Religionsgemeinschaft: Gericht macht Hindu-Tempelverein Hoffnung auf Anerkennung

Arnsberg Der Hindu-Tempelverein aus Hamm kann weiter auf eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft hoffen. Die Richter ließen am Freitag durchblicken, dass das Land zu Unrecht die Anerkennung abgelehnt hatte.

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  • Der Turm des hinduistischen Sri Kamadchi Ampal Tempels in Hamm. Das Verwaltungsgericht Arnsberg hat entschieden: Die Gemeinde muss als Religionsgemeinschaft anerkannt werden.

    Der Turm des hinduistischen Sri Kamadchi Ampal Tempels in Hamm. Das Verwaltungsgericht Arnsberg hat entschieden: Die Gemeinde muss als Religionsgemeinschaft anerkannt werden. Foto: dpa

  • Der Turm des hinduistischen Sri Kamadchi Ampal Tempels in Hamm. Das Verwaltungsgericht Arnsberg verhandelt über die Frage, ob der Tempelverein eine Religionsgemeinschaft ist.

    Der Turm des hinduistischen Sri Kamadchi Ampal Tempels in Hamm. Das Verwaltungsgericht Arnsberg verhandelt über die Frage, ob der Tempelverein eine Religionsgemeinschaft ist. Foto: dpa

Das Verwaltungsgericht in Arnsberg verhandelte am Freitag darüber, ob das Land den Antrag des Vereins auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) zu Unrecht abgelehnt hatte. Die Richter ließen durchblicken, dass das in zwei Wochen erwartete Urteil zugunsten des Tempelvereins ausfallen könnte.

Rechtslage habe sich geändert

Nach Einschätzung des Vorsitzenden Richters hat sich die Rechtslage durch ein aktuelles Urteil des Bundesverwaltungsgerichts geändert, so dass wenig gegen den Antrag der Hindus aus Hamm spreche. Die Argumente, der Verein habe zu wenige Mitglieder und bestehe noch nicht lange genug, reichten im konkreten Fall nicht für eine Ablehnung. „Ob der Verein 500 oder 1000 Mitglieder hat, ist unmaßgeblich, weil der religiöse Bedarf besteht, Hinduismus hier zu leben“, sagte er in der mündlichen Verhandlung.
Auch wenn der Priester die Hauptfigur des Vereins sei, werde der Tempel langfristig ein Anziehungspunkt für in Deutschland und Europa lebende Hindus bleiben, so der Richter. Der Verein habe zwar nur rund 1800 Mitglieder, aber die Tendenz sei steigend und es gebe viele junge Mitglieder. Die Bedeutung zeige sich auch an den bis zu 20 000 Gläubigen, die alljährlich zum Tempelfest nach Hamm kommen. Zudem scheine auch die Nachfolge des Priesters geregelt.

Tempel in Hamm

Der Priester des in einem Industriegebiet in Hamm mit 1,5 Millionen Euro Spendengeldern gebauten Tempels zeigte sich nach dem Gerichtstermin zuversichtlich. „Der Richter war fair und hat gute Fragen gestellt“, sagte Siva Sri Paskarakurukkal. „In unserer Religion ist ein Richter ein Vertreter Gottes, weil von seinem Urteil abhängt, wie es weitergeht.“

Beim Versuch, als KdöR anerkannt zu werden, schielt der Verein nach eigenem Bekunden nicht auf finanzielle Vorteile. Vielmehr gehe es darum, die Sozialarbeit und Seelsorge zu legitimieren. Derzeit gebe es zum Beispiel Probleme, wenn der Priester einen hinduistischen Gefängnis-Insassen besuchen wolle, erklärte der Anwalt des Vereins, Lothar Hinz. Aber als KdöR darf der Verein beispielsweise auch Beamte einstellen, Friedhöfe betreiben und Steuern einziehen.

Land sieht noch keinen Platz für Hinduismus

Deshalb wollten die Vertreter des Landes trotz der klaren rechtlichen Einordnung des Gerichts nicht einlenken. „Der Hinduismus ist erst vor kurzem in Deutschland angekommen“, sagte ein Prozess-Vertreter des Landes. Man wolle zumindest einen Generationen-Wechsel in dem Verein abwarten, bevor man einer Anerkennung zustimme. Denn die damit erteilten Befugnisse, seien nur schwer wieder zurückzuholen. Deshalb will sich das Land notfalls auch den Instanzenweg offenhalten
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Autor
dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    7. Juni 2013, 14:35 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 12:36 Uhr