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Medienhaus Lensing
06.02.2012 16:49 Uhr
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Dreckiger Fluss: Chemie-Cocktail verunreinigt Ruhr - Wasserwerke müssen nachrüsten

Düsseldorf Das Wasser aus der Ruhr ist sicher, sagt NRW-Umweltminister Remmel. Dennoch enthält es noch immer verschiedene Schadstoffe. Jetzt gibt es Streit über die weitere Verbesserung der Wasserqualität.dpa

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durch die anhaltende kälte hat sich an der Ruhr in Westhofen hat am Ufer eine Eisschicht gebildet. (Foto: Bernd Paulitschke)

Das Wasser der Ruhr ist weiterhin durch einen Chemie-Cocktail verunreinigt. Das geht aus einem Experten-Bericht hervor, den der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) am Montag in Düsseldorf vorgelegt hat. Zu den zahlreichen nachgewiesenen Schadstoffen zählen Arzneien, Waschmittel und die Industrie-Chemikalie PFT, die im Verdacht steht, Krebs zu erregen. Das Trinkwasser sei aber sicher, sagte Remmel. Alle Schadstoffmessungen lägen unterhalb der rechtlichen Grenzwerte. Die Ruhr ist Trinkwasser-Reservoir für fünf Millionen Menschen.

10 von 16 Wasserwerken müssen modernisiert werden

Dennoch müssten etwa 10 von insgesamt 16 Wasserwerken an der Ruhr schleunigst modernisiert werden, um Mikroschadstoffe zu beseitigen und die Gewässerqualität zu verbessern, betonte der Minister. Die dafür nötigen Investitionen bezifferte er auf bis zu 180 Millionen Euro. Über den Weg zu diesem Ziel gibt es Meinungsverschiedenheiten mit den Wasserwerken und der Bezirksregierung Arnsberg.

Während der sozialdemokratische Arnsberger Regierungspräsident Gerd Bollermann auf eine verbindliche Anordnung für schrittweise Nachrüstungen bis 2017 dringt, sieht der grüne Minister die Wasserwerke längst in der Pflicht. Die geltenden Wassergesetze verlangten ohnehin eine stetige Anpassung. „Es bedarf keiner Fristen, um die Nachrüstung in Angriff zu nehmen.“ Wer in Gewässerschutz investieren wolle oder müsse, hätte dies schon längst tun können, argumentierte Remmel. Es gebe keine Weisung aus seinem Haus, die dies blockiere.

Entwurf wurde nicht unterschrieben

Einen von den Wasserwerken und der Bezirksregierung vorbereiteten Entwurf habe er wegen mangelnder Rechtssicherheit der Vorschläge und zu langer Planungszeiträume nicht unterschreiben wollen, bestätigte Remmel entsprechende Berichte. Im übrigen werde nirgendwo sonst in der Republik um Anordnungen gebeten, spottete der Minister. „Das ist ja Anordnungsmasochismus.“ Bis 2017 könnten die Modernisierungen jedenfalls nicht hinausgezögert werden. Remmel peilt dagegen „zwei bis drei Jahre“ an. Auf Antrag der CDU wird der Landtag am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde über das Thema debattieren.

Als vorbildlich lobte der Minister das Wasserwerk Essen, das bis 2013 - ganz ohne Anweisung - 50 Millionen Euro in modernste Reinigungsverfahren investiere. Nachrüstungsbedarf haben seinen Angaben zufolge die Wasserwerke entlang der mittleren Ruhr, während die Anlagen im unteren und oben Abschnitt bereits den technischen Standards entsprechen.

Abwässer von rund 2,2 Millionen Menschen

Der Ruhr fließen über Kläranlagen täglich die Abwässer von rund 2,2 Millionen Menschen aus privaten Haushalten und gewerblichen Betrieben zu. Viele Stoffe können bei der herkömmlichen Reinigung des Abwassers nicht herausgefiltert werden. Der Expertenbericht weist zudem darauf hin, dass die derzeitigen bakteriologischen Überwachungsverfahren nicht geeignet seien, sichere Aussagen über Trinkwasserverunreinigungen mit Viren oder Parasiten zu treffen.


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