Widerstand wächst
Gasbohrungen in NRW
Geplante Erdgas-Bohrungen der Energiekonzerne sorgen für Konflikte. mehr...
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AHAUS Nachtwachen, Sitzblockaden, Demonstrationen: Im Frühjahr 2005 sorgte der Transport von 18 Castor-Behältern aus dem sächsischen Rossendorf ins Zwischenlager Ahaus an der holländischen Grenze für Furore. Nun stellt sich heraus: Für den Atom-Treck quer durch Deutschland gab es keine Notwendigkeit.
Mai 2005: Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot rollt der Atomtransport von Sachsen nach Ahaus. (Foto: dpa)
Denn das zu 40 Prozent angereicherte Uran aus Rossendorf hätte damals schon an seinen Herkunftsort Russland zurückgeschickt werden können. Hintergrund: Moskau hat sich international verpflichtet, Brennstäbe, die die ehemalige Sowjetunion ihren Satellitenstaaten zur Verfügung gestellt hat, zurückzunehmen.
Das Abkommen soll sicherstellen, dass Atommaterial nicht in die Hände von Terroristen fällt. So holte Russland etwa 2002 Brennstäbe aus Serbien, 2003 aus Rumänien zurück. 2005 aber ging die strahlende Fracht aus dem ehemaligen DDR-Forschungsreaktor nicht in eine russische Wiederaufbereitungsanlage. Sondern nach Ahaus. Erst jetzt, bis Ende 2012, geht die brisante Ladung zurück an Moskau.
Das sächsische Wissenschaftsministerium räumte am Montag ein, die Rückführ-Regelung 2005 schlicht nicht gekannt zu haben. Mittlerweile kennt man sie wohl besser: Nun heißt es sogar, Sachsen sei „verpflichtet“, die Brennstäbe zurückzuschicken – und die Kosten zu übernehmen. Die Frage ist, ob das Land nicht schon 2005 dieselbe Pflicht gehabt hätte.
Bundesamt fühlt sich nicht verantwortlich
Das Bundesamt für Strahlenschutz, das für die Genehmigung von Atomtransporten zuständig ist, ist sich keines Fehlers bewusst. Sprecher Florian Emrich sagte: „Wenn die atomrechtlichen Voraussetzungen für den Transport erfüllt sind, müssen wir ihn genehmigen.“ Ob ein Transport unsinnig sei, könne sein Amt nicht entscheiden. Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium als Aufsichtsbehörde des Zwischenlagers verwies auf das Bundesumweltministerium. Dort sah man sich gestern zu keiner Stellungnahme in der Lage.
Kernkraftgegner: Atompolitik ein "Fehlschlag"
Kummer mit Behörden ist man in Ahaus gewohnt. Dass die Rossendorfer Brennstäbe eigentlich gar nicht hierher gehören, ist für Felix Ruwe, Sprecher der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“, nur ein weiterer Beleg dafür, dass „die gesamte Atompolitik der letzten 40 Jahre ein Fehlschlag“ sei.
Die Initiative ist dagegen, die Brennelemente wieder nach Russland zu schicken: „Transport ist eine größere Gefahr für die Bevölkerung als Lagerung“, sagt Ruwe, „wir haben erstmal eine nationale Verantwortung.“ Für die Anwohner des Zwischenlagers würde es ohnehin kaum einen Unterschied machen: Bald sollen Behälter mit ähnlich stark strahlendem Material aus München-Garching nach Ahaus kommen. Die kann man nirgendwohin zurückschicken. Die bleiben.
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