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Kalt, kälter, Winter. (Franziska Kraufmann (dpa))
In Nordrhein-Westfalen war die Nacht auf Dienstag die kälteste seit drei Jahren. Der eisige Spitzenwert von minus 22,3 Grad wurde in der Eifel gemessen, teilte der Wetterdienst Meteomedia am Dienstag in Bochum mit. Die Schifffahrt hat zunehmend mit dem Eis auf den Kanälen zu kämpfen.
Minus 21 Grad im Sauerland
Der kälteste Ort in der Nacht war Nettersheim in der Eifel mit minus 22,3 Grad, gefolgt von Kalterherberg in der Eifel mit minus 21,5 Grad. Schmallenberg im Sauerland erreichte in der Nacht auf Dienstag minus 21,1 Grad. Mit der tagsüber anhaltenden grimmigen Kälte hatte der Dienstag gute Chancen, der eisigste Tag des Jahres zu werden.
Mittwoch und Donnerstag sollen die Temperaturen etwas ansteigen, bevor sie dann wieder richtig in den Eiskeller sacken. Bundesweit lagen die Spitzenwerte um die minus 25 Grad.
In Nettersheim leiden Mensch und Tier unter der Kälte. Am Morgen standen frierende Asylbewerber vor dem Sozialamt und baten um Geld für wärmere Kleidung. Die Gemeinde werde wohl in Kürze die Notzeit für das Wild ausrufen und an die Jäger appellieren, das Wild zu füttern, sagte Rainer Breinig von der Gemeindeverwaltung.
"Kälteste Nacht seit drei Jahren"
„Das war die kälteste Nacht in NRW seit drei Jahren“, sagte Meteorologin Rebekka Krampitz. Im Januar 2009 sei es noch kälter gewesen. Auch wenn es in der laufenden Woche zwischendurch mal ein bisschen wärmer werden und etwas schneien soll - die Jecken müssen sich nächste Woche wohl richtig warm anziehen. „Tendenziell bleibt es wahrscheinlich kalt“, sagte Krampitz, auch wenn es noch einige Ungenauigkeiten in der Langzeit-Vorhersage gebe.
„Es fährt so gut wie kein Schiff mehr. Die Eisdecke wächst“, sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Minden, Henning Buchholz, über die Lage auf dem Mittellandkanal. Der Kanal war am Dienstagnachmittag zwischen Magdeburg und Minden so gut wie nicht mehr passierbar. Ein Konvoi wurde von Eisbrechern noch bis Hannover geleitet.
Eisdecke ist 20 Zentimeter dick
„Wir hatten heute minus 16 Grad, da wächst das Eis sehr schnell. Die Eisdecke ist 20 Zentimeter dick, im Osten sogar 30 Zentimeter“, sagte Buchholz. Auf dem Teilstück von Minden bis in die Gegend von Rheine, wo der Mittellandkanal auf den Dortmund-Ems-Kanal trifft, hielten Eisbrecher zunächst noch die Strecke frei. Das Teilstück des Dortmund-Ems-Kanals nördlich von Rheine ist zugefroren. Insgesamt wächst die Eisdecke auch dort.
„Der Kanal ist ziemlich zugefroren. Wir haben 12 bis 15 Zentimeter dickes Scholleis“, schilderte der Kapitän des Eisbrechers E 15 51, Ralf Majkrowitz dem Westdeutschen Rundfunk am Morgen. Das Schiff mit 480 PS versuche, das Eis zu durchbrechen. „Im Moment geht's noch, aber das Eis wird zunehmend dicker“, schilderte der Kapitän.
Schiffverkehr muss möglicherweise eingestellt werden
Am Morgen hatte die E 15 51 zwei Schiffe befreit, die über Nacht festgefroren waren. Später machte sie eine Rinne für zwei Schiffe frei und brachte sie sicher durchs Eis. „Danach friert das auch ziemlich schnell wieder zu“, sagte Majkrowitz. Der Eisbrecher selbst könne noch bei Schollen bis zu 25 Zentimeter fahren, aber für die Schifffahrt sei dann Schluss.
