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Medienhaus Lensing
22.07.2011 12:17 Uhr
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Zum Jahrestag: Streit um Entschädigung von Loveparade-Opfern kocht hoch

DUISBURG Zum Jahrestag des Loveparade-Unglücks mit 21 Toten und Hunderten Verletzten kocht die Diskussion um eine schnelle Entschädigung der Opfer wieder hoch. Der Anwalt Thomas Kämmer, der die Mutter einer Loveparade-Toten vertritt, fordert eine Vermittlungskommission, die Schadenersatz- und Schmerzensgeldforderungen zügig außergerichtlich klären soll.dpa

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Am kommenden Sonntag jährt sich das Unglück auf dem Gelände der Loveparade. 

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Ein langwieriges Zivilverfahren würde für die Opfer „eine fortgesetzte Ohnmacht bedeuten“, sagte Kämmer.
Juristen rechnen mit jahrelangen Prozessen rund um die Katastrophe. Bisher gibt es nicht einmal eine Entscheidung über eine mögliche Anklageerhebung. Einem Strafprozess würde der Zivilprozess aber mit womöglich mehreren Instanzen dann erst folgen.

Es werden nur kleine Hilfen erwartet

Einen ersten Durchbruch für eine schnelle Entschädigung gibt es: Die Versicherung des Loveparade-Veranstalters, Axa, und der kommunale Versicherungsverband, der die Stadt Duisburg vertritt, haben Ende Mai gemeinsam beschlossen, schon vor der endgültigen juristischen Klärung Schadenersatz zu zahlen. Diese Einigung sei vielleicht der größte Erfolg seiner Arbeit, sagt Jürgen Hagemann, Vorsitzender der Opferorganisation „Massenpanik Selbsthilfe“ der dpa.

Doch es wurde auch Kritik laut: Anwalt Kämmer bezeichnet die Absprache sogar als „Versuch, eine wirklich angemessene Entschädigung zu vereiteln.“ Die Einigung sei ohne Beteiligung der Opfer zustande gekommen und auch nicht offen kommuniziert worden, kritisiert auch der Düsseldorfer Anwalt Julius Reiter. Nach jetzigem Stand seien nur kleine Hilfen für die Betroffenen zu erwarten, sagte Reiter einem Medienbericht zufolge.

Trotzdem sei die Geste dahinter für die Betroffenen psychologisch wichtig und helfe den Opfern, mit der Sache abzuschließen, schätzt Reiter. Der Anwalt, der in einer gemeinsamen Kanzlei mit dem ehemaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum 76 Opfer der Loveparade vertritt, fordert aber, dass sich auch das Land an einer Entschädigungsregelung beteiligen solle.

Schulversagen, Jobverlust und andere Traumafolgen

Unstreitig ist, dass die Soforthilfe des Landes unmittelbar nach der Katastrophe gut geklappt hat: Aus dem 1,5-Millionen-Nothilfefonds des Landes wurden laut Reiter bereits rund 1,2 Millionen Euro abgerufen. Bei stationärer Behandlung hatten die Opfer daraus 500 Euro pro Tag im Krankenhaus bekommen - bis zu 20.000 Euro pro Person. „Das hat gut geklappt und uns sehr geholfen“, sagt die Mutter einer Loveparade-Toten.

Zusätzlich sei aber die Gründung einer Stiftung nötig, fordert Reiter seit längerem. Damit sollten langfristige Folgen etwa durch Jobverlust oder posttraumatische Belastungsstörungen aufgefangen werden. „Die Einführung einer Stiftung fordern wir, weil wir Sorge haben, dass die Geschädigten, wenn der Medienrummel vorbei ist, vor verschlossener Tür stehen könnten“, sagte Reiter. Viele Folgen der Loveparade wie etwa Schulversagen oder Probleme im Job seien nicht justiziabel. In einer Stiftung könnten Opfer auch solche Ansprüche formulieren.
 


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