Chemiker Carl Djerassi ist Ehrendoktor der TU Dortmund
DORTMUND Carl Djerassi hat die Pille erfunden und zur sexuellen Befreiung der Frau beigetragen. Am Donnerstag wurde der Chemiker Ehrendoktor der Technischen Universität Dortmund. Geehrt wurde der 85-Jährige für sein literarisches Werk.
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Es ist sein zweiter Beruf geworden und wohl auch seine zweite Berufung. „Ich war Wissenschaftler und bin aktiv in der Literatur“, sagt der Mann, der sich selbst einen „idiotischen Workaholic“ mit „Arbeitszeiten von 26 Stunden am Tag“ nennt. Die Dortmunder Ehrendoktorwürde ist seine 21., aber die erste für sein literarisches Schaffen. „Es ist wie eine Nummer 1“, findet er.
Djerassi gibt Seminar in Stanford
Djerassi befindet sich auf einer Mission: Er möchte die Lücke schließen zwischen den Naturwissenschaften und dem Rest der Welt, die seiner Ansicht nach in den vergangenen Jahren wächst und wächst. Darüber ist er zum „intellektuellen Polygamisten“ geworden, wie eine Autorin einst ein Buch über ihn genannt hat.
Als solcher hat sich Carl Djerassi im vergangenen Jahr entschlossen, in seinem 86. Lebensjahr erstmals wieder ein Seminar anzubieten an seiner Stamm-Universität Stanford, an der er 1959 Professor wurde. Thema: eine Kombination aus Chemie und Literatur.
"Die Mutter der Pille"
Ganz lässt ihn die Pille nicht los, schon wegen der Journalisten, die ihn beharrlich dazu fragen. Spricht er über die Pille, tut er dies mit einer Portion Humor: Seine 1992 erschienene Autobiographie heißt „Die Mutter der Pille“ („ein Chemiker kann immer nur die Mutter sein, Vater ist der Biologe“) und zeigt ihn mit einem Schwangerschaftsbauch.
Der Spaß hört für Djerassi aber auf, wenn es um den Gebrauch der Verhütungsmittel geht. Den Aufruf von Papst Benedikt XVI. bei seinem Afrikabesuch, keine Kondome zu benutzen, kritisiert er scharf: „Wenn der Papst keine Kondome braucht, ist das völlig okay. Wenn er aber einige Millionen in den sicheren Tod schickt, dann ist das obszön“, sagt er und weist darauf hin, dass es den größten Anteil illegaler Abtreibungen ausgerechnet in den altkatholischen Ländern Lateinamerikas gebe.
Leidenschaft für Maler Paul Klee
Über dieses Thema könnte Carl Djerassi stundenlang reden, noch lieber aber spricht er über seine künstlerischen Leidenschaften wie seine Nähe zum Maler Paul Klee, von dessen Werken er eine riesige Sammlung besitzt.
Sein neues Thema ist Religion
Seine Arbeitswut hat Carl Djerassi in den vergangenen Jahren etwas zurückgefahren: „auf 25 Stunden am Tag“. Das hat ihn nicht daran gehindert, sich jüngst einem neuen Thema zu widmen: der Religion.
„Vier Juden auf dem Parnass“, heißt ein aktuelles Werk über die Lebenswelt von vier Intellektuellen. Djerassi mag sich dabei auch auf die Spuren seiner eigenen Existenz begeben haben. Ein Entdecker ist er bis heute geblieben.








