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Medienhaus Lensing
09.10.2009 19:03 Uhr
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Bewegender Abschied: Rolf Rüssmann beigesetzt

GELSENKIRCHEN Mit einer bewegenden Trauerfeier haben rund 500 Menschen auf dem Altstadtfriedhof in Gelsenkirchen Abschied von Rolf Rüssmann genommen. Zahlreiche Prominente aus der Fußball-Welt erwiesen dem vor einer Woche im Alter von 58 Jahren verstorbenen ehemaligen Bundesliga-Profi und -Manager am Freitag bei strahlendem Sonnenschein die letzte Ehre.Norbert Neubaum

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Kränze der Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart, Borussia Mönchengladbach, FC Schalke 04, Borussia Dortmund (obere Reihe l-r) sowie MSV Duisburg, der deutschen Fußball-Liga DFL, Eintracht Frankfurt und des Deutschen Fußball-Bundes DFB säumen in Gelsenkirchen das Grab (Foto: dpa)

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Kein einzelnes Wort, kein Begriff, kein Artikel kann die Szenerie auf dem Gelsenkirchener Altstadtfriedhof gestern Vormittag treffender beschreiben als der Blick in die Augen von Klaus Fischer.

Als die Sturm-Legende nach dem Gottesdienst die Trauerhalle verlässt, weint er bittere Tränen. Die riesige Schalke-Fahne hält Fischer fest umklammert und führt den Trauerzug an – es ist das letzte Geleit für Rolf Rüssmann, der am vergangenen Samstag seinen langen, schweren Kampf gegen den Krebs verloren hatte. Schon als im November vergangenen Jahres Charly Neumann zu Grabe getragen wurde, trug Fischer tapfer die blau-weiße Fahne – dieses Mal, wenn man so etwas überhaupt vergleichen darf, wird es ihm noch schwerer gefallen sein. „Mit Rolf Rüssmann“, sagte Fischer, „habe ich meinen besten Freund verloren.“Nicht nur Klaus Fischer weinte, der Fußball weinte.

Die Beisetzung von Rolf Rüssmann machte die Beliebtheit des langjährigen Vorstoppers von Schalke 04 und Borussia Dortmund deutlich. Weit über 500 Trauergäste, darunter Fußball-Prominenz aus dem In- und Ausland, erwiesen „Rolli“ die letzte Ehre, und kaum einer schämte sich seiner Tränen. Es war ein bewegender Abschied. Ein Abschied, der die zuletzt nicht immer harmonische Schalker Vereinsfamilie alleine schon durch die Anwesenheit von Ex-Manager Rudi Assauer für kurze Zeit wieder vereinte, wenn auch in Trauer. Ein Abschied, der Generationen übergreifend war: Ehemalige Mitspieler aus Schalker und Dortmunder Zeiten standen genau so erschüttert am Grab wie Spieler, die Rüssmann in seiner Zeit als Manager bei Borussia Mönchengladbach und dem VfB Stuttgart betreute und formte. Und Schalke-Fans, die Rüssmann wahrscheinlich nie haben spielen sehen, ihn aber trotzdem in die Jahrhundert-Elf der Königsblauen wählten.„Man hat erst etwas hinterlassen, wenn Menschen mit einem Lächeln an einen zurückdenken“, sagt der Journaliste Alfred Draxler in seiner Trauerrede.

Rolf Rüssmann hat demzufolge viel hinterlassen. Mit wem auch immer man über Rolf Rüssmann spricht, meistens sind es die Attribute „fair, anständig, bescheiden“, mit denen er geadelt wird. Beim Golfspielen, so Draxler, habe Rüssmann die Bälle oft besser gelegt – allerdings die seiner Mitspieler. So war Rolf Rüssmann.„Für uns war er wie ein Bruder“, sagt Erwin Kremers, der mit Zwillingsbruder Helmut und Klaus Fischer eng mit Rolf Rüssmann und dessen Familie befreundet war. Sie haben Rüssmann in seinen schweren Stunden geholfen, so wie er früher anderen geholfen hatte, Stan Libuda beispielsweise. 

 Und sie haben Rüssmann für seinen tapferen und jahrelangen Kampf gegen den Krebs bewundert, der Rüssmann am letzten Samstag in einer Spezialklinik in Velbert dann endgültig besiegt hatte. Es ist grotesk, aber leider Realität, dass an Rüssmann immer auch der Makel des Bundesliga-Skandals von Anfang der 70-er Jahre hängen bleiben wird – ein Skandal, den Rüssmann in seinem Gewissen bis an sein Lebensende bleischwer wie in einem Tornister mit sich herumtrug.

Aber was von Rüssmann in Erinnerung bleiben sollte, ist seine sympathische, seine umgängliche Art, die ihn im Profi-Geschäft unverwechselbar machte.Spieler wie Rüssmann und ein Teil der Schalker Pokalsieger-Elf von 1972 dokumentieren noch heute ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das es in Profi-Mannschaften vielleicht schon gar nicht mehr gibt oder geben wird. „Wir fühlen mit Euch, wir sind immer für Euch da“, schrieb der Schalker Golfkreis in einer Todesanzeige an Rüssmanns Familie. Das sind, da darf man sicher sein, keine leeren Worte. Und weil das so unfassbar ist, dass so ein ganz Großer des Revier-Fußballs so früh, im Alter von nur 58 Jahren, für immer gehen musste, suchte Pfarrer Oliver Günther in seiner Trauerrede das Licht an einem traurigen Tag.
 
Wenn Enkelin Greta, über deren Geburt Rüssmann sich noch freuen durfte, eines Tages nach dem Opa fragen sollte, sollte die Antwort sein: „Der Opa spielt jetzt im Himmel Fußball.“ Der Himmel spielte Doppelpass: Als Rolf Rüssmann beigesetzt wurde, sorgten ein paar Wolken und kräftiger Sonnenschein für einen strahlend blau-weißen Himmel über Gelsenkirchen.Die vielen Tränen konnte aber auch die Sonne nicht trocknen – nicht nur die von Klaus Fischer.


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