Ganz Deutschland und Europa zittert in klirrender Kälte: In Niedersachsen hat es sogar erneut einen Kältetoten gegeben. Ein 75-jähriger Rentner war bereits vergangene Woche auf einem Feldweg zwischen Husum und Brokeloh in eisiger Kälte gefunden worden. Eine Obduktion habe Unterkühlung als Todesursache ergeben, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag. In Polen ist die Zahl der Kältetoten ebenfalls gestiegen. In der Nacht zu Dienstag erfroren sechs meist obdachlose Menschen, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums in Warschau mit. Damit starben seit Beginn der Kälteperiode allein in Polen 68 Menschen an den Folgen der Kälte.
20 Kältetote in Tschechien
In Tschechien stieg die Zahl der Kältetoten seit Beginn der Kälteperiode auf 20. In einer Prager Kleingartenkolonie fanden Polizisten am Dienstag die Leiche eines 44 Jahre alten Obdachlosen. Die tiefste Temperatur wurde zuletzt mit minus 24,8 Grad in Sindelova (Schindlwald) im westlichen Erzgebirge gemessen. Bei spiegelglatter Fahrbahn kam es im ganzen Land zu zahlreichen Verkehrsunfällen. In der Gemeinde Kasejovice in Westböhmen rutschte ein Lastwagen in ein Wohnhaus.
Mit Temperaturen um minus 14 Grad war es in Polen am Dienstag zwar nicht mehr so kalt wie in der vergangenen Woche. Mehrere Schulen vor allem in ländlichen Regionen blieben jedoch geschlossen, weil Heizungsrohre in der Dauerkälte kaputt gingen. Der Dauerfrost bremst auch den Fußball im Warschauer Nationalstadion aus: Wegen der andauernden Minustemperaturen seien die polnischen Rasenrollen gefroren und könnten nicht ausgerollt werden, berichtete die „Gazeta Wyborcza“ am Dienstag. Nun soll Rasen aus Holland das erste Spiel am Samstag ermöglichen - doch auch der kam angefroren in Polen an.
ADAC im Dauereinsatz
Auf den Straßen in Deutschland ist der ADAC derzeit im Dauereinsatz. In Mecklenburg-Vorpommern haben die Pannenhelfer bei sibirischer Kälte derzeit fast viermal so viel zu tun wie sonst. Die Zahl der Einsätze stieg auf bis zu 811 Hilfseinsätze am Tag, davon 85 Prozent wegen defekter Batterien, teilte der ADAC Hansa am Dienstag in Schwerin mit. Normal seien im Jahresdurchschnitt täglich etwa 225 Einsätze. Am Stettiner Haff im Nordosten des Bundeslandes war am Montag der Rekordwert von minus 29 Grad gemessen worden.
Vor allem in Thüringen, Sachsen und Brandenburg war es laut DWD in der Nacht richtig kalt. Von Osten aufgezogene Bewölkung habe das Thermometer aber nicht noch weiter fallen lassen. Am Dienstag werde tagsüber vielerorts wegen der Bewölkung die Sonne nicht scheinen, sagte die Meteorologin Dorothea Paetzold. Dadurch könnten die Temperaturen am Tag „noch mal weit runter gehen“.
Keine Kurzurlaube
An Flucht vor der Kälte denken in Deutschland allerdings nur wenige. Trotz der Rekordtemperaturen würden die Menschen nicht scharenweise in den Kurzurlaub in die Sonne fliegen. „Es gibt sicherlich ein paar Menschen, die sich spontan für einen Trip in die Sonne entschieden haben, aber in den Buchungszahlen schlägt sich das nicht signifikant nieder“, erklärte Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV) am Dienstag in Berlin.