Blitz-Marathon: Polizei beendet 24-Stunden-Kontrollen

NRW Beim vierten Blitz-Marathon in Nordrhein-Westfalen sind trotz der angekündigten Tempokontrollen massive Verstöße festgestellt worden. In Hattingen schoss ein 41-jähriger Motorradfahrer mit 120 statt der erlaubten 20 Stundenkilometer deutlich über das Ziel hinaus.

« »
1 von 2
  • Polizeihauptkommissar Ralf Hoffmann (l) und Polizeioberkommissar Timm Kehrbaum messen am Dienstag die Geschwindigkeit von Fahrzeugen.

    Polizeihauptkommissar Ralf Hoffmann (l) und Polizeioberkommissar Timm Kehrbaum messen am Dienstag die Geschwindigkeit von Fahrzeugen. Foto: dpa

  • Trotz Ankündigungen sind der Polizei viele Raser ins Netz gegangen - mit teils drastischen Geschwindigkeits-Überschreitungen.

    Trotz Ankündigungen sind der Polizei viele Raser ins Netz gegangen - mit teils drastischen Geschwindigkeits-Überschreitungen. Foto: dpa

Sechsmal schneller als erlaubt - und so schnell, dass ein Polizist auf einem Videomotorrad die Verfolgung abbrach, berichtete das NRW-Innenministerium am Dienstag. Der Fahrer sei dennoch ermittelt worden. Er muss sich auf eine hohe Strafe gefasst machen.

In Gelsenkirchen überschritten gleich drei Autofahrer in einer 50er-Zone die erlaubte Geschwindigkeit um mehr als das Doppelte. Sie rasten mit Tempo 101, 103 und 105 durch die Lichtsensoren. Ihnen drohe ein dreimonatiges Fahrverbot, vier Punkte in Flensburg und mindestens 480 Euro Geldbuße.

Kuriositäten in Lünen

Hin und wieder mussten die Beamten aber auch schmunzeln. Dass ihnen ausgerechnet am Tag des Blitz-Marathons eine Frau aus Lünen an derselben Stelle gleich zweimal mit der nahezu exakt gleichen Geschwindigkeit ins Netz ging, hätten die Polizisten nicht erwartet. Die Dame war zweimal über dem erlaubten Tempolimit. Und damit gab es auch gleich zweimal das nahezu exakt gleiche Bußgeld.
    
Ein Mann in Lünen entschuldigte sich bei der Polizei, nachdem diese ihn wegen zu schnellen Fahrens angehalten hatte. Er habe für einen Moment nicht auf den Tacho geschaut. Der Grund: Er hielt nach der in dieser Zeitung veröffentlichten Kontrollstelle Ausschau. Er schaute nach links und rechts – vergeblich. Erst der zuckende Blitz gab ihm den genauen Standort der Beamten preis. Dass Vorbereitung nicht immer alles ist, lernte ein weiterer Mann in Lünen. Der Fahrer hatte einen Aufkleber mit der dicken Aufschrift „Vorsicht Blitzmarathon“ auf dem Lenkrad kleben. Genutzt hat ihm dieser nichts.

Polizei vielerorts zufrieden

Die Autofahrer seien „insgesamt auffallend diszipliniert“, sagt die Polizei im Kreis Steinfurt. Geschwindigkeits-Übertretungen im Anzeigenbereich (also ab 21 km/h) seien „deutlich in der Minderheit“ gegenüber den Überschreitungen im Bußgeldbereich. „Die Tendenz geht dahin, dass es weniger Verstöße gibt als beim letzten Blitz-Marathon. Der Strich wird allerdings erst am Schluss drunter gezogen. Wir haben ja noch einige Stunden vor uns“, sagt Reiner Schöttler von der Kreispolizeibehörde Steinfurt am Nachmittag. Etwa drei Prozent der Fahrer seien im Stadtgebiet Münster zu schnell unterwegs gewesen, gibt die Pressestelle der Polizei nach Abschluss der Kontrollen am Mittwochmorgen bekannt. Beim ersten Blitz-Marathon waren es noch etwa sechs Prozent.
 
