Widerstand wächst
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NRW Plüschkostüme, Plastikcapes und Warmschunkeln: Gegen Schmuddelwetter kennen Karnevalsjecken ein paar wirksame Rezepte. An Weiberfastnacht übernahmen die Narren das Regiment in den Städten. Vor allem Frauen stürmten die Rathäuser.
Die Jecken beginnen heute den Straßenkarneval. Foto: Oliver Berg/Archiv (Foto: dpa)
Vom Schmuddelwetter lassen echte Jecken sich nicht abschrecken: Fröhlich und ausgelassen haben Zehntausende an Weiberfastnacht in den rheinischen Karnevalshochburgen den Beginn des Straßenkarnevals gefeiert. Getreu dem Namen Weiberfastnacht hatten am Donnerstag überwiegend die Frauen das Sagen. Vielerorts stürmten sie mit Scheren bewaffnet die Rathäuser und schnitten den Männern die Schlipse ab.
In Billerbeck etwa feierte Schlagerstar Jürgen Drews mit den Jecken. In Köln traten bekannte Musikgruppen wie die Höhner auf und sorgten für Stimmung unter den Zuschauern. Einige Gäste waren extra von weit her angereist. „Wir sind schon seit halb fünf unterwegs“, sagte zum Beispiel die als Biene verkleidete 29-jährige Yvonne, die mit ihren Freundinnen aus Baden-Württemberg gekommen war.Sketche und Büttreden in Horstmar
In Steinfurt musste sich Bürgermeister Andreas Hoge im Rathaus der eingefallenen Frauen-Übermacht stellen – und geschlagen geben. Die Weiber wollten ihm an den Kragen und ließen sich erst mit einem üppigen Frühstück beschwichtigen, als sie ein großes Stück der Krawatte des ersten Bürgers als Trophäe in den Händen hielten.
In dem münsterländischen Dorf Horstmar-Leer eröffnete Hildegard Höseler am Morgen die Weiberfastnacht der KFD. Es gab Berliner und Brezel, dazu Kaffee, auch koffeinfrei, zwischendurch einen Roten zum anheizen, Sketche und Büttreden. Die 50 anwesenden Frauen verbrachten einen närrisch-heiteren Vormittag und erfuhren unter anderem etwas darüber, wie die Kirche in 50 Jahren ihre Schäfchen betreut. Church by Call hieß ein Sketch des KFD-Teams, der vom Sakramenten-Service am Telefon und Beichte gegen Kreditkarte berichtete.
Im historischen Burgmannshof Horstmar startete die Weiberfachtnacht der Burgmannsstadt. Rund 250 Frauen verfolgten Büttreden, Gesang und närrische Vorführungen. Dazwischen auch Horstmars neuer Pfarrdechant Johannes Büll – er wurde erst am Sonntag eingeführt.
Schlüsselübergabe in Münster erst am Sonntag
Auch in Neuenkirchen eroberten die Weiber das Rathaus. Als Hippies verkleidet stürmten sie mit lautem Gesang das Büro des Bürgermeisters Franz Möllering und schnitten ihm die Krawatte ab. „Wir sind alles andere als brav!“, riefen sie. Danach ging die Party in einem Raum im Rathaus weiter.
In Wettringen startet die große Weiberfastnacht-Party um 18 Uhr in der Bürgerhalle. Mit vielen anderen Tanzgarden heizen die Danzmamsells aus Wettringen den Frauen ein. Auch die Männertanzgruppe Bängelz will die Weiber richtig zum Toben bringen.
In Werne feiern die Kinder des Kindergartens "St. Josef Auf der Nath" auf dem Marktplatz unter dem Motto "Cowboy und Indianer". Mit dabei sind auch das Stadtprinzenpaar Michael II. und Andrea II. sowie das Kinderprinzenpaar Peter I. und Saskia I. In der Stadtsparkasse haben sich die Mitarbeiter als Hippies verkleidet und erklären die "Bunte Welt der Finanzen".
Der münstersche Prinz Karneval, Marcus I., muss sich dagegen noch etwas gedulden, bis er symbolisch die Macht in der Stadt übernimmt. Während die Narren in anderen Städten munter die Rathäuser stürmen, gibt es in Münster erst am Sonntag um 11.11 Uhr die Schlüsselübergabe am Rathaus. Trotzdem ist Weiberfastnacht für den Prinzen, seine Garde und die Karnevalistische Stadtwache ein langer Jeckentag: Am Mittag hielt er einen Empfang in der Sparkasse, nachmittags will er das 1. Deutsch-Niederländische Korps stürmen, bevor er dann mit seiner Truppe zu diversen Altweiberfeiern in den Kneipen ausschwärmt.
Attacke auf das Rathaus
Besonders gefeiert wurde im Rheinland: In Düsseldorf versammelten sich die „Möhnen“ - die „alten“ Frauen - pünktlich um 11.11 Uhr zur Attacke auf das Rathaus. Gruppen aus Fliegenpilzen, Blumenwiesen und Froschköniginnen drängelten sich vor dem Eingang, als Venetia Anke symbolisch die Macht übernahm. In kleine Gruppen stürmten die Frauen durch die enge Türe des Rathauses.
Der „Wieverfastelovend“ - das ist in der Karnevalshochburg am Niederrhein „alles, einfach alles“, schwärmte eine Blumenfrau. „Das Fest der Frauen in Düsseldorf“ verpasst Christine aus Heiligenhaus nicht mehr seit ihre Kinder aus dem Haus sind, sie ist zum siebten Mal bei Sturm dabei. Auch einige Männer, als Zwerge und Clowns verkleidet, machten mit. „Wir müssen doch schon ein bisschen auf unsere Frauen aufpassen“, meinte ein Herr in Frack und Zylinder mit Pailletten.
In Bonn-Beuel griffen die Waschweiber an. Und in Köln führt von jetzt an das Dreigestirn das Regiment. Der Aachener Prinz Rainer I. hatte schon am Vorabend das Rathaus im Handstreich erobert. Bei einer Ratssitzung übernahm er die Macht über die alte Kaiserstadt und ließ sich dafür von seinem Volk auf dem Marktplatz feiern. In vielen Hochburgen war den ganzen Tag über Bühnenprogramm im Freien.
Laut Wetterprognose sollten die Feiernden allerdings regenfeste Kostüme anziehen.
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