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Medienhaus Lensing
16.02.2012 15:47 Uhr
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Weiberfastnacht: Jecken lassen sich vom Schmuddelwetter nicht schrecken

NRW Plüschkostüme, Plastikcapes und Warmschunkeln: Gegen Schmuddelwetter kennen Karnevalsjecken ein paar wirksame Rezepte. An Weiberfastnacht übernahmen die Narren das Regiment in den Städten. Vor allem Frauen stürmten die Rathäuser.von RN/dpa

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Die Jecken beginnen heute den Straßenkarneval. Foto: Oliver Berg/Archiv (Foto: dpa)

Vom Schmuddelwetter lassen echte Jecken sich nicht abschrecken: Fröhlich und ausgelassen haben Zehntausende an Weiberfastnacht in den rheinischen Karnevalshochburgen den Beginn des Straßenkarnevals gefeiert. Getreu dem Namen Weiberfastnacht hatten am Donnerstag überwiegend die Frauen das Sagen. Vielerorts stürmten sie mit Scheren bewaffnet die Rathäuser und schnitten den Männern die Schlipse ab.

Attacke auf das Rathaus

In Düsseldorf versammelten sich die „Möhnen“ - die „alten“ Frauen - pünktlich um 11.11 Uhr zur Attacke auf das Rathaus. Gruppen aus Fliegenpilzen, Blumenwiesen und Froschköniginnen drängelten sich vor dem Eingang, als Venetia Anke symbolisch die Macht übernahm. In kleine Gruppen stürmten die Frauen durch die enge Türe des Rathauses.

Fotostrecke Karneval in NRW

Der „Wieverfastelovend“ - das ist in der Karnevalshochburg am Niederrhein „alles, einfach alles“, schwärmte eine Blumenfrau. „Das Fest der Frauen in Düsseldorf“ verpasst Christine aus Heiligenhaus nicht mehr seit ihre Kinder aus dem Haus sind, sie ist zum siebten Mal bei Sturm dabei. Auch einige Männer, als Zwerge und Clowns verkleidet, machten mit. „Wir müssen doch schon ein bisschen auf unsere Frauen aufpassen“, meinte ein Herr in Frack und Zylinder mit Pailletten.

Angriff der Waschweiber

In Bonn-Beuel griffen die Waschweiber an. Und in Köln führt von jetzt an das Dreigestirn das Regiment. Der Aachener Prinz Rainer I. hatte schon am Vorabend das Rathaus im Handstreich erobert. Bei einer Ratssitzung übernahm er die Macht über die alte Kaiserstadt und ließ sich dafür von seinem Volk auf dem Marktplatz feiern.

In vielen Hochburgen war den ganzen Tag über Bühnenprogramm im Freien. In Billerbeck etwa feierte Schlagerstar Jürgen Drews mit den Jecken. In Köln traten bekannte Musikgruppen wie die Höhner auf und sorgten für Stimmung unter den Zuschauern. Einige Gäste waren extra von weit her angereist. „Wir sind schon seit halb fünf unterwegs“, sagte zum Beispiel die als Biene verkleidete 29-jährige Yvonne, die mit ihren Freundinnen aus Baden-Württemberg gekommen war.

Hippies in der Werner Stadtsparkasse

Geschunkelt wird aber nicht nur im Rheinland. In Dortmund stürmten die Närrinnen schon um 10.11 Uhr das Rathaus. Erstes Opfer: der Schlipps von Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Zur Entschädigung für seinen Verlust legte das Stadtoberhaupt einen Schwof mit Prinzessin Stefanie I. aufs Parkett. Anschließend zogen die feierlustigen Weiber ins Polizeipräsidium. Obwohl Dortmund keine klassische Karnevalshochburg ist, dürfte in den Kneipen am alten Markt bis tief in die Nacht gefeiert werden.

Fotostrecke Weiberfastnacht: So wild hat die Region gefeiert

Einen schwarzen Tag erwischten Krawattenträger auch in Wattenscheid. Kaltblütig schnitten jecke Frauen dutzende Krawatten in zwei Teile und hinterließen auf ihrem Beutezug kurze Stummel bunten Stoffs: Am Donnerstagvormittag war das Wattenscheider Rathaus fest  in weiblicher Hand. Dafür sorgte Stadtprinzessin Petra I. Sie raubte beim Rathaussturm nicht nur Bezirksbürgermeister Klaus Blabach den größten Teil seiner Krawatte, auch den Schlüssel zum Rathaus nahm sie ihm triumphierend ab. Danach wurde geschunkelt was das Zeug hält: Babys mit Piraten, Madam Pampadour mit einer Horde Sträflinge und Indianer mit Bayern in Lederhose und Dirndl. Auch das Bochumer Dreigestirn gab sich die Ehre. „Heute wollen wir selber einfach nur mal feiern“, sagte die Jungfrau Dominika (Dominik Schneider) und freute sich zu Weiberfastnacht nicht nur seine Krawatte, sondern auch den viele Kilo schweren Ornat im Kleiderschrank hängen lassen zu dürfen.

In Werne feierten die Kinder des Kindergartens "St. Josef Auf der Nath" auf dem Marktplatz unter dem Motto "Cowboy und Indianer". Mit dabei sind auch das Stadtprinzenpaar Michael II. und Andrea II. sowie das Kinderprinzenpaar Peter I. und Saskia I. In der Stadtsparkasse haben sich die Mitarbeiter als Hippies verkleidet und erklären die "Bunte Welt der Finanzen".

Besetze Amtshäuser auch in Selm und Olfen

In Lünen haben die "Närrischen Weiber aus Nordlünen" von der Karnevalsgesellschaft "Ohne us geiht nich" das Regiment für die Narren im Rathaus übernommen. Sangesfreudig stürmten sie die 10. Etage, wos ie vom städtischen Beigeordneten Horst Müller-Baß empfangen wurden.

Die wilden Weiber waren auch in Selm los. Pünktlich um 11.11 Uhr enterten sie das Amtshaus. Bürgermeister Mario Löhr war der Erste, der seine Krawatte lassen musste. Prinzessin Tanja und Mariechen Lena setzten gekonnt die Schere an und schnapp war das gute Stück weg. Der Bürgermeister nahm es mit Humor.

In vollem Gange ist die Weiberfastnacht auch in Olfen. Hart arbeitende Männer in Amtsstuben, Büros und Schalterhalten auf der einen Seite. Singende, trinkende schunkelnde Frauen auf der anderen. An diesem Tag hielt das weibliche Geschlecht das Zepter in der Hand.
Laut Wetterprognose sollten die Feiernden regenfeste Kostüme anziehen.

Beim Thema „Alkohol“ haben einige Städte gewisse Einschränkungen vorgenommen: In Teilen der Innenstädte von Köln und Düsseldorf gilt zu Karneval ein Glasverbot, um die Verletzungsgefahr durch Scherben zu mindern. Die Polizei hat landesweit verstärkte Alkoholkontrollen angekündigt.


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