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Medienhaus Lensing
26.07.2010 14:26 Uhr
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Loveparade - die Katastrophe: Experte: Es hätte noch mehr Tote geben können

KIEL Die Zahl der Toten und Verletzten bei der Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg hätte aus Expertensicht noch viel größer sein können.

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Ein Not-Decke liegt am Samstag (24.07.2010) in dem Tunnel, in dem sich zuvor eine Massenpanik ereignete. Bei der Loveparade in Duisburg sind nach Angaben der Polizei mindestens fünfzehn Menschen ums Leben gekommen, über hundert wurden verletzt. Vor dem Loveparade-Gelände am ehemaligen Güterbahnhof ist es in einem Tunnel zu einer Massenpanik unter den Besuchern gekommen. Foto: Fredrik von Erichsen dpa/lnw +++(c) dpa - Bildfunk+++ (Fredrik von Erichsen (dpa))

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„19 Tote sind, so tragisch sie auch sind, nicht viel, wenn Tausende versuchen, durch einen Tunnel zu drängen“, sagte der Kieler Katastrophenforscher Martin Voss der Nachrichtenagentur dpa. „Wenn das entscheidende Nadelöhr dicht ist, ist alles möglich.“ Es sei sinnvoll gewesen, den DJ anzuweisen, weiter aufzulegen, um eine größere Panik zu verhindern. „Eine Detailkritik steht natürlich noch aus.“

Katastrophenforscher: "Fehler auf allen Ebenen"

„Dass da Fehler passiert sind, ist für jeden offensichtlich“, sagte der Leiter der Katastrophenforschungsstelle der Universität Kiel, man könne aber derzeit nicht sagen, der und der ist dafür verantwortlich. „Es gab Fehler auf allen Ebenen.“ Alles schiefgelaufen sei aber nicht, dann hätte es noch mehr Opfer geben können. Jetzt müsse es Schwachstellenanalysen geben, aus denen für die Zukunft gelernt werden könne.

Der Soziologe kritisierte den Zugang durch einen Tunnel im Allgemeinen. Es sei nicht vernünftig, Menschen aus zwei Richtungen durch ein- und denselben Engpass schleusen zu wollen, „und schon gar nicht durch einen dunklen Raum“, sagte Voss. Es gebe aber keine pauschale Regelung, wie Massen bei Großveranstaltungen abgeführt werden müssen.

Pauschale Verurteilung falsch

Die erhobenen Vorwürfe, dass Duisburg für eine Massenveranstaltung wie die Loveparade nicht geeignet sei, kann Voss nicht teilen. „Pauschal zu sagen, Duisburg ist zu klein ist Quatsch.“ Es komme darauf an, wie ein solches Event organisiert werde. Man müsste alle Details des Konzepts kennen, um dies richtig bewerten zu können.

Jeder Veranstalter kann sich bei seinen Planungen nur auf Erfahrungswerte stützen. So sei jede Massenveranstaltung ein „Realexperiment“, das müsse jeder wissen. Voss kritisierte, dass sich viele Veranstalter bei ihren Planungen eines Sicherheitskonzepts vor allem auf Modellrechnungen stützten, die nur physikalischen kalkulierten, aber das Verhalten der Menschen nicht ausreichend berücksichtigten.


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