„Ja“ ohne staatlichen Segen - Eheschließung ohne Standesamt

BERLIN/TELGTE Kirchliche Trauungen sind ab 2009 ohne Gang zum Standesamt möglich. Das neue Personenstandgesetz sieht vor, dass das Ja-Wort vorm Altar ohne staatlichen Trauschein keine Ordnungswidrigkeit mehr darstellt. Zu spät für Karl Wilhelm Bornemann und Marianne Tennie - sie haben vor 12 Jahren vor einem österreichischem Altar geheiratet.

  • Haben sich vor einem österreichischen Traualtar das Ja-Wort gegeben: Karl Wilhelm Bornemann und Marianne Tennie.

    Haben sich vor einem österreichischen Traualtar das Ja-Wort gegeben: Karl Wilhelm Bornemann und Marianne Tennie. Foto: Heil

Ihre Hochzeit ist ein Musterbeispiel für die Hochzeiten von Hinterbliebenen, die bislang befürchten müssen, einen Teil der Witwenrente einzubüßen. Daher lassen sich derzeit solche Paare nur kirchlich im Ausland, vor allem Österreich, trauen. Für eine derartige Eheschließung lagen dem Bistum Münster im Jahr 2006 20 Anträge vor, im Bistum Paderborn kommen bis zu sechs solcher Fälle pro Jahr zur Sprache. Der Paderborner Bistums-Sprecher Ägidius Engel geht aber davon aus, dass die Zahl der rein kirchlichen Eheschließungen von Witwern steigen wird, wenn diese auch in Deutschland möglich sind.

Rente weg bei Heirat?

„Hätten wir standesamtlich geheiratet, wäre die Rente meiner Frau weggewesen.“ Dennoch war für Karl Wilhelm Bornemann und Marianne Tennie ihre Eheschließung eine Herzensangelegenheit. Deshalb entschlossen sich die beiden gläubigen Katholiken aus Telgte in einer österreichischen Kirche zu heiraten– ohne den staatlichen Segen ihres Heimatlandes. Denn das erteilt auch bislang selbigen nur, wenn das Brautpaar vor der kirchlichen Trauung die zivilrechtliche geschlossen hat.

Ordnungswidrigkeit

Das wird sich ab 2009 ändern, wenn das neue Personenstandsrecht in Kraft tritt. Zumindest rein rechtlich. Denn die Novelle sieht laut Innenministerium „den Wegfall des bisher bestehenden Tatbestandes einer Ordnungswidrigkeit für die Vornahme einer kirchlichen Trauung vor der standesamtlichen Eheschließung“ vor. Rein praktisch wird die Neuregelung indes nur wenige Auswirkungen haben. Zum einen erhält eine kirchliche Trauung auch dann nicht die rechtliche Wirkung einer zivilen. Und zum anderen werden sich wohl auch künftig nur wenige Paare ausschließlich vor dem Altar das Ja-Wort geben können. Denn nicht allein das Innenministerium betonte gegenüber unserer Zeitung, dass „von staatlicher Seite weiterhin ein großes Interesse daran“ bestehe, „dass bürgerliche und kirchliche Ehe denselben Lebenssachverhalt, nämlich die auf Lebensdauer angelegte Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau“ meine. Auch die Kirchen signalisieren, wenig am Status quo ändern zu wollen: In den kirchlichen Lebensordnungen und Gesetzen sei festgelegt, dass die Zivilehe der kirchlichen Trauung vorauszugehen habe, betonte etwa der Stellvertreter des Bevollmächtigten der Evangelischen Kirche in Deutschland, David Gill. Ausnahmen bleiben wohl die Witwer.

Wallfahrtsort

Für das vor mehr als einem Jahrzehnt kirchlich getraute Paar Bornemann/Tennie hätte diese bald in Kraft tretende Regelung also zumindest bedeutet, dass es nicht in einem österreichischen Wallfahrtsort hätte heiraten müssen. So wie rund zwölf deutsche Paare, die sich laut Informationen der dortigen Diözese pro Jahr allein im Bistum Innsbruck trauen lassen.

Für sie kommt die Novelle zu spät. Vielleicht aber auch für künftige Paare. Denn aufgrund der geplanten Reform des Rentenrechts, so glaubt der Kirchenrechtler Prof. Dr. Klaus Lüdicke, werde wohl bald dieses „Musterbeispiel der Anwendung“, die Ehe von Hinterbliebenen, ohnehin wegfallen. 

Autor
Kerstin Heil
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    23. Juni 2008, 17:45 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 13:30 Uhr
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Benutzername
Passwort
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.

gewünschter Benutzername

gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

Abonummer

Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden

Ich habe die AGB gelesen und stimme diesen zu.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme dieser zu.

Sicherheitsfrage
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 17 x 2?