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Medienhaus Lensing
05.03.2010 19:07 Uhr
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Übergriff auf Familie: Rechte Szene wird immer jünger und gewaltbereiter

NRW Aufgrund zunehmender Gewalt von Rechtsextremen auch in Nordrhein-Westfalen fordern Experten jetzt ein stärkeres Vorgehen gegen Mitglieder der rechten Szene. Vor allem Dortmund, Hamm sowie der Kreis Unna stehen im Blickfeld der Ermittler. In Dortmund ist es offenbar erneut zu einem rechtsextremen Übergriff auf eine Familie gekommen.

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In Dortmund war es im vergangenen Jahr auf einer Demonstration auch zu Auseinandersetzungen zwischen Rechten und der Polizei gekommen. (Foto: Wegener)

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In der Nacht zu Donnerstag haben bislang noch unbekannte Täter Buttersäure auf das Auto einer Familie geschüttet. „Wir nehmen die Sache sehr ernst“, sagte gestern eine Sprecherin der Polizei. Die Frau sei nach Angaben der Ermittler eher der linken Szene zuzuordnen. Daher gilt ein rechter Hintergrund als wahrscheinlich, sagte die Sprecherin. Ermittlungen von Staatsschutz und Polizei laufen.

Prävention alleine reiche beim Kampf gegen Rechts schon lange nicht mehr aus, sagt Ralf-Erik Posselt von der Gewalt Akademie Villigst mit Sitz in Schwerte. Er fordert von den Behörden stattdessen eine regelmäßige Überprüfung bekannter Neonazis. „Man muss mehr Druck aufbauen, auch durch die Polizei“, sagt Posselt. „Genau hier muss die Justiz ansetzen.“ Denn Vorfälle wie im vergangenen Jahr, als eine Familie aus Dortmund über Monate von Neonazis terrorisiert wurde, soll es laut Posselt nicht wieder geben.

Attacken gegen Familie

Damals sah sich eine Dortmunderin mit ihrer Familie immer wieder Attacken von Neonazis ausgesetzt, nachdem sie in ihrem Stadtteil regelmäßig Nazi-Plakate entfernt und „Juden-raus“-Parolen gemeldet hatte. Als Folge prangten zunächst Nazi-Aufkleber an ihrem Haus, später wurde das Küchenfenster mit einem Stein zertrümmert. Am Ende fand die Familie keinen anderen Ausweg als aus der Stadt zu fliehen.

Nach dem erneuten Zwischenfall in der Nacht zu Donnerstag in Dortmund sagte Stefan Mühlhofer von der Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie in Dortmund: „Wir müssen aufpassen, dass die Situation in Dortmund in Zukunft nicht aus dem Ruder läuft.“ Anders als Posselt setzt Mühlhofer gemeinsam mit dem Bielefelder Soziologen und Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer allerdings auf einen Ausbau der Netzwerke gegen Rechts. „Denn derzeit“, so betont Heitmeyer, „arbeiten noch viel zu viele Leute gegeneinander. Da lachen sich die Rechten dann ins Fäustchen.“

NRW-Innenministerium hat Bereitschaft signalisiert

Das NRW-Innenministerium hat bereits Bereitschaft signalisiert. Sprecherin Cordula Holzberg bestätigt, dass zukünftig verstärkt Jugendeinrichtungen, Schulen und Kirchenverbände in die Aufklärungsarbeit miteinbezogen werden sollen. „Schon jetzt kriegen wir immer mehr Anfragen gerade von Schulen.“ Grund sei die starke Verjüngung der Szene: Viele Mitglieder sind gerade einmal zwischen 16 und 23 Jahre alt.

Brisant: Mit der Verjüngung ist nach Ministeriumsangaben auch die Gewaltbereitschaft gestiegen. Im Fokus von Verfassungsschutz und Experten stehen dabei vor allem die sogenannten Autonomen Nationalisten. „Bei dieser Gruppierung haben wir zuletzt eine Gewaltpotenzial auf kaum dagewesenen Niveau ausgemacht“, sagt ein Ministeriumssprecher. Das sei zuletzt bei den heftigen Auseinandersetzungen auf einer Gewerkschaftsdemo in Dortmund im Mai des vergangenen Jahres zu beobachten gewesen. Damals hatten Hunderte Aktivisten die Kundgebung des DGB attackiert und Teilnehmer verletzt.

Bundesweit schätzen Verfassungsschützer den harten Kern der „Autonomen Nationalisten“ derzeit auf 600 Personen. Knapp ein Drittel davon ist laut Innenministerium vor allem in Dortmund, Unna und Hamm aktiv.


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