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Medienhaus Lensing
27.12.2009 13:37 Uhr
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Fassungslosigkeit und Mitgefühl: Entsetzen in Unna nach schrecklicher Brandtragödie

UNNA Ein technischer Defekt ist vermutlich die Ursache für den verheerenden Hausbrand im westfälischen Unna in der Weihnachtsnacht, bei dem fünf Menschen starben. Es spreche nichts für einen sorglosen Umgang mit offenem Feuer, sagte die Dortmunder Staatsanwältin Carola Jakobs am Samstag in Unna. [Mit Video, Audio und Karte]dpa

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Tragischer Einsatz: Kräfte der Feuerwehr stehen in Unna vor einem ausgebrannten Wohnhaus. Fünf Menschen sind in der Nacht zum Freitag bei dem Brand ums Leben gekommen. (Foto: ddp)

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Brandkatastrophe in Unna auf einer größeren Karte anzeigen

Nachbarn stehen fassungslos vor dem Einfamilienhaus in Unna-Königsborn. Fünf Leichen aus drei Generationen einer Familie hat die Feuerwehr im Morgengrauen des ersten Weihnachtstages aus dem ausgebrannten Gebäude bergen müssen. „Ingrid hat noch nachts in der Kirche im Weihnachtschor gesungen“, sagt ein Mann, der einige Häuser entfernt wohnt. Seine Eltern kennen die Familie gut. Sein eigener Sohn ist im Alter eines der Jungen aus der Opferfamilie. „Hier ist fast eine ganze Familie ausgelöscht worden“, sagt Landrat Michael Makiolla am Unglücksort. So ein schlimmes Feuer gab es im Kreis Unna seit 13 Jahren nicht mehr: Damals kamen an Heiligabend drei Kinder in einem Asylbewerberheim im nahe gelegenen Bergkamen um.

Vater wurde durch Alarm geweckt

Sieben Minuten nach der Alarmierung drang die Feuerwehr am ersten Weihnachtstag durch die Haustür und über eine Drehleiter in das eineinhalbgeschossige Haus ein. Der 56 Jahre alte Vater war zuvor durch den Alarm eines Rauchmelders geweckt worden. Er hatte noch über Handy die Feuerwehr rufen und sich durch ein Fenster nach draußen retten können. Nach einer leichten Rauchgasvergiftung konnte er noch am Samstag das Krankenhaus wieder verlassen. Er wird nun von Angehörigen betreut. Seine 78 Jahre alte Schwiegermutter wurde ebenfalls mit schwersten Brandverletzungen gerettet. Am Sonntag schwebte sie jedoch nach wie vor in Lebensgefahr.

Die Feuerwehr kämpfte sich mit Atemschutz in dichtem Qualm durch das Haus und fand um 6.22 Uhr die ersten beiden leblosen Opfer. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Um 7 Uhr entdeckten die Einsatzkräfte eine dritte Leiche, um 7.40 Uhr eine vierte, um 8.08 Uhr die fünfte. Die letzten drei waren völlig verkohlt. „Ein Laie hätte sie nicht einmal als Leichen erkannt“, sagte der Landrat. Vielleicht war auch noch der Hund der Familie im Haus. Er sei bislang nicht gefunden worden, sagte Staatsanwältin Carola Jakobs am Samstag. Nur die Überreste einer Katze wurden entdeckt.

Fast die ganze Familie verloren

Der 56 Jahre alte Überlebende hat fast seine gesamte Familie verloren: seine 52-jährige Ehefrau, seine 19 und 25 Jahren alten Söhne - die einzigen Kinder -, seinen 83 Jahre alten Schwiegervater sowie seinen 47-jährigen Schwager. Als Todesursache nimmt die Staatsanwaltschaft Rauchgasvergiftungen an. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) kam noch am Unglückstag an den Brandort. Was er zu sehen bekam, war ein vom Feuer ausgehöhltes Zechenhaus mit Anbau und mehrere vom Feuer zerstörte Autos. Bis in die 80er Jahre haben Kumpel in nahen Bergwerken unter Tage gearbeitet. Ein kleines Motorboot und ein Kanu rechts neben dem Haus blieben unversehrt.

Brandermittler nahmen ihre Arbeit auf, noch während die Feuerwehr nach zwei zunächst vermuteten weiteren Opfern suchte. An Weihnachten naheliegende Vermutungen, dass vergessene Kerzen das Feuer ausgelöst haben könnten, bestätigten sich nicht. Ein technischer Defekt an einem Gerät im Wohnzimmer des Anbaus vermuteten die Experten stattdessen als Brandursache. Was für ein Gerät das gewesen sein könnte, sollten weitere Untersuchungen herausfinden. Es spreche nichts für einen sorglosen Umgang mit offenem Feuer, sagte Staatsanwältin Jakobs.

Überwältigendes Mitgefühl

Am zweiten Feiertag zündeten zahlreiche Bürger auf dem Gehweg vor dem Unglückshaus Grablichter an oder legten Blumen nieder. Auch ein rasch gebasteltes Kreuz aus Styropor sowie ein Plüschteddy lagen an einem Baum. Der Verband der Feuerwehren in NRW erinnerte am Sonntag an das Leid der Angehörigen, aber auch an die schwere seelische Belastung der Feuerwehrleute durch die „erschütternden Eindrücke“ beim Einsatz. 

Video:

 


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