Lärm vor Kneipen: Rauchverbot: Krach um die Kippe vor der Tür

NW Seit der Einführung des strikten Nichtraucherschutzgesetzes in Nordrhein-Westfalen vor knapp zwei Monaten hat sich die Zahl der Anwohnerbeschwerden über nächtlichen Lärm vor Kneipen und Clubs vielerorts erhöht. Wir haben uns in der Region umgehört.

  • Drinnen verboten, draußen störts - wo noch Rauchen?

    Drinnen verboten, draußen störts - wo noch Rauchen? dpa

Lautes Gelächter mitten in der Nacht, Stimmengewirr direkt unter dem Fenster: Anwohner von Innenstädten und Kneipenvierteln brauchen starke Nerven. Das seit dem 1. Mai geltende Nichtraucherschutzgesetz treibt die Raucher in NRW vor die Bars und Clubs und lässt dort den Lärmpegel steigen.

Viele Kneipen haben massive Probleme mit Anwohnerbeschwerden“, sagt Michel Reick, Inhaber des „Rock Café“ in Münster. Er selbst hat seine Kneipe bislang allen Phasen des Nichtraucherschutzes angepasst: Erst erklärte er das „Rock Café“ zum Raucherclub. 
    

Als das nur noch für Kneipen mit maximal 75 Quadratmetern Fläche erlaubt war, verkleinerte er seinen Laden. Jetzt hat Reick eine Kassettenmarkise bestellt. Die soll die Raucher vor dem „Rock Café“ vor Regen schützen und lärmdämmend wirken. Kosten: etwa 3500 Euro. Noch wartet Reick auf die Baugenehmigung. „Ich hoffe, das geht schnell.“

Omid Ghorbanazar, Wirt der Fußballkneipe „Ratsschänke“ in Dortmund, darf mit Zustimmung der Anwohner den Hinterhof seiner Kneipe als „Raucherecke“ nutzen. Bis eine Markise geliefert wird, hat er einen Pavillon aufgestellt. Den Umsatzeinbruch seit Inkrafttreten des strikten Nichtraucherschutzgesetzes schätzt Ghorbanazar auf 50 Prozent.

Hoher Personalbedarf

Christoph Wemmer, Geschäftsführer des „Sachs“ in Bochum, ärgert sich unterdessen über einen höheren Personalbedarf. Weil ein Gastronom verantwortlich ist für das Verhalten seiner Gäste – auch vor seinem Betrieb – müsse „die Masse an Leuten“ beaufsichtigt werden.

Carmen Preston, Wirtin des „Kreuzeck“ in Münster, hat aus Sorge vor Lärmbeschwerden die Fenster ihrer Kneipe mit Schildern beklebt. „Darauf fordere ich alle auf, sich nach 22 Uhr ruhig zu verhalten“, erklärt sie. Bisher habe das ganz gut geklappt. Allerdings sei der Mai auch kühl und nass gewesen. „Da sind die Leute meist früh gegangen.“ Wie sich der Lärmpegel entwickle, wenn das Wetter mal länger schön bleibe, sei schwer zu sagen.

Zeitprotokoll erstellen

Thorsten Hellwig, Sprecher des Gaststättenverbands Dehoga, ist überzeugt: „Das Problem wird sich verschärfen.“
Damit rechnet auch Martin Schulze-Werner, Ordnungsamtsleiter in Münster. Wirte ohne Außengastronomie stellten immer öfter Anträge für das Aufstellen von Mini-Stehtischen für Aschenbecher im Außenbereich, sagt er.

Genervten Anwohnern rät Thomas Sprenger, Sprecher der Stadt Bochum, ein Zeitprotokoll zu erstellen und sich damit ans Ordnungsamt zu wenden – falls Gespräche mit Wirt und Vermieter kein Ergebnis bringen. Kommt es zu einem Verfahren, müssen Gastronomen schlimmstenfalls mit Konzessionsentzug rechnen. Dies sei aber das letzte Mittel, die „Ultima Ratio“, betont Hans-Joachim Skupsch vom Presseamt der Stadt Dortmund. In der Regel wird maximal ein Bußgeld verhängt.

Lage in Bayern entspannt

Siegfried Ermer, Bundesvorstand des Nichtraucherbündnisses Pro Rauchfrei, will den Wirten Mut machen. In seiner Heimat Bayern, deren Nichtraucherschutz gemeinsam mit dem in NRW zu den strengsten Deutschlands gehört, habe es anfangs auch Probleme mit Lärmbelästigung gegeben – inzwischen jedoch habe sich die Lage deutlich entspannt.

„Das Nichtraucherschutzgesetz gilt seit drei Jahren. Und es zeigt sich: Die Raucher gehen immer seltener vor die Tür.“ Das hätten Wirte bestätigt. Außerdem sagt er – bei allem Verständnis für genervte Anwohner: „Wer sich für eine Wohnung in bevorzugter Innenstadtlage entschieden hat, hat bewusst in Kauf genommen, dass ein gewisser Lärmpegel durch Gastronomie herrscht.“ 
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Benutzername
Passwort
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.

gewünschter Benutzername

gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden

Ich habe die AGB gelesen und stimme diesen zu.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme dieser zu.

Sicherheitsfrage
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 50 - 8?   
Autor
Alexandra Heimken/Lisa Seiler
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    21. Juni 2013, 19:22 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 12:36 Uhr