"Jolie-Effekt": Patienten-Anfragen zu Brustkrebs in NRW gestiegen

DÜSSELDORF Die vorsorgliche Brustamputation von US-Schauspielerin Angelina Jolie hat viele Frauen für das Thema erblicher Brustkrebs sensibilisiert. An den Unikliniken in Köln, Düsseldorf und Münster gibt es seitdem mehr Anfragen.

  • Die vorsorgliche Brustamputation von Angelina Jolie hat viele Frauen für das Thema erblicher Brustkrebs sensibilisiert. An den Unikliniken in Köln, Düsseldorf und Münster gibt es seitdem mehr Anfragen.

    Die vorsorgliche Brustamputation von Angelina Jolie hat viele Frauen für das Thema erblicher Brustkrebs sensibilisiert. An den Unikliniken in Köln, Düsseldorf und Münster gibt es seitdem mehr Anfragen. dpa

Seit Angelina Jolie ihre Brustentfernung öffentlich gemacht hat, sind die Anfragen besorgter Frauen in Kliniken und Beratungszentren in Nordrhein-Westfalen gestiegen. Viele Frauen wollen wissen, ob sie ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben und ob eine Brustentfernung für sie ratsam ist, wie die Unikliniken Köln, Düsseldorf und Münster sowie die Selbsthilfe-Organisation BRCA-Netzwerk auf dpa-Anfrage mitteilten. Es sei auch viel Beruhigungsarbeit zu leisten. 

Die Schauspielerin hatte Mitte Mai berichtet, dass sie aus Angst vor Krebs vorsorglich beide Brüste amputieren und rekonstruieren lassen hatte. Sie habe einen Gendefekt und sei deshalb anfällig für eine Erkrankung, schilderte die 37-Jährige. Ihre Mutter war 2007 mit 56 Jahren an Krebs gestorben. Auch ihre Tante starb kürzlich an Brustkrebs.

Patienten-Anfragen nach oben geschnellt

"Seitdem Angelina Jolie ihre vorsorgliche Brustentfernung öffentlich thematisiert hat, sind die dementsprechenden Patienten-Anfragen deutlich nach oben geschnellt", berichtet Christoph Wanko, Sprecher der Uniklinik Köln. "Wir haben seither pro Tag über 60 Anfragen zu genetischen Tests rund um familiär bedingten Brust- und Eierstockkrebs. Und diese Zahl bleibt seither konstant hoch." Zuvor seien durchschnittlich 20 Anfragen von Frauen gekommen, die sich für genetische Tests interessierten. 

"Es gibt definitiv einen Effekt", heißt es ebenso vom Brustzentrum der Frauenklinik am Düsseldorfer Universitätsklinikum. Auch dort werden seit Jahren Spezialsprechstunden zu familiärem Brust- und Eierstockkrebs - Tumorrisikosprechstunden - und zu plastisch-rekonstruktiven Verfahren angeboten. Vor allem in der Tumorrisikosprechstunde seien seit Bekanntwerden der OP von Jolie mindestens doppelt so viele Anfragen zu verzeichnen, sagt Karin Zwiefel, Koordinatorin des Brustzentrums. 

Einiges an "Beruhigungsarbeit"

Dabei entscheiden sich nach ihrer Einschätzung belastete Patientinnen mit hohem Risiko eher für eine Operation als vor Bekanntwerden des Falls Jolie. In dieser Hinsicht sei die Offenheit der Schauspielerin positiv zu bewerten. Allerdings fällt auch einiges an "Beruhigungsarbeit" an - bei Frauen, die gar nicht in diese Risikogruppe fallen oder ein geringeres erbliches Risiko haben, wie Zwiefel schildert. "Die Beruhigungsarbeit betrifft auch bereits an Brustkrebs erkrankte Patientinnen, nicht nur an familiärem Brustkrebs erkrankte Frauen." Es sei wichtig, die Kriterien für ein familiäres Risiko bekannter zu machen - und ratsam, sich bei Fragen an ein spezialisiertes Zentrum zu wenden. 
    


Auch an der Klinik für Frauenheilkunde der Uniklinik Münster hat es vermehrt Anfragen gegeben, vor allem in der Humangenetik. "Diese Anfragen waren jedoch bei uns nicht so hoch, dass man eine spezielle Sprechstunde einrichten musste", sagte die Ärztin Joke Tio von der Klinik.

Mehr Anfragen als zuvor

"Aktuell fühlen sich viele Familien nach Frau Jolie bestärkt, das tatsächliche Risiko einer Erblichkeit klären zu wollen", sagt auch Andrea Hahne, Vorsitzende des BRCA-Netzwerks - Hilfe bei familiärem Brust- und Eierstockkrebs. "Uns erreichen nach wie vor mehr Anfragen als zuvor." Konstant viele Frauen nutzten zudem die Infoseite des Selbsthilfevereins. Für die wenigsten Ratsuchenden sei die vorbeugende Brustdrüsenentfernung dabei ein Thema, erklärt Hahne. Es gehe den Frauen vielmehr um die Fragen, ob sie zu einer Risikofamilie gehören und ob die normale Krebsfrüherkennung ausreiche. Kompetente Beratung und medizinische Information seien enorm wichtig. "Ich gehe davon aus, dass viel Leid durch Wissen erspart werden kann."
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Autor
dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    9. Juni 2013, 12:55 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 12:36 Uhr