck zu dienen, die Worte „Ruhr.2010“ möglichst oft in sinnfreie Dialoge zu pressen. Und ab und zu ein bisschen Lokalkolorit zu zeigen. Dass die Darsteller aus Städten der Region stammen und dies anlasslos betonen dürfen, dokumentiert die Brechstangen-Kreativität der Drehbuchautoren.

Nein, wirklich liebevoll geht man mit der Kulturhauptstadt nicht um. Wirklich schöne Totaleinstellungen gibt’s nur von einer Stadt: Köln. Und zwar aus der Luft. Kein Wunder übrigens, dass Ballauf sich zu allem Übel auch noch in einer deftigen privaten Lebenskrise befindet: Wer lieber Kölsch trinkt als Pils und Currywurst aus dem Rheinland lieber mag als die hiesige, hat nichts Besseres verdient. 

Info:
 
Tatort „Klassentreffen“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



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