Landwirtin aus Gescher verkauft Rind- und Schweinefleisch übers Internetauktions-Haus

GESCHER Während früher die Bauernmärkte der Region Umschlagplatz für das Fleisch von Schweinen und Rindern waren, verlagert sich der Verkauf zunehmend dorthin, wo man es vielleicht nicht direkt vermuten würde: Ins Internet.

  • Die Schweine auf dem Hof in Gescher leben in geräumigen Ställen, die mit Stroh ausgelegt sind.

    Die Schweine auf dem Hof in Gescher leben in geräumigen Ställen, die mit Stroh ausgelegt sind. Foto Beckmann

Drei… zwei… eins… meins! Und die Sau wird geschlachtet. Im Internetauktionshaus Ebay suchen die Kunden längst nicht mehr nur nach günstigen Kinderklamotten, Kameras und Handys. Der Online-Handel mit Lebensmitteln wächst. Landwirtin Anke Baumert-Büning aus Gescher verkauft das Fleisch ihrer Schwäbisch-Hällischen Landschweine und Schottischen Hochlandrinder nicht mehr auf dem Bauernmarkt, sondern bei Ebay, Yatego und Hood. Sie ist eine Pionierin auf diesem Gebiet. Derzeit können Kunden ein Kilo Bauchscheibe für 5,99 Euro, 1,5 Kilo Braten für 12,80 Euro, ein Kilo Filet für 14,90 Euro „sofort kaufen“. Ein Kilo Fleisch für einen Euro anbieten? Und hoffen, dass der Preis steigt? „Das mache ich nicht“, sagt Baumert-Büning. Schnäppchenjäger sind bei ihr an der falschen Adresse. „Meine Tiere sind mir viel wert. Die werden nicht verramscht.“

Hochwertige Produkte

Ihren Kunden geht es um hochwertige Produkte, die nicht überall zu haben sind. Dafür zahlen sie gern mehr als im Supermarkt. „Wer nur billig möchte, der rennt ohne Nachzudenken zum nächsten Discounter“, sagt die Landwirtin. Bei Auktionsende geht es dem Tier an den Kragen. Während die Landschweine von Andreas Büning zum Metzger nach Vreden gebracht werden, schießt ein beauftragter Jäger das Hochlandrind direkt auf der Weide. Grund: Das Tier von der Herde zu trennen und zum Schlachter zu bringen, würde ihm nicht zumutbaren Stress verursachen.

Versand des Fleisches mit Kühlakkus

„Bis zu diesem Tag geht es meinen Tieren gut“, sagt Baumert-Büning. Die etwa 20 Highlands leben das ganze Jahr im Familienverband auf der Wiese, der Zuchteber, die drei Zuchtsauen und das Dutzend Schweine in geräumigen mit Stroh ausgelegten Ställen. Der Metzger zerlegt das Fleisch. Anke Baumert-Büning vakuumiert das Fleisch sofort ein und schickt es mit Kühlakkus versehen los. Per Expresslieferung, damit die Ware den Kunden binnen 24 Stunden erreicht. Der ist informiert und wartet auf seine Lieferung. „Auch als Internethändler unterliegt man den gesetzlichen Hygienebestimmungen“, sagt Baumert-Büning. Sie zeichnet ihre Ware mit Haltbarkeitsdatum und Zutatenliste aus.

Nachfrage im Internet nimmt zu

Die Nachfrage nach Fleisch via Internet nimmt zu, sagt die Direktvermarkterin. In einer normalen Woche verkauft sie das Fleisch eines ganzen Schweins und eines halben Rindes. Mittlerweile versendet sie etwa 1000 Fleischpakete pro Jahr. „Eine wichtige Einnahmequelle für den Hof.“

Peter Toholt vom Fleischerverband NRW beobachtet, dass immer mehr Mitgliedsbetriebe Waren online anbieten. „Es handelt sich meist um Konserven in Gläsern, Salami, Dauerwurst oder Westfälischen Knochenschinken“, sagt er. „Aber Frischfleisch? Das ist wohl eher noch die Ausnahme.“ Die Idee, durch Internetverkauf neue Kunden zu gewinnen, findet er zwar originell, hält sie aber bei Frischfleisch für problematisch, „da dies kein geeignetes Produkt ist, um auf eine lange Reise zu gehen“. Anke Baumert-Büning garantiert ihren Kunden aber Frische und versendet daher an warmen Tagen kein Fleisch.

Marktlücke entdeckt

Völlig überrascht vom Fleischverkauf bei Ebay ist Hans-Heinrich Berghorn, Pressesprecher beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband: „Davon höre ich zum ersten Mal.“ Er ist kein Einzelfall. Wer Ebay auf Fleisch von Schwein und Rind durchforstet, merkt, dass es zwar einige Hundert Angebote gibt, aber nur eine Handvoll Metzger und Bauern, die qualitativ hochwertiges Fleisch verkaufen. Anke Baumert-Büning hat eine Marktlücke entdeckt.
Autor
Astrid Beckmann
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    8. März 2009, 19:29 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 13:28 Uhr
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