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Medienhaus Lensing
09.02.2012 00:01 Uhr
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Streit eskaliert: Rätsel um Lehrerflucht am Wittener Gymnasium

WITTEN Reihenweise Versetzungsanträge der Lehrer, ein erkranktes Leitungsteam, das jetzt durch einen kommissarischen Direktor vertreten wird: Vorläufiger Höhepunkt eines lange schwelenden Konflikts am altehrwürdigen Ruhr-Gymnasium Witten (RGW), der nun die Bezirksregierung zum Handeln zwingt.Von Ilka Bärwald und Stephan Teine

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Am Ruhr-Gymnasium Witten zeichnet sich noch keine Lösung des Konflikts ab. (Foto: Groeger)

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Bereits ihr Start war holprig: Erst durch eine Klage konnte sich die neue Leiterin der Schule mit einer mehr als 125-jährigen Geschichte ihre Stelle als Oberstudiendirektorin sichern. Das Kollegium hatte sie zuvor abgelehnt. Die Bezirksregierung Arnsberg boxte die neue Chefin dennoch durch. Das war Mitte 2008.

Ein Drittel des Kollegiums weg

Seitdem ist offenbar fast ein Drittel des RGW-Kollegiums entweder auf eigenen Wunsch in den vorzeitigen Ruhestand gegangen oder hat seine Versetzung beantragt. Auf Abschiedsfeiern verzichteten die Pensionäre. Eine beunruhigend hohe und äußerst ungewöhnliche Zahl, wie auch die Bezirksregierung zugibt.

 Ende Januar dann die Eskalation: Schüler planen eine Demonstration gegen die Versetzung von gleich vier Lehrern zum 1. Februar. Mitten im Schuljahr. Alle hatten aus „persönlichen Gründen“ darum gebeten. Die Demo fand nicht statt, weil Polizei und Ordnungsamt Verfahrensfehler monierten, die Schülervertretung um Aufschub bat.

Lehrer mussten nach Demonstranten suchen

Die Schulleiterin allerdings schien diesem Frieden nicht zu trauen. Am Nachmittag des vorgesehenen Protesttages ließ sie Lehrer in die Innenstadt ausschwärmen, um vermeintliche Demonstranten aufzuspüren.

 Wenige Tage später dann eine Pressekonferenz für die lokalen Medien, in der keine Gründe für die Versetzung der vier Kollegen – die teils viele Jahre am RGW beschäftigt waren – genannt wurden. In Schulkreisen ist jedoch von „Schikanen“ und „unmenschlicher Atmosphäre“ die Rede.

Bezirksregierung setzt Mediator ein

Unterdessen hat Arnsberg erstmals gehandelt: Angeblich auf Bitten aller Beteiligten wurde ein Mediator eingesetzt, der demnächst zwischen einem kleinen Teil der Lehrerschaft und der Direktorin sowie dem Großteil der Lehrer vermitteln soll.

Am Montag dann haben sich Schulleiterin und Vertreter gleichzeitig krank gemeldet. „Zunächst wohl für zwei Wochen“, heißt es aus den Reihen der Lehrer. Die Bezirksregierung reagierte prompt: Bereits am nächsten Tag trat mit Ulrich Janzen, Vize-Direktor am Walram-Gymnasium in Menden, ein kommissarischer Leiter seinen Dienst an. Der Schulbetrieb müsse aufrecht erhalten werden, hieß es.

Weitere Versetzungsanträge

Mittlerweile scheint klar: Die vier bereits Versetzten sind nicht die letzten, die das RGW verlassen wollen. Offenbar liegen der umstrittenen Direktorin derzeit vier weitere Versetzungsanträge zum Sommer hin vor. Die Bezirksregierung erklärte auf Anfrage, darüber sei noch nicht entschieden.

Längst ist nicht mehr nur das Kollegium von Abgängen betroffen: Auch im Sekretariat gingen zwei der drei Angestellten, der Vorsitzende des Lehrerrates warf 2011 das Handtuch.

"Im Sinne der Kinder"

Wie es am Ruhr-Gymnasium weitergeht? Die Bezirksregierung will die Mediation abwarten. Fest steht: Nicht alle Nachfolger des zuletzt versetzten Quartetts verfügen über eine pädagogische Ausbildung. Die Schulpflegschaftsvorsitzende Ulrike Grote wünscht sich, dass der normale Schulalltag schnell wieder einkehrt – „vor allem im Sinne der Kinder“.

Der kommissarische Schulleiter soll sich mit langfristigen Ideen und Visionen den neuen Kollegen vorgestellt haben – eher unüblich für einen Einsatz als Krankheitsvertretung.

Für Donnerstag hat die Schulpflegschaft eine außerordentliche Elternversammlung einberufen und reagiert damit auf massive Anfragen aus den Reihen der verunsicherten Eltern.


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