Besonderheiten gab es in Ibbenbüren und Hörstel, wo zwei Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit fuhren – ohne allerdings überhaupt im Besitz einer Fahrerlaubnis zu sein. Natürlich war die Fahrt für die beiden sofort beendet. Im Kreis Recklinghausen hatte die Polizei bis Dienstagnachmittag mehr als  2300 Fahrzeuge kontrolliert. Das Ergebnis nach 24-Stunden-Blitzen: 411 Geschwindigkeitsverstöße. Spitzenreiter waren zwei Autofahrer: In Recklinghausen erwischten die Beamten einen Fahrer mit 88 km/h in einer Tempo-50-Zone, in Bottrop einen weiteren mit 60 km/h in einer Tempo-30-Zone. Ein Fahrer verlor zudem seinen Führerschein - wegen Drogen im Straßenverkehr.

Hundertschaft kontrolliert Radfahrer

In Emsdetten wie auch in Werne waren Einsatzkräfte einer Hundertschaft aus Bochum unterwegs. Als Verstärkung für die Blitzer-Teams kümmerten sie sich derweil um Radfahrer. In Emsdetten waren sie in der Fußgängerzone unterwegs, in Werne vor allem auf Schulwegen. „Dort achten die Kollegen auf Verkehrssicherheit, zum Beispiel Reflektoren oder Schutzbleche.“ Verwarnungen würden gerade bei Kindern eher nicht so schnell ausgesprochen. „Aber es wird schon deutlich gemacht, dass zum Beispiel BMX-Räder nicht auf die Straße gehören", so ein Sprecher der Polizei in Werne. Die Strafen sind im Verhältnis zu denen für Autofahrer gering: 15 Euro zahlt man für das Befahren der Fußgängerzone, 10 Euro muss der abdrücken, der Kopfhörer trägt. Freihändiges Radfahren wird mit einer 5-Euro-Strafe geahndet.

Erstmals wurden bei einem Blitz-Marathon auch Radfahrer in den Blick genommen. Anlass ist die gestiegene Zahl tödlich verunglückter Radfahrer. Im vergangenen Jahr starben 17 Prozent Radfahrer mehr, insgesamt waren es 81. Die Polizei wollte sowohl rücksichtloses Verhalten von Autofahrern gegenüber Radlern, als auch Verstöße von Radfahrern selbst ahnden.

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 


Das Innenministerium verteidigte die Großaktion gegen Kritik. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hatte die Nachhaltigkeit der personalintensiven Aktion angezweifelt, die am Dienstag bis Mittwochmorgen von 3500 Polizisten bewältigt werden sollte. Die Autofahrer würden nur an diesem Tag vorsichtiger fahren, so der VCD. „Wir kontrollieren auch an den restlichen Tagen des Jahres stärker als früher“, entgegnete ein Ministeriumssprecher.

So sei die Zahl der von der Polizei festgestellten Tempoverstöße in NRW im vergangenen Jahr auf 1,66 Millionen deutlich gestiegen. Außerdem sei die Zahl der Verkehrstoten weiter zurückgegangen. Nach dem Rückgang im vergangenen Jahr sei in den ersten vier Monaten dieses Jahres ein weiterer Rückgang um 22 Prozent zu verzeichnen. Dies seien 36 Todesopfer weniger als im Vorjahr.

Kritik der Opposition

Die Landtagsopposition ließ dennoch kein gutes Haar an der Aktion: „Es ist absurd, dass der Innenminister für seine PR-Zwecke 3500 Polizisten als Statisten missbraucht“, warf ihm der innenpolitische Sprecher der FDP, Robert Orth, vor. Der Kräfteeinsatz des Ministers sei unverantwortlich: „Die klassische Polizeiarbeit leidet unter seiner Selbstinszenierung.“

Die Polizisten sollten im Verlauf der 24-stündigen Kontrollen an 3000 Messstellen eingesetzt werden. 530 der Messstellen seien von Bürgern vorgeschlagen worden. Beim dritten Blitz-Marathon im Oktober 2012 waren rund 700.000 Verkehrsteilnehmer kontrolliert worden. 24 000 von ihnen waren zu schnell unterwegs - das waren rund drei Prozent. Bei „normalen“ Kontrollen liegt die Quote laut Ministerium bei acht Prozent.
 
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Benutzername
Passwort
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.

gewünschter Benutzername

gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden

Ich habe die AGB gelesen und stimme diesen zu.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme dieser zu.

Sicherheitsfrage
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 25 - 3?   
Autor
red/dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    5. Juni 2013, 07:11 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 12:36 Uhr