Feiertagsruhe an Karfreitag: Präses Schneider kritisiert tanzende "Banausen"

NRW Die Evangelische Kirche fordert die strikte Einhaltung der Feiertagsruhe zu Ostern und verteidigt das Tanzverbot an Karfreitag gegen Kritik. "Die gegebene Rechtslage sollte respektiert werden. Und es ist Aufgabe des Staates, dass dies auch geschieht“, erklärte Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland.

  • Präses Nikolaus Schneider hat kein Verständnis für Flashmobs an Karfreitag.

    Präses Nikolaus Schneider hat kein Verständnis für Flashmobs an Karfreitag. Foto: dpa

Schneider mahnte im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion allerdings zu Augenmaß bei der Durchsetzung des Tanzverbots. „Wenn Banausen sich austoben wollen, wird man sie nur begrenzt daran hindern können“, so der frühere Präses der Evangelische Kirche im Rheinland. "Große Polizeieinsätze gegen junge Menschen, die sich quasi als Flashmob zusammenfinden und am Karfreitag tanzen, kann und will ich mir nicht vorstellen. Da muss man die Kirche im Dorf lassen und deutlich machen: Wer sich so verhält, fügt der gewachsenen Kultur des Landes Schaden zu.“

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Eine Gesellschaft müsse dazu fähig sein, die Stille an Karfreitag zu respektieren: "Wo alles immer möglich ist, werden Kultur und Zusammenhalt am Ende erodieren.“ Schneider kritisierte die angekündigten Protestaktionen gegen das Karfreitags-Tanzverbot, zum Beispiel der Piratenpartei in Hessen: "Bei all den Problemen dieser Welt würde ich mir andere Protestbewegungen wünschen als gegen die Stille an Karfreitag. Wer meint, seine individuellen Bedürfnisse immer und zu jeder Zeit durchsetzen zu können, ist ein rücksichtsloser Egoist und tritt die Bedürfnisse anderer mit Füßen.“

Ein Grund für die mahnenden Worte: Im vergangenen Jahr hatten tanzende Demonstranten vor dem Kölner Dom, aber auch in anderen deutschen Großstädten das Verbot umgangen.

Piraten gegen Verbote

Zu den schärfsten Kritikern des gesetzlichen Tanzverbots gehören auch Mitglieder der Piratenpartei in Hessen. In NRW klingt das versöhnlicher. "Ein Tanzverbot ist zwar nicht die richtige Lösung“, sagt Ingo Schneider, Sprecher der Piraten-Fraktion im Düsseldorfer Landtag. "Aber Menschen die tanzen wollen, sollten es so tun, dass sie diejenigen nicht stören, die Stille wollen.“ Die Piraten-Fraktion in NRW jedenfalls werde sich nicht an öffentlichen Tanz-Demos beteiligen.

"Nicht mehr zeitgemäß"
 
Auch beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht man das Feiertagsverbot nicht mehr so eng. "Ich glaube zwar, dass das Verbot nicht mehr zeitgemäß ist“, sagt Claus Altendorf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Dehoga Westfalen. Sicherlich könne man darüber streiten, "aber einen Tag muss es auch mal Ruhe geben – man muss ja nicht jeden Tag im Jahr Geld verdienen“, sagt Altendorf. Er selbst habe in 32 Jahren Dehoga erst einmal miterlebt, dass es an einem Karfreitag wirklich Ärger gegeben habe. "Da hatte ein Wirt vergessen, auf der Toilette die Musik auszuschalten und ein Bußgeld vom Ordnungsamt aufgebrummt bekommen“, erzählt Altendorf. "Die Leute haben sich einfach an die Regelung am Karfreitag gewöhnt.“ 

Der Karfreitag gilt als stiller Feiertag. Daher gelten nach den Feiertagsgesetzen der Länder besondere Einschränkungen für öffentliche Veranstaltungen und Diskotheken. Aus der Linkspartei, der FDP und der Piratenpartei kommt immer wieder die Forderung nach Abschaffung des Tanzverbots. Schon bevor der Karfreitag ein bundeseinheitlicher Feiertag wurde, sollten an diesem Tag laute Geräusche unbedingt vermieden werden, erklären Volkskundler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster. Vor allem Werkzeuge sollten nicht zu hören sein. Man habe sonst geglaubt, dass man half, Jesus Christus ans Kreuz zu nageln. 
 
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Autor
Rasmus Buchsteiner und Christoph Klemp
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    26. März 2013, 18:08 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 12:38 Uhr