Widerstand wächst
Gasbohrungen in NRW
Geplante Erdgas-Bohrungen der Energiekonzerne sorgen für Konflikte. mehr...
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Essen/Dorsten/Gladbeck Über 600 Pistolen, mehrere tausend Schuss Munition, Gewehre und Ersatzteile: Monatelang hat ein Gebrauchtwagen-Händler aus Gladbeck einen schwunghaften Handel mit illegalen Waffen betrieben. Seit Dienstag steht er in Essen vor Gericht.
„Ich habe mich immer schon für Waffen interessiert“, sagte er den Richtern zum Prozessauftakt. „Aber ich wollte damit nicht draußen rumballern.“ Eigentlich habe ihn nur die Technik fasziniert.
Aus der ursprünglichen Sammelleidenschaft war jedoch spätestens 2006 ein professionelles Geschäft geworden. Damals hatte der Gladbecker zwei offizielle Händler kennen gelernt, die ihn – offenbar bedenkenlos - mit Waffen und Ersatzteilen versorgten. Zum Teil waren die halbautomatischen Selbstladepistolen vorher zum Schein zu damals noch erlaubnisfreien Druckluftpistolen (LEP) umgebaut worden. Der Rückbau war allerdings kein Problem.
Einer der beiden Lieferanten, ein bereits verurteilter Waffenhändler aus dem Saarland (dreieinhalb Jahre Haft) hatte den Gladbecker irgendwann jedoch auch direkt mit scharfen Waffen versorgt. Er hatte lediglich die Seriennummern ausgefräst, die Waffen in seinen Büchern dann als umgebaut oder verschrottet notiert. „Es war ganz einfach“, sagte der Angeklagte im Prozess. „Die Sachen wurden mir von dem Händler praktisch vor die Füße geworfen.“
1000 Euro habe er für eine funktionsfähige Pistole bezahlt – mit zehn Prozent Aufschlag gingen sie später weiter an einen befreundeten Autohändler aus Holland.
Von dort waren schließlich auch die Ermittlungen ausgegangen. Nach umfangreichen Telefonüberwachungen war es im Sommer 2007 in mehreren Bundesländern zu Razzien und Festnahmen gekommen. In Wohnungen, Garagen und Autos des Gladbeckers waren dabei 96 Pistolen, 2 Schrotgewehre, 1 Revolver, ein zerlegtes Sturmgewehr, 2822 Patronen und zahlreiche Ersatzteile sichergestellt worden.
Mitangeklagt sind zwei Angestellte eines Leverkusener Waffengeschäftes, ein Waffensammler aus Taunusstein (Hessen) und ein 47-jähriger Mann aus Dorsten. Er hatte für den Gladbecker DHL-Pakete angenommen, die von Österreich aus verschickt worden waren. Der Inhalt: scharfe Schusswaffen.
Zumindest der Haupttäter muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen. Sein niederländischer Abnehmer war bereits im Dezember vergangenen Jahres zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden.
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