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Medienhaus Lensing
19.01.2012 14:32 Uhr
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Hundetrainer im Interview: Martin Rütter: "Welpenverkauf ist Super-Gau"

DUISBURG Am Freitag werden in der Duisburger Zoohandlung Zajac die ersten Hundewelpen verkauft. Tierschützer reagieren mit Empörung. Zu Recht? Darüber sprach der bekannte Hundetrainer Martin Rütter im Interview.Von Torsten Storks

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Hundeexperte Martin Rütter lehnt den Welpenverkauf kategorisch ab. 

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Herr Rütter, der Ihnen nicht ganz unbekannte Duisburger Zoohändler Norbert Zajac verkauft ab Freitag Hundewelpen in seinem Geschäft. Was halten Sie davon?
Ich finde das empörend. Das habe ich in einer Talkshow auch schon gegenüber Herrn Zajac zum Ausdruck gebracht. Herr Zajac gibt sich ja immer als Hundefreund aus, dabei ist das der Supergau für die Tiere. Ich kann auch die Leute nicht verstehen, die dort ernsthaft einen Hund kaufen werden.
 
Was heißt denn Supergau für die Hunde?
Ich weiß nicht, ob ein Kanarienvogel glücklich ist, wenn er in der Zoohandlung sitzt. Was ich aber einhundertprozentig weiß, ist, dass es für einen Hund existenziell wichtig ist, eine vernünftige Prägung und Sozialisation zu erleben. Und das kann Herr Zajac in dem Rahmen überhaupt nicht leisten. Wenn Sie sich mit Züchtern unterhalten, die pro Jahr nur ein oder zwei Würfe großziehen, dann wird klar, wie viel Aufwand damit verbunden ist. Die Züchter machen alles Mögliche mit den Tieren, um sie auf die Welt vorzubereiten.
 
Was denn zum Beispiel?
Die Welpen-Mutter ist acht bis zehn Wochen bei den Kleinen, dann bekommen die Jungtiere wechselnde Sozialkontakte zu Menschen. Sie werden mit den unterschiedlichsten Geräuschen vertraut gemacht. Die Welpen werden auf das Zusammentreffen mit anderen Artgenossen vorbereitet. Das können Zoohändler gar nicht leisten. Für die Tiere ist das der Wahnsinn, ein irrsinniger Stress.
 
Und der endet in Verhaltensstörungen?
Ja, definitiv. Aber die Kernfrage ist doch: Wo hat Zajac die Hunde überhaupt her?
 
Von privaten Züchtern.
Ich stelle die These auf, dass kein seriöser Züchter dieser Welt diesem Mann Hunde verkaufen wird. Infolgedessen gehen wir davon aus, dass der Unternehmer Zajac – der wird die ja nicht selber liebevoll mit der Hand in seinem Wohnzimmer aufziehen – die Tiere aus irgendwelchen Massenproduktionsstätten bezieht. Und da fängt es ja schon an: Wie war denn die Auswahl der Elterntiere? Wie sozialkompatibel waren diese Hunde? Das sind alles Fragen, die, glaube ich, für Herrn Zajac keine Rolle spielen. Oberflächlich betrachtet werden Interessierte in dem Zoogeschäft einen niedlichen, relativ normalen Welpen vorfinden.
 
Relativ normale Welpen?
Damit meine ich, dass sich die Hunde nicht mit Hospitalismuserscheinungen, also Bindungsstörungen, vor den Augen der Kundschaft im Kreis herumdrehen werden. Die Leute werden aber, wenn sie den Hund schließlich geholt haben, große Folgekosten haben.
 
Vielleicht auch nicht, Herr Zajac bietet doch beim Welpenkauf die Möglichkeit der Rückgabe an.
Überlegen Sie mal, wie pervers das ist. Man kann doch nicht sagen, Sie können den Welpen hier mitnehmen, und wenn es Ihnen nicht mehr passt, bringen Sie das Tier einfach zurück. Das ist doch völlig absurd.
 
Aber nicht verboten.
Das stimmt. Der Mann wird sich wahrscheinlich gesetzeskonform verhalten. Vom moralischen Standpunkt aus gesehen ist es aber nicht in Ordnung. Deshalb muss man einen Schritt weiter gehen und die Gesetze entsprechend ändern.
 
Wo sollte man einen Hund kaufen?
Nicht in der Zoohandlung. Das ist nichts anderes, als wenn ich auf einen polnischen oder belgischen Markt gehe, wo viele Hunde aus Mitleid gekauft werden und in der Pappschachtel nach Hause transportiert werden. Wenn es schon ein Rassehund sein muss, rate ich dazu, sich an einen seriösen Züchter zu wenden. Informationen dazu bekommen Interessierte beim Verband des Deutschen Hundewesens (VDH). Vor allem möchte ich aber die Empfehlung aussprechen, sich im Tierheim nach einem Hund umzuschauen.
 
Der eine oder andere Hund wird trotz aller Proteste bei Herrn Zajac über die Ladentheke gehen. Hat Otto Normalverbraucher eine Chance, zu erkennen, ob mit dem Tier etwas nicht stimmt?
Die Tiere werden tendenziell gesund sein. Da wird kein Welpe sitzen, der eine schwere Staupe hat oder nicht ordentlich geimpft ist. Das wäre ja das Todesurteil für Zajacs Geschäft.
 
Aber?
Die Hunde werden vielmehr aufgrund der schlechten Sozialisation usw. Langzeitschäden davontragen. Ich kann Ihnen versichern, wenn diese Tiere erstmals in die Innenstadt kommen, dann ist das so, als wenn man einen Neandertaler nach New York schickt. Das zeigt sich bei den Hunden dann auch in körperlichen Symptomen wie Hauterkrankungen oder Magen-Darm-Problemen.
 
Fürchten Sie, dass andere Händler dem Duisburger Beispiel folgen?
Die großen Ketten jedenfalls nicht, das haben mir einige in persönlichen Gesprächen versichert. Ich kann mir eher vorstellen, dass kleine Händler auf diesen Zug aufspringen werden.
 
Stimmt es eigentlich, dass Herr Zajac Ihnen Hausverbot erteilt hat?
Das stimmt.
 
Und, halten Sie sich daran?
Warten wir es ab.
 


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