Bahnstrecke Münster-Lünen: Politiker fordern "Ja" zum zweiten Gleis

MÜNSTER Unter den Politikern im Münsterland wächst der Unmut über das Hickhack, das sich Bund und Land wegen des Ausbaus der Bahnstrecke Münster-Lünen liefern. Parteiübergreifend fordern sie klare Beschlüsse und Mittelzusagen. Ansonsten fürchten sie, dass die ganze Region wirtschaftlichen Schaden nehmen könnte.

  • Der lang ersehnte zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Münster-Lünen steht erneut auf der Kippe, weil der Bund das Kosten-Nutzen-Verhältnis neu berechnen will.

    Der lang ersehnte zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Münster-Lünen steht erneut auf der Kippe, weil der Bund das Kosten-Nutzen-Verhältnis neu berechnen will. Foto Sylvia Lüttich-Gür (A)

Diese einhellige Botschaft sandte der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM) am Montagabend nach Düsseldorf und Berlin. Zwischen den dortigen Verkehrsministerien knatscht es derzeit mächtig: Wie berichtet, steht der lang ersehnte zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke erneut auf der Kippe, weil der Bund das Kosten-Nutzen-Verhältnis neu berechnen will.

"Wir sind es leid"
 
„Wir vor Ort sind es leid“, schimpfte Gottfried Suntrup (CDU/Kreis Coesfeld) in der Verbandsversammlung, dem höchsten Gremium des ZVM. „Das zweite Gleis muss kommen.“ Die neue Bewertung, die Minister Peter Ramsauer für den Bundesverkehrswegeplan 2015 anstellen will, nannte Suntrup „unheimlich technokratisch“. Niemand in Berlin kalkuliere ein, dass das Münsterland den Ausbau aus strukturpolitischen Gründen brauche – schon weil über die Strecke der neue Rhein-Ruhr-Express (RRX) bis nach Münster rollen soll.

Die Landesregierung gibt sich zurückhalten
 
Die Landesregierung, die die Politiker der Region bisher an ihrer Seite wähnten, gibt sich inzwischen offenbar ebenfalls zurückhaltend. Beim jüngsten Treffen Anfang März hätten Mitarbeiter von NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) klar gemacht, dass auch sie bis 2015 auf die Bewertung des Bundes warten wollten, so ZVM-Geschäftsführer Michael Geuckler: „Man will nicht in Planungen investieren, die dann keine Chance auf Umsetzung haben.“
 
„Es kann nicht sein, dass sich das Land so vom Acker macht“, kritisierte Gerhard Joksch (Grüne/Münster). Er forderte, dass die Nahverkehrsverbände in NRW ein deutliches Signal für einen schnellen Bau des zweiten Gleises geben – wenn nötig auch mit einem Griff in die eigenen Kassen.

Polenz: Bund will Nadelöhr beseitigen
 
Unterdessen hat Münsters Bundestagsabgeordneter Ruprecht Polenz (CDU) bekräftigt, dass der Bund das Nadelöhr zwischen Münster und Lünen schnellstmöglich beseitigen wolle. Das habe Ramsauers Staatssekretär Enak Ferlemann in einem Gespräch mit CDU-Parlamentariern aus dem Münsterland bestätigt.

Groscheks unlängst geäußerten Vorwurf, Berlin habe den wirtschaftlichen Nutzen der Strecke bereits 2010 falsch berechnet, wies Ferlemann demnach zurück. Den Düsseldorfer Vorschlag, die Neubewertung des Ausbaus vorzuziehen, nannte er aber „nicht praktikabel“.  
Autor
Jörg Gierse
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    12. März 2013, 18:45 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 13:15 Uhr
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